interaktiv

Studentenleben live

Starke Frauen

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

08.07.2014

Das war mal wieder so eine richtige Pseudo-Gleichstellungs-Veranstaltung: Eine Rechtsanwältin aus einer Großkanzlei, die sich vor die Studenten stellt und erzählt, dass man auch als Frau Karriere machen kann. Vor die Studenten? Naja, eher vor die Studentinnen. Da wird dann wieder über die Frauenquote geredet, Diskriminierung am Arbeitsplatz, aber gerade diese Veranstaltung ist der beste Beweis dafür, dass Frauen und Männer immer noch nicht gleichgestellt sind. Sonst hatte man die Veranstaltung vielleicht „Familie und Karriere“ genannt und sie auch männlichen Kommilitonen schmackhaft gemacht.

Aber zum Glück habe ich genügend weibliche Vorbilder, um mich nicht abschrecken zu lassen. Unsere ehemalige Präsidentin zum Beispiel, die gerade zur Bundesverfassungsrichterin ernannt wurde. Beim Big-Band-Sommerkonzert kam Frau König gerührt auf die Bühne, als die Law School Gemeinde „God save the Queen“ für sie sang. Und beim Gang durch den Flur hörte ich, wie sie einer Kollegin begeistert berichtete, dass es bei ihr in der neuen Wohnung in Karlsruhe zum Glück einen Aldi um die Ecke gibt.

Außerdem die Mutter einer Freundin von mir, die sich endlich ihren lang ersehnten Wunsch erfüllt hat: studieren. Ihr Vater hatte ihr nur eine Ausbildung erlaubt, und jetzt, mit Mitte 40, hat sie endlich ihre Bachelorarbeit eingereicht – und sich nebenbei noch um den Haushalt gekümmert. Alles ganz selbstverständlich!

Und dann eine Bekannte meiner Mutter, die als Richterin mal eben von Privatrecht zu Strafrecht gewechselt hat. Die Lernsachen für Strafrecht waren im Urlaub mit dabei und jetzt ächzt sie jeden Tag unter meterhohen Stapeln Akten, wobei sie keine Ahnung hat, was im Gottes Namen sie genau damit machen soll. Motto: erstmal sortieren, dann weiterschauen. Aber so ist das – man wächst mit seinen Aufgaben. Und so bin ich optimistisch, trotz irgendwo anzukommen, wo es mir gefällt.

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