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Studentenleben live

Pleite sein

Irgendwie finde ich es blöd, dass pleite sein nicht mehr dasselbe ist wie früher. Es gab da mal diese Zeit, zu der bedeutete dieser Ausdruck einfach, kein Geld zu haben. So gar keins. Aber trotzdem nicht zu verhungern, weil Mama ja dafür sorgt, dass Essen im Haus ist und eigentlich auch alles bezahlt. Außer Kleidung. Und Süßigkeiten. Und CDs. Und Zeitschriften. Und. Und. Und. Da war zwar immer viel, was man dann meinte, unbedingt haben zu müssen, aber dann hat man eben gewartet. Es blieb einem ja auch nichts anderes übrig.

Mittlerweile ist das irgendwie anders: Da sind monatliche Einkünfte und monatliche Ausgaben. Wenn ich pleite bin, heißt das, dass diese beiden Pole gerade nicht optimal aufeinander abgestimmt sind. Trotzdem kann ich aber das Geld ausgeben, das ich in der Zukunft hoffe zu besitzen – gegen eine minimale Zusatzsteuer an mein schlechtes Gewissen. Pleite sein heißt heute, sich zu verkalkulieren. Man kann schon mal vergessen, dass da noch ein teurerer Ausflug ansteht, eine Rechnung noch nicht bezahlt wurde oder es noch drei Geburtstage bis Monatsende sind. Dann muss man abwägen zwischen den kuriosesten Dingen: „Nein, ich kann jetzt kein Haarspray kaufen, das benutze ich eh nur, wenn ich feiern gehe und das kann ich gerade nicht, weil ich kein Geld habe. Ich kaufe mir lieber dieses runtergesetzte Kleid. Das ist eine langfristig gesehen sinnvollere Investition.“ Es kommt mir vor wie Selbstbetrug. Pleite sein ist meist ziemlich ironisch. Manchmal fehlt mir nämlich Geld auf dem Konto, weil ich monatlich für einen spießigen Bausparvertrag einzahle. Oder ich muss lachen, wenn eine der potenziellen neuen Mitbewohnerinnen Finanzassistentin ist. Vor allem aber nerve ich meine Freunde. Ich glaube, ich rede schon seit etwa zwei Monaten ständig darüber, wie schlecht es mir finanziell geht – das ist vielleicht ganz sinnvoll als prophylaktische Maßnahme gegen Einbrecher, aber sicherlich wenig sympathisch.

Pleite sein ist mittlerweile nicht mehr das Warten auf das nächste Taschengeld, es ist die Zeit zwischen unzähligen verschiedenen Geldwechseln, die ich einfach nie ganz überblicken werde. Und es fühlt sich irgendwie ein bisschen gefährlicher an, weil ich jederzeit die Prioritäten falsch setzen und plötzlich kein Geld mehr für Essen haben könnte. Eine Konstante ist mir aber zum Glück geblieben: Ratschläge aus dem Elternhaus. Auf Mütter ist eben in manchen Dingen einfach Verlass!

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Jul 14, 2014
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Jul 14, 2014

Studentenleben live

Hürden bei der Bachelorarbeit – Die Zeit

Das Semester würde sechs Wochen früher enden. Das war genau die Zeitspanne, in der ich angedacht hatte, meine Bachelorarbeit zu schreiben. Juhu, dachte ich mir, buchte zwei Wochen Urlaub in Frankreich, zwei Wochen Sprachkurs in Tschechien und legte ein Seminar in diese Zeit. Dann blieben mir, Semesterferien mit eingerechnet, komischerweise insgesamt nur noch drei Wochen.

Das fiel mir allerdings erst auf, als die „Schreibzeit“ schon angebrochen war. Ich hatte kein Thema, keine Idee, keinen Plan und eigentlich auch keine Lust. Irgendwie schaffte ich es doch, mich einzulesen, raffte mich auf, endlich in die Sprechstunde zu gehen und schon mal ein Thema abzusprechen. In der ungewöhnlich langen Schlange vor dem Arbeitszimmer des Professors hörte ich mich vorsichtig nach dem Arbeitsstand meiner Kommilitoninnen um: Die eine stellte gerade ihre Gliederung vor, die andere war schon bei der Hälfte angelangt, der Dritten fehlte nur noch der Feinschliff. Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Jetzt wurde es doch ganz schön stressig. Das erkannte ich vor allem an der Reaktion meiner Mitmenschen auf die Aussage: Ich habe noch drei Wochen. Sie reichten von unbändigem Mitleid bis hin zu der Frage, wie mein Plan B sei. Stressig. Drei Wochen – das schafft man doch wohl! Und jetzt ab in die Bibliothek. Alle gucken Fußball oder liegen in der Sonne. Inga guckt zwischen Uhr und Literatur hin und her.

Autor: Inga  |  Rubrik: studium  |  Jul 9, 2014
Autor: Inga
Rubrik: studium
Jul 9, 2014

Studentenleben live

Starke Frauen

Das war mal wieder so eine richtige Pseudo-Gleichstellungs-Veranstaltung: Eine Rechtsanwältin aus einer Großkanzlei, die sich vor die Studenten stellt und erzählt, dass man auch als Frau Karriere machen kann. Vor die Studenten? Naja, eher vor die Studentinnen. Da wird dann wieder über die Frauenquote geredet, Diskriminierung am Arbeitsplatz, aber gerade diese Veranstaltung ist der beste Beweis dafür, dass Frauen und Männer immer noch nicht gleichgestellt sind. Sonst hatte man die Veranstaltung vielleicht „Familie und Karriere“ genannt und sie auch männlichen Kommilitonen schmackhaft gemacht.

Aber zum Glück habe ich genügend weibliche Vorbilder, um mich nicht abschrecken zu lassen. Unsere ehemalige Präsidentin zum Beispiel, die gerade zur Bundesverfassungsrichterin ernannt wurde. Beim Big-Band-Sommerkonzert kam Frau König gerührt auf die Bühne, als die Law School Gemeinde „God save the Queen“ für sie sang. Und beim Gang durch den Flur hörte ich, wie sie einer Kollegin begeistert berichtete, dass es bei ihr in der neuen Wohnung in Karlsruhe zum Glück einen Aldi um die Ecke gibt.

Außerdem die Mutter einer Freundin von mir, die sich endlich ihren lang ersehnten Wunsch erfüllt hat: studieren. Ihr Vater hatte ihr nur eine Ausbildung erlaubt, und jetzt, mit Mitte 40, hat sie endlich ihre Bachelorarbeit eingereicht – und sich nebenbei noch um den Haushalt gekümmert. Alles ganz selbstverständlich!

Und dann eine Bekannte meiner Mutter, die als Richterin mal eben von Privatrecht zu Strafrecht gewechselt hat. Die Lernsachen für Strafrecht waren im Urlaub mit dabei und jetzt ächzt sie jeden Tag unter meterhohen Stapeln Akten, wobei sie keine Ahnung hat, was im Gottes Namen sie genau damit machen soll. Motto: erstmal sortieren, dann weiterschauen. Aber so ist das – man wächst mit seinen Aufgaben. Und so bin ich optimistisch, trotz irgendwo anzukommen, wo es mir gefällt.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Jul 8, 2014
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Jul 8, 2014