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Studentenleben live

Abschied auf Zeit

Sein Leben lang wird man mit Abschieden konfrontiert. Abschied vom Kindergarten, jetzt fängt der „Ernst des Lebens“ an. Abschied von dem zu klein gewordenen Lieblingspulli, diese blöde Wachstumsphase aber auch. Abschied vom Meerschweinchen, das nach ein paar Jahren an Altersschwäche stirbt.

Vor zwei Wochen musste ich mich jetzt am Flughafen von meiner Schwester verabschieden. Für neun Monate macht sie Work & Travel in Ozeanien. Für sie eine tolle Zeit, um einzigartige Erfahrungen zu machen, Leute kennenzulernen und hoffentlich herauszufinden, was sie später machen möchte. Für mich ein Dreivierteljahr ohne meine Schwester, die einer der wichtigsten Menschen für mich ist.

Plötzlich ist das Zimmer neben meinem dauerhaft leer. Ich kann nicht mehr einfach rübergehen und mich mit ihr unterhalten, sondern muss die Zeitumstellung und ihre Internet-Möglichkeit einberechnen. Ich kann nicht mehr spontan mit ihr Filme gucken oder zu unserer Lieblingsmusik tanzen, nicht mehr mit ihr shoppen gehen oder mich dazu setzen, wenn sie mit ihren Freundinnen Kuchen für eine Party backt.

In den Tagen vor ihrer Abreise gingen mir diese Gedanken ständig durch den Kopf, mittlerweile ist es gar nicht mehr so schlimm. Ich habe sie noch nie ständig um mich gebraucht, gerade in den letzten zwei Jahren war ich oft bei meinem Freund oder in Düsseldorf und wir beide waren viel mit unseren eigenen Freundeskreisen unterwegs. Skype ist zwar kein richtiger Ersatz für eine Unterhaltung, aber es kommt schon ziemlich nah ran, und die Nachrichten, die ich ihr bei jedem kleinen Problem aufs Handy schicke, beantwortet sie halt erst, sobald sie in Neuseeland aufgestanden ist.

Beim Essen passiert es allerdings noch regelmäßig, dass jemand einen Teller zu viel deckt und das eigens zum Skypen angeschaffte Tablet ist bei jedem Frühstück anwesend – selbst wenn es nicht genutzt wird. Die Abwesenheit meiner Schwester ist in kürzester Zeit zur Normalität geworden. Und auch wenn wir noch oft sagen „neun Monate sind zu viel … wäre schön, wenn sie Ende des Jahres wieder zu Hause wäre“, ist es nicht so schlimm wie erwartet. Es bleibt noch zu sehen, wie die Familienfeiern an Geburtstagen und Heiligabend aussehen werden. Aber nach derzeitigem Stand werden die einzigen Tränen wohl die des Neides sein, wenn die Bilder von den Fijis Sonne, Strand und braungebrannte Menschen zeigen, während hierzulande der Traum von einer weißen Weihnacht durch Regen zunichte gemacht wird.

Und zum Glück gibt es ja auch die Gewissheit: Meine Schwester hat uns nicht für ewig verlassen wie ich damals den Kindergarten. Sie kommt wieder!

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Sep 12, 2014
Autor: Janna
Rubrik: studium
Sep 12, 2014

Studentenleben live

Auferlegte Freizeit

„Und, was machst du so in Berlin?“ Das frage ich mich auch schon seit vier Wochen, die ich nun schon bei meinen Eltern bin und einfach nichts mache. Ich relaxe.

„Das ist doch toll, du kannst tun und lassen was du willst. In einer Stadt wie Berlin wird einem doch nie langweilig, oder?“

Das stimmt nur bedingt. Denn wem macht es schon Spaß, vier Wochen lang alleine eine Stadt zu entdecken, wenn es so viele Menschen gibt, die man lange nicht gesehen hat und gerne viel öfter sehen würde? Außerdem plagt mich das schlechte Gewissen. „Du machst wirklich nichts? Du musst keine Hausarbeit schreiben, für keine Klausur lernen, kein Praktikum absolvieren?“ Nein! Da ich im vergangenen Semester in Ljubljana war und dort alle Kurse abgeschlossen habe, muss ich keine Hausarbeit mehr schreiben. Und für das nächste Semester muss ich nichts vorbereiten, weil ich mein Praxissemester (oder besser gesagt meine Praxis-drei-Monate) mache. Ich muss mich höchstens seelisch darauf vorbereiten, ein bisschen zu arbeiten und echten Schülern in einem Gymnasium tief im Schwarzwald gegenüberzustehen. Aber sonst? Fühle ich mich so, wie es wohl vielen Arbeitslosen geht. Alle um mich herum arbeiten oder machen etwas Vernünftiges, nur ich sitze zu Hause. Das macht mich leider nicht aktiver, all das zu machen, wozu ich sonst keine Zeit habe, sondern ich denke mir: Warum heute? Morgen ist doch auch noch ein Tag.

Bin ich von unserer Leistungsgesellschaft so geprägt, dass ich schon bei ein paar Wochen, in denen ich nichts mache, denke, ich bin nichts wert? Ich trage keinen Mehrwert bei? Oder ist es einfach gerade eine dumme Konstellation, dass alle um mich herum im Stress sind?

Wenn ich wieder nach Freiburg komme, dann werde ich mich wahrscheinlich zurücksehnen nach den Tagen, an denen ich morgens aufgewacht bin und keinen Termin im Kalender stehen hatte. Denn so schlecht ist das nun auch wieder nicht.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Sep 12, 2014
Autor: Rose
Rubrik: studium
Sep 12, 2014

Studentenleben live

Planspiel „Ressourcenkonflikte“

Wer von euch die Möglichkeit hat, in irgendeiner Form an einem Planspiel teilzunehmen, sollte sie nutzen. Die Prozesse und Motive von Staaten und Institutionen werden um eine Vielfaches anschaulicher und verständlicher, wenn man selbst in die Rolle eines oder einer Beteiligten schlüpfen kann.

Über meine Fakultät konnte ich vor kurzem an der Simulation eines fiktiven Ressourcenkonfliktes teilnehmen. Es ging um einen Staat, der im Süden des Landes größere Ölvorkommen gefunden hat. Gleichzeitig ist diese Region aber von einer ethno-nationale Minderheit besiedelt, die seit längerem von der Bevölkerungsmehrheit im Norden des Landes unterdrückt wird. Der Konflikt orientierte sich an der Situation von Nord- und Südsudan.

Zu meinem Bedauern habe ich im Losverfahren zur Rollenvergabe die einzige Rolle erwischt, die ich partout nicht spielen wollte: eine Vertreterin der Freien Presse International. Zusammen mit meiner Medienkollegin waren wir die einzigen Personen im Spiel, die möglichst neutral agieren sollten. Leider fand sich niemand zum Rollentausch. Statt mit Kamera und Mikro ausgestattet zwischen den einzelnen Konfliktparteien hin und her zu eilen, hätte ich gerne direkt an den Verhandlungen teilgenommen, um einen tieferen Einblick in das Geschehen zu gewinnen.

Nun ja, es sollte eben nicht sein. Das reizvolle an der Medienrolle war jedoch, dass ich über meine Videoclips und Hintergrundreportagen von allen Parteien konsultiert wurde und ganz witzige Interviews zu Stande kamen. Der Konflikt konnte übrigens leider nicht beigelegt werden, im Gegenteil: viel eher ist er weiter eskaliert und wir sind im nächsten Bürgerkrieg gelandet.

Autor: Anni  |  Rubrik: studium  |  Sep 10, 2014
Autor: Anni
Rubrik: studium
Sep 10, 2014