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Studentenleben live

Israel

Entscheidungen waren noch nie so mein Ding. Ob es dabei um Schuhe geht, um Meinungen zu kontrovers diskutierten Themen, um die Frage, ob ich gerade eher Lust auf süß oder herzhaft habe oder worüber ich meine Hausarbeit schreiben will – Entscheidungs-Apps sind ein wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden.

Diesmal geht es um ein bisschen mehr und ich glaube, es wäre in diesem Fall nicht zielführend, die Entscheidung an mein Handy abzugeben. Fast täglich werde ich von Freunden, Verwandten und teilweise auch Personen, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass sie meine Pläne kannten, angesprochen, ob ich denn nun wirklich noch an meinem Auslandssemester festhielte. In Israel sähe es ja gerade gar nicht gut aus. Ob ich keine Angst hätte. Ach, die Flüge werden jetzt bestimmt billiger sein“, war meine erste Reaktion, die bei den wenigsten auf positive Resonanz oder Verständnis stieß. Ich nahm das Ganze offensichtlich zu locker und als ich dann selbst mal die Reise- und Sicherheitshinweise vom Auswärtigen Amt checkte, war ich ein bisschen geschockt.
Das Auslandsamt unserer Hochschule sprach einfach gar nicht mit uns, und auf unsere Nachfrage hin hielten sie uns einen Monolog darüber, dass das eine sehr individuelle persönliche Entscheidung sei, die wir aus dem Bauch heraus zu treffen hätten – aha. Dass unsere Bäuche Kriegsszenen nur aus Nachrichten und Geschichtsbüchern kennen und wir absolut nicht einschätzen können, wie es vor Ort aussieht, wie viel man von dem ganzen Spektakel mitbekommt und wie sich das alles anfühlt, schienen sie irgendwie nicht bedacht zu haben. Natürlich ist diese Entscheidung unsere, aber ein bisschen mehr Unterstützung hatten wir uns irgendwie doch erhofft.

Nachdem ich nun also von meinem Vater ein ausdrückliche Verbot erhielt, von Freunden, die sich als mein Bauchgefühl ausgaben, gebeten wurde, zu bleiben, von ein paar kundigen Menschen die Prognose bekam, dass sich bis Oktober wieder viel beruhigen wird, und von meiner Kommilitonin den Entschluss hörte, die Reise auf jeden Fall durchzuziehen, war es plötzlich irgendwie doch ganz einfach. Dieser Gedanke daran, dass Nora ohne mich ein aufregendes Semester in Israel haben wird, während ich zu Hause sitze und erkennen muss, dass ich doch hätte gehen können, wenn ich nur mutig genug gewesen wäre, war letztendlich mein Auslöser. So wird nun in den nächsten Tagen der Flug gebucht und dann beginnt im Oktober ein spannendes Semester für mich. Und wenn's mir doch zu krass ist, kann ich ja immer noch wiederkommen.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Jul 25, 2014
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Jul 25, 2014

Studentenleben live

Südafrika

In zehn Tagen bin ich auf der anderen Erdhalbkugel, in Kapstadt, Südafrika. Kaum vorstellbar – dort werde ich vier Monate lang studieren. Grade kam eine E-Mail von meiner künftigen Vermieterin: „Bring warm clothes, it’s freezing cold here – about 15 degrees.“ Hmm, deren Winter sieht auch nicht so anders aus als unser Sommer.

Ich habe Glück, zwischen meinem Abflug und der letzten Klausur liegen fünf Tage. Bei manchen meiner Kommilitonen dagegen nur fünf Stunden. Und trotzdem reicht mir die Zeit nicht. Denn wie ich nun mal bin, habe ich während des Trimesters immer viel zu tun (mit Freizeit). Das heißt, dass ich während des Trimesters nicht viel zum Lernen komme und mir die Zeit vor den Klausuren dann das ganze Zeugs ohne große Pausen um die Ohren schlage. Wofür da keine Zeit bleibt, ist Abschied nehmen und die Vorfreude genießen. Wie gerne würde ich die letzte Woche mit meinen Freunden verbringen, durch diese wunderbare Stadt schlendern, noch mehr Cafés und kleine Läden kennenlernen und mich einfach nur treiben lassen. Meine Reiseapotheke in Ruhe zusammenstellen, mich impfen lassen und schon mal im Reiseführer blättern. Naja, verschiebe ich halt dieses mentale Abschied nehmen nach Südafrika. Wenn es wirklich stimmt, dass da der Winter auch mal kühler sein kann, habe ich endlich mal wieder ganz viel Zeit zum Nichtstun und nachdenken.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Jul 22, 2014
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Jul 22, 2014

Studentenleben live

Life at Law School

Ich glaube, wir Juristen neigen zum Jammern. Ach, ist das alles schwer und viel Arbeit ... Immer wenn ich mit Freunden telefoniere, sind sie erstaunt darüber, wie viel Zeit ich in der Uni verbringe. Und es hört sich vielleicht wirklich so an, als hätte ich ein unglaublich anstrengendes Leben ohne jegliche Freizeit. Okay, es gibt schon stressige Phasen. Aber oft verbringe ich auch einfach meine Freizeit in der Uni. Wenn ich an einem lauen Sommerabend mal schon am frühen Abend nach Hause komme, springe ich auf mein Rad und fahre zum Campus. Da findet sich bestimmt jemand, der nach dem Lernen noch ein bisschen auf dem Rasen sitzt, vielleicht einen Einweggrill mitgenommen hat und den Tag gemütlich ausklingen lässt. Wenn ich in meinem Zimmer mal wieder unter den Lernsachen eingehe, düse ich in die Bib und quatsche mit meinen Freunden. Im Auditorium steht ein Klavier, auf dem man spielen kann, wenn das Auditorium nicht gerade besetzt ist. Und in den vergangenen fünf Wochen ist das WM-Fieber ausgebrochen. Studierende wie Professoren packten ihre Trikots und Deutschland-Fanartikel aus, setzten sich in den großen Hörsaal und feuerten das deutsche Team an. In den Prüfungsphasen hoffe ich immer auf schlechtes Wetter, sonst würde ich die Zeit vor den Klausuren bestimmt auf der Decke in der Sonne statt über meiner Gesetzessammlung verbringen.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Jul 18, 2014
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Jul 18, 2014