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Studentenleben live

Abschied auf Zeit

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

12.09.2014

Sein Leben lang wird man mit Abschieden konfrontiert. Abschied vom Kindergarten, jetzt fängt der „Ernst des Lebens“ an. Abschied von dem zu klein gewordenen Lieblingspulli, diese blöde Wachstumsphase aber auch. Abschied vom Meerschweinchen, das nach ein paar Jahren an Altersschwäche stirbt.

Vor zwei Wochen musste ich mich jetzt am Flughafen von meiner Schwester verabschieden. Für neun Monate macht sie Work & Travel in Ozeanien. Für sie eine tolle Zeit, um einzigartige Erfahrungen zu machen, Leute kennenzulernen und hoffentlich herauszufinden, was sie später machen möchte. Für mich ein Dreivierteljahr ohne meine Schwester, die einer der wichtigsten Menschen für mich ist.

Plötzlich ist das Zimmer neben meinem dauerhaft leer. Ich kann nicht mehr einfach rübergehen und mich mit ihr unterhalten, sondern muss die Zeitumstellung und ihre Internet-Möglichkeit einberechnen. Ich kann nicht mehr spontan mit ihr Filme gucken oder zu unserer Lieblingsmusik tanzen, nicht mehr mit ihr shoppen gehen oder mich dazu setzen, wenn sie mit ihren Freundinnen Kuchen für eine Party backt.

In den Tagen vor ihrer Abreise gingen mir diese Gedanken ständig durch den Kopf, mittlerweile ist es gar nicht mehr so schlimm. Ich habe sie noch nie ständig um mich gebraucht, gerade in den letzten zwei Jahren war ich oft bei meinem Freund oder in Düsseldorf und wir beide waren viel mit unseren eigenen Freundeskreisen unterwegs. Skype ist zwar kein richtiger Ersatz für eine Unterhaltung, aber es kommt schon ziemlich nah ran, und die Nachrichten, die ich ihr bei jedem kleinen Problem aufs Handy schicke, beantwortet sie halt erst, sobald sie in Neuseeland aufgestanden ist.

Beim Essen passiert es allerdings noch regelmäßig, dass jemand einen Teller zu viel deckt und das eigens zum Skypen angeschaffte Tablet ist bei jedem Frühstück anwesend – selbst wenn es nicht genutzt wird. Die Abwesenheit meiner Schwester ist in kürzester Zeit zur Normalität geworden. Und auch wenn wir noch oft sagen „neun Monate sind zu viel … wäre schön, wenn sie Ende des Jahres wieder zu Hause wäre“, ist es nicht so schlimm wie erwartet. Es bleibt noch zu sehen, wie die Familienfeiern an Geburtstagen und Heiligabend aussehen werden. Aber nach derzeitigem Stand werden die einzigen Tränen wohl die des Neides sein, wenn die Bilder von den Fijis Sonne, Strand und braungebrannte Menschen zeigen, während hierzulande der Traum von einer weißen Weihnacht durch Regen zunichte gemacht wird.

Und zum Glück gibt es ja auch die Gewissheit: Meine Schwester hat uns nicht für ewig verlassen wie ich damals den Kindergarten. Sie kommt wieder!

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