Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Studentenleben live

Freikirchen, Hare Krishna und Burek

„Hey, we are Kylie and Tina from the US. We are travelling here in Slovenia. Do you have a minute?“ Etwas verdutzt sah ich von meinem Buch auf, mit dem ich es mir gerade am Ufer der Ljubljanica, Ljubljanas schönem Fluss, gemütlich gemacht hatte. Schon am Tag vorher hatten mich zwei andere Amerikanerinnen angesprochen, da hatte ich es aber eilig. Diesmal wollte ich wissen, warum plötzlich so viele Amerikanerinnen zu zweit herumlaufen und junge Menschen ansprechen. Wie man hätte vermuten können, wollten sie mir keinen Staubsauger verkaufen, sondern mit mir über Gott und Jesus Christus sprechen.

Darauf hatte ich wiederum keine Lust (den Staubsauger hätte ich vermutlich auch nicht genommen), dafür fing ich an, sie auszufragen, wie sie denn nach Slowenien kämen und warum sie hier missionieren wollten. Das schien sie etwas zu verblüffen. Auch die Frage, ob sie denken, dass in post-sozialistischen Ländern vielleicht mehr Menschen auf der Suche nach einer religiösen Identität seien, konnten sie mir leider nicht beantworten. Oder sie hatten über diesen Aspekt noch nie nachgedacht. Schade eigentlich, das wäre doch interessant gewesen. Dafür erzählten sie mir ausführlich, wie sie zum Glauben gefunden hatten.

Aber nicht nur Freikirchen versuchen hier ihr Glück. Jeden Sonnabend, wenn ich zum Yoga oder einfach zur Entspannung in den größten Park der Stadt gehe, den Tivoli, treffe ich eine Prozession von Hare Krishna Anhängern, die singend und betend über die Wiesen ziehen. Sie wollten mit mir zwar bis jetzt noch nicht über Gott sprechen, dafür sollte ich doch ihr heiliges Buch mitnehmen und es zu Hause lesen. Da konnte ich mich sehr höflich entziehen mit der sehr praktischen, aber leider auch wahren, Ausrede, dass mein Slowenisch nicht gut genug sei, um Bücher zu lesen. Dafür luden sie mich in ihr Restaurant ein. Die Hare Krishna Gemeinde betreibt sogar zwei in Ljubljana. Beide sind vor allem für Vegetarier interessant, weil sie weder Fleisch, noch Fisch anbieten und auch vegane Speisen im Angebot haben.

Das kleinere ist direkt hinter der Philosophischen Fakultät und zeigt sehr gut, wie verschiedene Kulturen verschmelzen können. Der Raum ist mit vielen bunten Bildern geschmückt, die Hare Krishna zeigen. Ansonsten hat es das Ambiente eines Fastfoodrestaurants. Gegessen wird von Plastiktellern oder aus Styroporschalen. Die Studierenden stehen Schlange, weil es alle Gerichte umsonst gibt. Denn der slowenische Staat gibt jedem Studi 20 mal 2,60 Euro im Monat als Subvention, die man in verschiedenen Restaurants oder auch beim Pizzalieferservice einlösen kann. Meist allerdings mit Zuzahlung. Und was für Gerichte bietet die Hare-Krishna-Gemeinde den Studis? Ein Currygericht mit Reis und so wie überall in Ljubljana: Burek und Pizza.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Jun 20, 2014
Autor: Rose
Rubrik: studium
Jun 20, 2014

Studentenleben live

Peace renegotiated

Länderflaggen neben Namensschildern, dazu ein Glas Wasser und Unterlagen. Ein runder Tisch. Formelle Atmosphäre. Das Collegium Hungaricum in Berlin hatte sich für seine Gäste, die die europäische Ordnung nach dem ersten Weltkrieg erst nach- und dann neu verhandeln sollten, herausgeputzt. Anzug- und Kostümträger wirbelten durcheinander, vier Kameras begleiteten jede Sekunde der Gespräche, es sollte eben alles authentisch sein.

Versailles, 1919: Die alliierten Siegermächte des Ersten Weltkriegs, darunter Frankreich, Großbritannien, Italien und die USA, unterzeichnen einen Friedensvertrag. Deutschland ebenfalls – aber unter Protest. Zwanzig Jahre später tobt ein zweiter Weltkrieg über Europa.

Berlin, 2014: Junge Europäer treffen sich in Berlin und gedenken des ersten Weltkriegs. Wie hätte man den Frieden anders, besser, stabiler gestalten können? In der ersten Verhandlungsrunde bekommt jeder eine Rolle, wobei niemand seine eigene Nation vertritt. Es wird so verhandelt, wie es wirklich hätte geschehen können und meine Rolle in der französischen Delegation war spannend. Als Gastgeber hatten wir die beste Ausgangsposition. Ungleich spannender wurde jedoch die zweite Verhandlungsrunde: Welche Lösungsansätze hätten nicht zu einem zweiten Weltkrieg geführt? Welche Gebiete können an wen abgetreten werden und vor allem: Wie lösen wir das ewige Minderheitenproblem? Es wurde diskutiert, bis die Köpfe rauchten, eine völlig fiktive alternative Geschichtsschreibung wurde plötzlich zum Maß der Dinge.
Und eins haben alle gelernt: Verhandlungen sind unglaublich langwierig und verdienen schon im Vorhinein jede Menge Respekt.

 

Autor: Inga  |  Rubrik: studium  |  Jun 18, 2014
Autor: Inga
Rubrik: studium
Jun 18, 2014

Studentenleben live

Poetry Slam und andere Jahresziele

Der nächste Punkt auf meiner To-do-Liste für 2014 ist abgehakt: Ich habe an einem Poetry Slam teilgenommen. In einem meiner Texte mache ich mich über dieses ewige Listengeschreibe lustig.

„Und deswegen stecken wir uns diese Ziele,

die ungewöhnlich sind und speziell,

weil wir nur diesen Weg kennen,

uns zu sagen, wir wärn individuell.

Weil wir unsern Puls halt nur spüren,

wenn wir so langsam verrecken,

weil wir so vieles wissen und so viel verstehn,

aber einfach noch immer nicht checken,

dass diese Listen mit den Dingen,

die man in seinem Leben mal tun sollte,

nur dämliche Menschen erfinden.

Denn irgendwo hat doch jeder eigene Träume,

zwischen Pädagogiktexten und dem Kater von gestern

sitzt doch in jedem vom uns diese kleine Idee,

von der er einfach nicht wegkann, weil...

weil er nichts schreiben muss, um sie festzuhalten.“

Und ja, das sehe ich auch immer noch so. Es ist sinnfrei, sich an diesen Listen im Internet zu orientieren, auf denen so schwachsinnige Dinge stehen wie „einen Baum umarmen“ (das steht wirklich auf jeder Liste!), „Dudelsack lernen“ oder „länger an Liebeskummer leiden als die Beziehung gedauert hat“. Als gäbe es ein Patentrezept für ein erfülltes Leben jenseits des Mainstreams. Ich für meinen Teil träume eher von einem Pinguin in meiner Badewanne als von scheiternden Beziehungen und exzessiven Trauerphasen. Aber weil das mit dem Pinguin wahrscheinlich nie was wird, muss man sich die realistischen Dinge manchmal einfach aufschreiben, mehr als eine Art Selbstverpflichtung. Denn ganz oft sind das Dinge, die wir anderen als unsere Ziele erklären, die für uns selbst aber noch so wenig konkret sind, dass wir nicht einmal wissen, in welche Richtung wir laufen müssten. Als würden wir in ein Land fahren wollen, weil der Name cool klingt, ohne zu wissen, wo auf der Erdkugel sich dieser Staat befindet. Wenn da aber ein Stichpunkt auf einer Liste ist, mit einer großzügigen Deadline, und du weißt, dass du diesen Punkt irgendwann abhaken können willst, dann wird alles ein bisschen greifbarer. Und so kann ich nun auch den Poetry Slam abhaken und weiß gleichzeitig, dass ich ihn noch nicht ganz abhaken werde – denn dieses Gefühl, auf einer Bühne zu stehen und ein paar Minuten zu haben, in denen dir das Wort gehört, ist wunderschön.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Jun 17, 2014
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Jun 17, 2014