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Studentenleben live

Festival vs. Masterarbeit

Ich sitze an meinem Schreibtisch und versuche, mich auf das vor mir liegende Buch zu konzentrieren, doch es will nicht gelingen. Die Sonne scheint durch meine Fenster, der Himmel ist leuchtend blau, Menschen unterhalten sich auf der Straße und ... ja, und Musik klingt von den Straßen herein – es ist die Musik vom Upgrade-Festival.

Das Upgrade ist ein sehr kleines, eintägiges Festival in Magdeburg im Abtshof. Dieses Jahr traten dort unter anderem Volxstanz, The Footnotes und Nevertheless auf. Die erste Band war richtig gut und tanzbar. Mit der Musik im Hinterkopf durchflog ich rasch mein Buch – mehr oberflächlich als mit wahrem Interesse –, um alsbald die paar Straßenzüge entlangzulaufen und ein paar Stunden lang den Sommer zu genießen.

Ich kann wirklich niemandem empfehlen, die Masterarbeit im Sommer zu schreiben. Da gibt es immer Schöneres zu tun als am Schreibtisch auszuharren, während die Menschen rund um einen herum im See planschen. Der Sommer ist zu kurz und zu schön, um ihn für so eine Arbeit zu opfern.

Autor: Anni  |  Rubrik: studium  |  Aug 12, 2014
Autor: Anni
Rubrik: studium
Aug 12, 2014

Studentenleben live

Ankunft

Ein trauriger Moment im Leben eines Studenten: Wenn man merkt, dass das Flugzeugessen besser schmeckt als der Fraß, den man sich in der halben Stunde Pause zwischen dem Lernen selber zusammenköchelt. Aber vielleicht habe ich auch einfach richtig Hunger und es schmeckt deswegen so gut. Oder South African Airways hat exzellente Köche an Bord.

Ich sitze im Flieger nach Südafrika, genauer gesagt Johannesburg, der Ort der Welt, der durch die höchste Mordrate Berühmtheit erlangt hat. Auf mich warten Tiger, Löwen, Giraffen und Elefanten; Zulu, Xhosa und Buren, Weiße und Schwarze, Arme und Reiche. Auf mich wartet ein riesiges Land mit Gebirgen und Meer, Wüste und Wald. Und ich? Bin nicht aufgeregt. Ein bisschen wundere ich mich über mich selbst, wie ich so tiefenentspannt im Sessel sitze und auf den Abräumdienst warte. Aber ich habe gute Laune und Vorfreude mit an Bord, zwei supernette Kommilitoninnen, die in der „Villa Bianca“, meinem nächsten Zuhause, auf mich warten, und die Hoffnung, die „afrikanische Lässigkeit“ zu erlernen. Damit fange ich jetzt gleich an: Statt den Reiseführer zu wälzen – dafür habe ich im hoffentlich nicht so kalten Winter Südafrikas bestimmt genug Zeit – stimme ich mich gedanklich auf die nächste Zeit ein.

In dieser Wolke aus Gelassenheit steige ich schließlich in Kapstadt aus dem Flieger. Regen klatscht mir ins Gesicht. Kaum zu glauben, dass in Deutschland die Sonne vom Himmel brennt, während in Afrika – Afrika, das Land der glühend rot untergehenden Sonne – ein kalter Wind weht. Lichtblick: Die strahlenden Gesichter meiner Kommilitoninnen, die mich zusammen mit unserem Vermieter vom Flughafen abholen.

Die Straße vom Flughafen führt an den ersten Townships vorbei, dann schlängelt sie sich um die Vorläufer des Tafelbergs. Ich erhasche den ersten Blicke auf die University of Cape Town, den riesigen Hafen, dessen Kräne an Hamburg erinnern, und lande schließlich in Oranjezicht, einem Weißen-Viertel der „Mother City“. Vor einem weiß-gelben Haus in englischem Stil hält der Vermieter an: „Welcome to Villa Bianca!“

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Aug 11, 2014
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Aug 11, 2014

Studentenleben live

Beginn der Masterarbeit

Endlich: Die letzte mündliche Prüfung ist geschafft und alle Hausarbeiten sind abgegeben. Ich bin scheinfrei! Scheinfrei ist dabei doppeldeutig, denn ich bin frei von Scheinen und scheinbar frei von weiteren Arbeiten, was so natürlich nicht stimmt – es geht jetzt erst so richtig los. Aber ich habe ein Etappenziel erreicht und das freut mich ungemein.

Über das Thema meiner Masterarbeit habe ich sehr lange nachgedacht. Bereits im dritten Semester bin ich ins Kolloquium gegangen, um eine Fragestellung zu finden. Mein erstes Thema war „Feminizide“, die Tötung von Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht. Wegen der schlechten Datenlage habe ich es dann aber nochmal verworfen.

Trotzdem hat mir das Kolloquium geholfen, zu meinem jetzigen Thema zu finden. Ich schreibe über „Anerkennung und Transitional Justice“. Transitional Justice steht für die Prozesse, die nötig sind, damit eine Gesellschaft die Verbrechen aufarbeiten kann, die infolge eines politischen Umbruchs wie einem Bürgerkrieg geschahen. Ich möchte untersuchen, in welchem Zusammenhang die beiden Konzepte stehen.

Transitional Justice lässt sich als Vergangenheitsbewältigung umschreiben, dazu zählen zum Beispiel Elemente wie Wahrheitskommissionen, Gedenktage und -orte, Strafprozesse oder auch öffentliche Entschuldigungen bei den Überlebenden und Familien.

Da es bisher nur eine theoretische Arbeit zu diesem Bereich gibt, stellt die Bearbeitung dieser Fragestellung eine besondere Herausforderung dar und bietet mir einen besonderen Reiz, da es an mir ist, weitere Zusammenhänge aufzuspüren. Damit dies nicht allzu abstrakt bleibt, untersuche ich das Ganze am Fall von Guatemala. In diesem Land fand ein fast 30-jähriger Bürgerkrieg statt, bei dem 200.000 Menschen starben. Da die Literatur nicht zu allen Punkten so viel Material hergibt, hoffe ich, ein paar Interviews führen zu können.

Autor: Anni  |  Rubrik: studium  |  Aug 11, 2014
Autor: Anni
Rubrik: studium
Aug 11, 2014