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Studentenleben live

Sorry, Stress

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

02.04.2014

Ich habe nicht viele Konstanten im Leben, aber Stress ist mit Sicherheit eine davon. Diese Beziehung verläuft irgendwie etwas einseitig – vielleicht fühle ich mich deshalb gerade schuldig und unterbewusst dazu verpflichtet, zwei Dinge klarzustellen.

Erstens: Eigentlich ist Stress gar nicht der Niederschlag auf deine Kartenhausordnung, nicht der schummelnde Gegner, der deine Sanduhr manipuliert. Eigentlich ist Stress nur ein Gefühl, ist nur in deinem Kopf.

Ja, eigentlich habe ich einfach nur ein bisschen mehr zu tun als sonst, aber plötzlich ist gleich alles ganz furchtbar, weil Multitasking eben nicht so meins ist und früh aufstehen auch nicht. Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, beklage ich mich über meine lästige Affäre mit diesem Stress und entschuldige damit jede meiner Launen, obwohl ich meinen Lover schon länger nicht mehr wirklich gesehen habe. Ich schimpfe dass er so eine große Rolle in meinem Leben beansprucht, ohne zu bemerken, dass ich es bin, die ihm eine so große Rolle in meinem Kopf gibt. Eigentlich ist das unfair. Sorry, Stress.

Zweitens: Eigentlich ist Stress total in Ordnung, er hat nur ein hässliches Image. Und er kann eben nicht mehr sein als das, was wir aus ihm machen.

Ich meine, was macht Stress mit uns? Er erinnert uns daran, bewusster zu leben. Er fördert unsere Ziele und unsere Motivation. Er lässt uns Pläne machen. Er pusht uns also, bringt uns an unsere Grenzen und lässt uns dabei trotzdem menschlich wirken. Würden wir uns nicht stressen, würden wir auch nie etwas erreichen, wir hätten nie dieses erleichternde Gefühl nach dem klärenden Gespräch, in dem der Stress bestätigt, doch nur an einer offenen Beziehung interessiert zu sein. Alles ist plötzlich wieder so einfach und unbeschwert. Und dafür lieben wir ihn doch, wenn wir ehrlich sind. Oder?

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