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Studentenleben live

Vorbilder

Also wirklich, das könnte ich mir schon vorstellen: arbeiten am Bundesverfassungsgericht. Beim Lernen für die Strafprozessrechts-Klausur bin ich wieder über ein paar Urteile gestolpert. Es kommt ja nicht so oft vor, aber in diesem Fall hat mir Lernen dann wirklich Spaß gemacht – wie unglaublich faszinierend es ist, dass Menschen bestimmte Fragestellungen so wahnsinnig abstrahieren können! Einer meiner „Vorbilder“ ist ein ehemaliger Verfassungsrichter, der bei uns an der Uni lehrt. Ein wahnsinnig schlauer Kopf, und dann noch so bescheiden und am Boden geblieben. Oft moderiert er Veranstaltungen und bringt das gesamte Publikum zum Lachen – auch über sich selber.

Bei diversen Veranstaltungen trifft man immer wieder erfolgreiche Menschen, die einen wahnsinnig inspirieren. So zum Beispiel der Präsident des Verwaltungsgerichts Bremen vergangene Woche, der einfach unglaublich sympathisch ist. Er findet es schlimm, dass junge Menschen unter so großem Erfolgsdruck stehen, sich keinen Freiraum mehr lassen, um von ihrem gradlinigen Lebenslauf abzubiegen, und dahinter die Entwicklung ihrer Persönlichkeit total zurück bleibt. Er hat mich jedenfalls darin bestärkt, keine Ausrede mehr dafür zu suchen, dass ich mein Studium mit viel „außeruniversitären Aktivitäten“ genieße, auch mal innehalte und das Leben reflektiere.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Jul 15, 2014
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Jul 15, 2014

Studentenleben live

Pleite sein

Irgendwie finde ich es blöd, dass pleite sein nicht mehr dasselbe ist wie früher. Es gab da mal diese Zeit, zu der bedeutete dieser Ausdruck einfach, kein Geld zu haben. So gar keins. Aber trotzdem nicht zu verhungern, weil Mama ja dafür sorgt, dass Essen im Haus ist und eigentlich auch alles bezahlt. Außer Kleidung. Und Süßigkeiten. Und CDs. Und Zeitschriften. Und. Und. Und. Da war zwar immer viel, was man dann meinte, unbedingt haben zu müssen, aber dann hat man eben gewartet. Es blieb einem ja auch nichts anderes übrig.

Mittlerweile ist das irgendwie anders: Da sind monatliche Einkünfte und monatliche Ausgaben. Wenn ich pleite bin, heißt das, dass diese beiden Pole gerade nicht optimal aufeinander abgestimmt sind. Trotzdem kann ich aber das Geld ausgeben, das ich in der Zukunft hoffe zu besitzen – gegen eine minimale Zusatzsteuer an mein schlechtes Gewissen. Pleite sein heißt heute, sich zu verkalkulieren. Man kann schon mal vergessen, dass da noch ein teurerer Ausflug ansteht, eine Rechnung noch nicht bezahlt wurde oder es noch drei Geburtstage bis Monatsende sind. Dann muss man abwägen zwischen den kuriosesten Dingen: „Nein, ich kann jetzt kein Haarspray kaufen, das benutze ich eh nur, wenn ich feiern gehe und das kann ich gerade nicht, weil ich kein Geld habe. Ich kaufe mir lieber dieses runtergesetzte Kleid. Das ist eine langfristig gesehen sinnvollere Investition.“ Es kommt mir vor wie Selbstbetrug. Pleite sein ist meist ziemlich ironisch. Manchmal fehlt mir nämlich Geld auf dem Konto, weil ich monatlich für einen spießigen Bausparvertrag einzahle. Oder ich muss lachen, wenn eine der potenziellen neuen Mitbewohnerinnen Finanzassistentin ist. Vor allem aber nerve ich meine Freunde. Ich glaube, ich rede schon seit etwa zwei Monaten ständig darüber, wie schlecht es mir finanziell geht – das ist vielleicht ganz sinnvoll als prophylaktische Maßnahme gegen Einbrecher, aber sicherlich wenig sympathisch.

Pleite sein ist mittlerweile nicht mehr das Warten auf das nächste Taschengeld, es ist die Zeit zwischen unzähligen verschiedenen Geldwechseln, die ich einfach nie ganz überblicken werde. Und es fühlt sich irgendwie ein bisschen gefährlicher an, weil ich jederzeit die Prioritäten falsch setzen und plötzlich kein Geld mehr für Essen haben könnte. Eine Konstante ist mir aber zum Glück geblieben: Ratschläge aus dem Elternhaus. Auf Mütter ist eben in manchen Dingen einfach Verlass!

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Jul 14, 2014
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Jul 14, 2014

Studentenleben live

Hürden bei der Bachelorarbeit – Die Zeit

Das Semester würde sechs Wochen früher enden. Das war genau die Zeitspanne, in der ich angedacht hatte, meine Bachelorarbeit zu schreiben. Juhu, dachte ich mir, buchte zwei Wochen Urlaub in Frankreich, zwei Wochen Sprachkurs in Tschechien und legte ein Seminar in diese Zeit. Dann blieben mir, Semesterferien mit eingerechnet, komischerweise insgesamt nur noch drei Wochen.

Das fiel mir allerdings erst auf, als die „Schreibzeit“ schon angebrochen war. Ich hatte kein Thema, keine Idee, keinen Plan und eigentlich auch keine Lust. Irgendwie schaffte ich es doch, mich einzulesen, raffte mich auf, endlich in die Sprechstunde zu gehen und schon mal ein Thema abzusprechen. In der ungewöhnlich langen Schlange vor dem Arbeitszimmer des Professors hörte ich mich vorsichtig nach dem Arbeitsstand meiner Kommilitoninnen um: Die eine stellte gerade ihre Gliederung vor, die andere war schon bei der Hälfte angelangt, der Dritten fehlte nur noch der Feinschliff. Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Jetzt wurde es doch ganz schön stressig. Das erkannte ich vor allem an der Reaktion meiner Mitmenschen auf die Aussage: Ich habe noch drei Wochen. Sie reichten von unbändigem Mitleid bis hin zu der Frage, wie mein Plan B sei. Stressig. Drei Wochen – das schafft man doch wohl! Und jetzt ab in die Bibliothek. Alle gucken Fußball oder liegen in der Sonne. Inga guckt zwischen Uhr und Literatur hin und her.

Autor: Inga  |  Rubrik: studium  |  Jul 9, 2014
Autor: Inga
Rubrik: studium
Jul 9, 2014