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Studentenleben live

Pleite sein

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

14.07.2014

Irgendwie finde ich es blöd, dass pleite sein nicht mehr dasselbe ist wie früher. Es gab da mal diese Zeit, zu der bedeutete dieser Ausdruck einfach, kein Geld zu haben. So gar keins. Aber trotzdem nicht zu verhungern, weil Mama ja dafür sorgt, dass Essen im Haus ist und eigentlich auch alles bezahlt. Außer Kleidung. Und Süßigkeiten. Und CDs. Und Zeitschriften. Und. Und. Und. Da war zwar immer viel, was man dann meinte, unbedingt haben zu müssen, aber dann hat man eben gewartet. Es blieb einem ja auch nichts anderes übrig.

Mittlerweile ist das irgendwie anders: Da sind monatliche Einkünfte und monatliche Ausgaben. Wenn ich pleite bin, heißt das, dass diese beiden Pole gerade nicht optimal aufeinander abgestimmt sind. Trotzdem kann ich aber das Geld ausgeben, das ich in der Zukunft hoffe zu besitzen – gegen eine minimale Zusatzsteuer an mein schlechtes Gewissen. Pleite sein heißt heute, sich zu verkalkulieren. Man kann schon mal vergessen, dass da noch ein teurerer Ausflug ansteht, eine Rechnung noch nicht bezahlt wurde oder es noch drei Geburtstage bis Monatsende sind. Dann muss man abwägen zwischen den kuriosesten Dingen: „Nein, ich kann jetzt kein Haarspray kaufen, das benutze ich eh nur, wenn ich feiern gehe und das kann ich gerade nicht, weil ich kein Geld habe. Ich kaufe mir lieber dieses runtergesetzte Kleid. Das ist eine langfristig gesehen sinnvollere Investition.“ Es kommt mir vor wie Selbstbetrug. Pleite sein ist meist ziemlich ironisch. Manchmal fehlt mir nämlich Geld auf dem Konto, weil ich monatlich für einen spießigen Bausparvertrag einzahle. Oder ich muss lachen, wenn eine der potenziellen neuen Mitbewohnerinnen Finanzassistentin ist. Vor allem aber nerve ich meine Freunde. Ich glaube, ich rede schon seit etwa zwei Monaten ständig darüber, wie schlecht es mir finanziell geht – das ist vielleicht ganz sinnvoll als prophylaktische Maßnahme gegen Einbrecher, aber sicherlich wenig sympathisch.

Pleite sein ist mittlerweile nicht mehr das Warten auf das nächste Taschengeld, es ist die Zeit zwischen unzähligen verschiedenen Geldwechseln, die ich einfach nie ganz überblicken werde. Und es fühlt sich irgendwie ein bisschen gefährlicher an, weil ich jederzeit die Prioritäten falsch setzen und plötzlich kein Geld mehr für Essen haben könnte. Eine Konstante ist mir aber zum Glück geblieben: Ratschläge aus dem Elternhaus. Auf Mütter ist eben in manchen Dingen einfach Verlass!

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