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Studentenleben live

Poetry Slam und andere Jahresziele

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

17.06.2014

Der nächste Punkt auf meiner To-do-Liste für 2014 ist abgehakt: Ich habe an einem Poetry Slam teilgenommen. In einem meiner Texte mache ich mich über dieses ewige Listengeschreibe lustig.

„Und deswegen stecken wir uns diese Ziele,

die ungewöhnlich sind und speziell,

weil wir nur diesen Weg kennen,

uns zu sagen, wir wärn individuell.

Weil wir unsern Puls halt nur spüren,

wenn wir so langsam verrecken,

weil wir so vieles wissen und so viel verstehn,

aber einfach noch immer nicht checken,

dass diese Listen mit den Dingen,

die man in seinem Leben mal tun sollte,

nur dämliche Menschen erfinden.

Denn irgendwo hat doch jeder eigene Träume,

zwischen Pädagogiktexten und dem Kater von gestern

sitzt doch in jedem vom uns diese kleine Idee,

von der er einfach nicht wegkann, weil...

weil er nichts schreiben muss, um sie festzuhalten.“

Und ja, das sehe ich auch immer noch so. Es ist sinnfrei, sich an diesen Listen im Internet zu orientieren, auf denen so schwachsinnige Dinge stehen wie „einen Baum umarmen“ (das steht wirklich auf jeder Liste!), „Dudelsack lernen“ oder „länger an Liebeskummer leiden als die Beziehung gedauert hat“. Als gäbe es ein Patentrezept für ein erfülltes Leben jenseits des Mainstreams. Ich für meinen Teil träume eher von einem Pinguin in meiner Badewanne als von scheiternden Beziehungen und exzessiven Trauerphasen. Aber weil das mit dem Pinguin wahrscheinlich nie was wird, muss man sich die realistischen Dinge manchmal einfach aufschreiben, mehr als eine Art Selbstverpflichtung. Denn ganz oft sind das Dinge, die wir anderen als unsere Ziele erklären, die für uns selbst aber noch so wenig konkret sind, dass wir nicht einmal wissen, in welche Richtung wir laufen müssten. Als würden wir in ein Land fahren wollen, weil der Name cool klingt, ohne zu wissen, wo auf der Erdkugel sich dieser Staat befindet. Wenn da aber ein Stichpunkt auf einer Liste ist, mit einer großzügigen Deadline, und du weißt, dass du diesen Punkt irgendwann abhaken können willst, dann wird alles ein bisschen greifbarer. Und so kann ich nun auch den Poetry Slam abhaken und weiß gleichzeitig, dass ich ihn noch nicht ganz abhaken werde – denn dieses Gefühl, auf einer Bühne zu stehen und ein paar Minuten zu haben, in denen dir das Wort gehört, ist wunderschön.

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