interaktiv

Studentenleben live

Auferlegte Freizeit

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

12.09.2014

„Und, was machst du so in Berlin?“ Das frage ich mich auch schon seit vier Wochen, die ich nun schon bei meinen Eltern bin und einfach nichts mache. Ich relaxe.

„Das ist doch toll, du kannst tun und lassen was du willst. In einer Stadt wie Berlin wird einem doch nie langweilig, oder?“

Das stimmt nur bedingt. Denn wem macht es schon Spaß, vier Wochen lang alleine eine Stadt zu entdecken, wenn es so viele Menschen gibt, die man lange nicht gesehen hat und gerne viel öfter sehen würde? Außerdem plagt mich das schlechte Gewissen. „Du machst wirklich nichts? Du musst keine Hausarbeit schreiben, für keine Klausur lernen, kein Praktikum absolvieren?“ Nein! Da ich im vergangenen Semester in Ljubljana war und dort alle Kurse abgeschlossen habe, muss ich keine Hausarbeit mehr schreiben. Und für das nächste Semester muss ich nichts vorbereiten, weil ich mein Praxissemester (oder besser gesagt meine Praxis-drei-Monate) mache. Ich muss mich höchstens seelisch darauf vorbereiten, ein bisschen zu arbeiten und echten Schülern in einem Gymnasium tief im Schwarzwald gegenüberzustehen. Aber sonst? Fühle ich mich so, wie es wohl vielen Arbeitslosen geht. Alle um mich herum arbeiten oder machen etwas Vernünftiges, nur ich sitze zu Hause. Das macht mich leider nicht aktiver, all das zu machen, wozu ich sonst keine Zeit habe, sondern ich denke mir: Warum heute? Morgen ist doch auch noch ein Tag.

Bin ich von unserer Leistungsgesellschaft so geprägt, dass ich schon bei ein paar Wochen, in denen ich nichts mache, denke, ich bin nichts wert? Ich trage keinen Mehrwert bei? Oder ist es einfach gerade eine dumme Konstellation, dass alle um mich herum im Stress sind?

Wenn ich wieder nach Freiburg komme, dann werde ich mich wahrscheinlich zurücksehnen nach den Tagen, an denen ich morgens aufgewacht bin und keinen Termin im Kalender stehen hatte. Denn so schlecht ist das nun auch wieder nicht.

Diesen Artikel teilen