interaktiv

Studentenleben live

Peace renegotiated

Autor:
Inga

Rubrik:
studium

18.06.2014

Länderflaggen neben Namensschildern, dazu ein Glas Wasser und Unterlagen. Ein runder Tisch. Formelle Atmosphäre. Das Collegium Hungaricum in Berlin hatte sich für seine Gäste, die die europäische Ordnung nach dem ersten Weltkrieg erst nach- und dann neu verhandeln sollten, herausgeputzt. Anzug- und Kostümträger wirbelten durcheinander, vier Kameras begleiteten jede Sekunde der Gespräche, es sollte eben alles authentisch sein.

Versailles, 1919: Die alliierten Siegermächte des Ersten Weltkriegs, darunter Frankreich, Großbritannien, Italien und die USA, unterzeichnen einen Friedensvertrag. Deutschland ebenfalls – aber unter Protest. Zwanzig Jahre später tobt ein zweiter Weltkrieg über Europa.

Berlin, 2014: Junge Europäer treffen sich in Berlin und gedenken des ersten Weltkriegs. Wie hätte man den Frieden anders, besser, stabiler gestalten können? In der ersten Verhandlungsrunde bekommt jeder eine Rolle, wobei niemand seine eigene Nation vertritt. Es wird so verhandelt, wie es wirklich hätte geschehen können und meine Rolle in der französischen Delegation war spannend. Als Gastgeber hatten wir die beste Ausgangsposition. Ungleich spannender wurde jedoch die zweite Verhandlungsrunde: Welche Lösungsansätze hätten nicht zu einem zweiten Weltkrieg geführt? Welche Gebiete können an wen abgetreten werden und vor allem: Wie lösen wir das ewige Minderheitenproblem? Es wurde diskutiert, bis die Köpfe rauchten, eine völlig fiktive alternative Geschichtsschreibung wurde plötzlich zum Maß der Dinge.
Und eins haben alle gelernt: Verhandlungen sind unglaublich langwierig und verdienen schon im Vorhinein jede Menge Respekt.

 

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