interaktiv

Studentenleben live

Israel

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

25.07.2014

Entscheidungen waren noch nie so mein Ding. Ob es dabei um Schuhe geht, um Meinungen zu kontrovers diskutierten Themen, um die Frage, ob ich gerade eher Lust auf süß oder herzhaft habe oder worüber ich meine Hausarbeit schreiben will – Entscheidungs-Apps sind ein wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden.

Diesmal geht es um ein bisschen mehr und ich glaube, es wäre in diesem Fall nicht zielführend, die Entscheidung an mein Handy abzugeben. Fast täglich werde ich von Freunden, Verwandten und teilweise auch Personen, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass sie meine Pläne kannten, angesprochen, ob ich denn nun wirklich noch an meinem Auslandssemester festhielte. In Israel sähe es ja gerade gar nicht gut aus. Ob ich keine Angst hätte. Ach, die Flüge werden jetzt bestimmt billiger sein“, war meine erste Reaktion, die bei den wenigsten auf positive Resonanz oder Verständnis stieß. Ich nahm das Ganze offensichtlich zu locker und als ich dann selbst mal die Reise- und Sicherheitshinweise vom Auswärtigen Amt checkte, war ich ein bisschen geschockt.
Das Auslandsamt unserer Hochschule sprach einfach gar nicht mit uns, und auf unsere Nachfrage hin hielten sie uns einen Monolog darüber, dass das eine sehr individuelle persönliche Entscheidung sei, die wir aus dem Bauch heraus zu treffen hätten – aha. Dass unsere Bäuche Kriegsszenen nur aus Nachrichten und Geschichtsbüchern kennen und wir absolut nicht einschätzen können, wie es vor Ort aussieht, wie viel man von dem ganzen Spektakel mitbekommt und wie sich das alles anfühlt, schienen sie irgendwie nicht bedacht zu haben. Natürlich ist diese Entscheidung unsere, aber ein bisschen mehr Unterstützung hatten wir uns irgendwie doch erhofft.

Nachdem ich nun also von meinem Vater ein ausdrückliche Verbot erhielt, von Freunden, die sich als mein Bauchgefühl ausgaben, gebeten wurde, zu bleiben, von ein paar kundigen Menschen die Prognose bekam, dass sich bis Oktober wieder viel beruhigen wird, und von meiner Kommilitonin den Entschluss hörte, die Reise auf jeden Fall durchzuziehen, war es plötzlich irgendwie doch ganz einfach. Dieser Gedanke daran, dass Nora ohne mich ein aufregendes Semester in Israel haben wird, während ich zu Hause sitze und erkennen muss, dass ich doch hätte gehen können, wenn ich nur mutig genug gewesen wäre, war letztendlich mein Auslöser. So wird nun in den nächsten Tagen der Flug gebucht und dann beginnt im Oktober ein spannendes Semester für mich. Und wenn's mir doch zu krass ist, kann ich ja immer noch wiederkommen.

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