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Studentenleben live

Ein Dichter als Nationalheld - ein Trinklied als Nationalhymne

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

11.03.2014

Jede Nation hat irgendwelche Helden, die im jeweiligen Land mehr oder weniger verehrt werden. In Slowenien heißt dieser Held France Prešeren (sprich: Franze Prescheren). Nach ihm ist der Hauptplatz in Ljubljana benannt und sicherlich noch 100 weitere Plätze, Straßen und Institutionen im gesamten Land. Das Besondere ist, dass es sich bei ihm nicht um einen wichtigen Politiker oder Militär handelt, sondern um einen Poeten, der erst nach seinem Tod erfolgreich wurde. Daher ziert den Prešeren-Platz auch kein Reiterdenkmal, sondern eine Statue des Dichters, über dem eine Muse schwebt.

Prešeren lebte im 19. Jahrhundert und schrieb vor allem Gedichte. Die meisten verfasste er in slowenischer Sprache und zeigte damit, dass es möglich war, in einer Sprache zu dichten, die unter Österreich-Ungarn nicht als Sprache anerkannt war. Leider verlief sein Leben nicht gerade glücklich und er wurde erst nach seinem Tod berühmt.

Eines seiner bekanntesten Gedichte ist „Zdravljica“, was zu Deutsch „Trinkspruch“ oder „Toast“ heißt. Die siebte Strophe ist heutzutage die Hymne Sloweniens. In den ersten Strophen geht es um Wein und Vaterlandsliebe, in der siebten jedoch heißt es dann, nach der Übersetzung von Fran Vidic:

Es leben alle Völker,

Die sehnend warten auf den Tag

Dass unter dieser Sonne

Die Welt dem alten Streit entsag!

Frei sei dann

Jedermann

Nicht Feind, nur Nachbar mehr fortan.

Ich kenne keine Nationalhymne, in der es um Frieden zwischen den Völkern geht. Meist geht

darum, dass die Feinde vernichtet werden müssen, damit das eigene Land stark bleibt und gedeiht.

Dabei werden zum Teil noch heute diese blutrünstigen Texte gesungen. Oder es geht um die Qualitäten, die das eigene Land allen anderen voraus hat.

In der deutschen geht es wenigstens um Einigkeit und Recht und Freiheit in Deutschland, aber von Weltfrieden ist da auch nicht die Rede, obwohl beide Gedichte aus der gleichen Zeit stammen.

Was man auch immer vom Nationalstaat als Idee und den damit verbundenen Symbolen (Wappen, Hymne, Flagge) halten mag, ich finde es doch sympathisch, in einem Staat zu leben, der sich in seiner Hymne Weltfrieden wünscht. Und der außerdem ein Trinklied zur Nationalhymne erhebt.

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