interaktiv

Studentenleben live

1.000 Leute und doch viel allein

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

07.04.2014

Erasmus ist die Zeit, um ganz viele neue Leute aus ganz Europa kennenzulernen, heißt es immer.

Ganz viele tolle neue Freunde. Und vielleicht auch die Liebe des Lebens. Es kommen einem sofort Bilder in den Kopf, auf denen eine bunt gemischte Gruppe in der Sonne liegt oder in einem Club tanzt. Natürlich lernt man am Anfang sehr viele neue Leute kennen. Aber leider musste ich feststellen, dass die Tatsache, dass man in der gleichen Stadt ein Auslandssemester macht, nicht unbedingt etwas Verbindendes ist. Mit vielen hatte ich mir schlichtweg nichts zu sagen und auf Unterhaltungen wie „Jetzt sagt jeder mal einen Trinkspruch in seiner Sprache!“ habe ich inzwischen auch keine Lust mehr.

Komplett abkapseln wollte ich mich aber auch nicht, schließlich kannte ich hier niemanden und es sind natürlich auch ein paar Nette unter den Erasmusstudis. Trotzdem war ich in den ersten Wochen sehr viel allein. Ich fand das überhaupt nicht schlimm, es hat mich sehr an mein Soziales Jahr erinnert. Ich hatte einfach Zeit, alleine die Gegend zu erkunden und über mich und mein Leben nachzudenken. Und was ist schon dabei, allein in einem Café zu sitzen?

Fast jedes Wochenende fahre ich an irgendeinen Ort in Slowenien, um das Land besser kennenzulernen (und ganz so viel für die Uni wie zu Hause muss ich dann doch nicht vorbereiten). „Und mit wem?“, werde ich dann oft gefragt. Auf Englisch kann man da so wunderbar antworten: „Me, myself and I“. Ich habe es zu schätzen gelernt, spontan, wenn ich gerade Lust habe, durch das Land zu fahren. Meine Ausflüge sind meistens nicht akribisch geplant, aber ich mache das Beste daraus und nehme es eben, wie es kommt. Das kann man in einer Gruppe nicht machen, vor allem, wenn die anderen nichts organisieren, sondern sich nur anschließen wollen, weil sie selbst keine Idee oder Angst haben, auf Slowenisch ein Busticket zu kaufen. Viele haben notorische Angst zu vereinsamen und verbringen lieber ihre Zeit mit Leuten, die sie gar nicht mögen, als allein zu sein.

Letztes Wochenende habe ich (allein!) die slowenische Mitfahrgelegenheit ausprobiert, und ein bisschen mulmig war mir da schon. Schließlich hätte ich es wahrscheinlich nicht gemerkt, wenn der Fahrer komplett woanders hingefahren wäre. Aber es hat alles gut geklappt und ich habe mich gut unterhalten. Und sogar Erasmus-Rabatt bekommen.

Diesen Artikel teilen

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Das hilft uns, dir ein gutes Nutzungserlebnis zu bieten und unsere Website zu verbessern. Wenn du durch die Seiten surfst, erklärst du dich hiermit einverstanden. Hier erfährst du mehr über die Nutzung deiner Daten und Möglichkeiten zum Widerspruch.