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Studentenleben live

Auf dem OP-Tisch

Die Kommunikation in französischen Krankenhäusern (oder sagen wir besser in diesem einen) ist genauso simpel wie verstörend: nämlich nicht existent. Ich befand mich eine gefühlte Ewigkeit im Ungewissen in der Notaufnahme und wartete. Irgendwann wurde ich zum Röntgen bugsiert, dann wartete ich wieder stundenlang, ohne den geringsten Hauch einer Ahnung zu haben, ob meine Selbstdiagnose des Mittelhandbruchs der Wahrheit nahe kam.
Die Untersuchung des Arztes bestand darin, an meiner Hand herumzudrücken, was mich fast in die Decke fahren ließ. Einem mehrminütigen latein-französischen Monolog seinerseits folgte ein „Ich bin gleich wieder da“, woraufhin er verschwand und ich ihn nie wiedersah. Sämtliche – zwar mit deutschem Akzent, aber doch korrekt ausgedrückten – Fragen nach meinem Zustand und den nötigen Heilverfahren wurden ignoriert oder mit einem Achselzucken beantwortet. Das linderte meine Nervosität nicht gerade. Eine Krankenschwester legte mir einen Gips an und gab mir zu verstehen, dass ich morgen um acht operiert werden sollte.
Eine schlaflose Nacht, zwei Selbstdesinfektionen und eine viel zu teure Taxifahrt später lag ich ziemlich verstört in blauem OP-Hemd auf dem Tisch, der mir vorkam als würde er mein Ende bedeuten. Zunächst fragte ich noch auf Französisch nach, wo, warum und wie ich operiert werden sollte, aber als mir keine Antwort zuteil wurde, gab ich resigniert auf und fügte mich in mein Schicksal. Als ich einige Stunden später aus der Benebelung aufwachte, hatte ich noch zwei Arme und zwei Hände und konnte auch fast alles bewegen. Das Schlimmste war vorbei – ich war erleichtert!

 

Autor: Inga  |  Rubrik: studium  |  Sep 15, 2014
Autor: Inga
Rubrik: studium
Sep 15, 2014

Studentenleben live

Abschied auf Zeit

Sein Leben lang wird man mit Abschieden konfrontiert. Abschied vom Kindergarten, jetzt fängt der „Ernst des Lebens“ an. Abschied von dem zu klein gewordenen Lieblingspulli, diese blöde Wachstumsphase aber auch. Abschied vom Meerschweinchen, das nach ein paar Jahren an Altersschwäche stirbt.

Vor zwei Wochen musste ich mich jetzt am Flughafen von meiner Schwester verabschieden. Für neun Monate macht sie Work & Travel in Ozeanien. Für sie eine tolle Zeit, um einzigartige Erfahrungen zu machen, Leute kennenzulernen und hoffentlich herauszufinden, was sie später machen möchte. Für mich ein Dreivierteljahr ohne meine Schwester, die einer der wichtigsten Menschen für mich ist.

Plötzlich ist das Zimmer neben meinem dauerhaft leer. Ich kann nicht mehr einfach rübergehen und mich mit ihr unterhalten, sondern muss die Zeitumstellung und ihre Internet-Möglichkeit einberechnen. Ich kann nicht mehr spontan mit ihr Filme gucken oder zu unserer Lieblingsmusik tanzen, nicht mehr mit ihr shoppen gehen oder mich dazu setzen, wenn sie mit ihren Freundinnen Kuchen für eine Party backt.

In den Tagen vor ihrer Abreise gingen mir diese Gedanken ständig durch den Kopf, mittlerweile ist es gar nicht mehr so schlimm. Ich habe sie noch nie ständig um mich gebraucht, gerade in den letzten zwei Jahren war ich oft bei meinem Freund oder in Düsseldorf und wir beide waren viel mit unseren eigenen Freundeskreisen unterwegs. Skype ist zwar kein richtiger Ersatz für eine Unterhaltung, aber es kommt schon ziemlich nah ran, und die Nachrichten, die ich ihr bei jedem kleinen Problem aufs Handy schicke, beantwortet sie halt erst, sobald sie in Neuseeland aufgestanden ist.

Beim Essen passiert es allerdings noch regelmäßig, dass jemand einen Teller zu viel deckt und das eigens zum Skypen angeschaffte Tablet ist bei jedem Frühstück anwesend – selbst wenn es nicht genutzt wird. Die Abwesenheit meiner Schwester ist in kürzester Zeit zur Normalität geworden. Und auch wenn wir noch oft sagen „neun Monate sind zu viel … wäre schön, wenn sie Ende des Jahres wieder zu Hause wäre“, ist es nicht so schlimm wie erwartet. Es bleibt noch zu sehen, wie die Familienfeiern an Geburtstagen und Heiligabend aussehen werden. Aber nach derzeitigem Stand werden die einzigen Tränen wohl die des Neides sein, wenn die Bilder von den Fijis Sonne, Strand und braungebrannte Menschen zeigen, während hierzulande der Traum von einer weißen Weihnacht durch Regen zunichte gemacht wird.

Und zum Glück gibt es ja auch die Gewissheit: Meine Schwester hat uns nicht für ewig verlassen wie ich damals den Kindergarten. Sie kommt wieder!

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Sep 12, 2014
Autor: Janna
Rubrik: studium
Sep 12, 2014

Studentenleben live

Auferlegte Freizeit

„Und, was machst du so in Berlin?“ Das frage ich mich auch schon seit vier Wochen, die ich nun schon bei meinen Eltern bin und einfach nichts mache. Ich relaxe.

„Das ist doch toll, du kannst tun und lassen was du willst. In einer Stadt wie Berlin wird einem doch nie langweilig, oder?“

Das stimmt nur bedingt. Denn wem macht es schon Spaß, vier Wochen lang alleine eine Stadt zu entdecken, wenn es so viele Menschen gibt, die man lange nicht gesehen hat und gerne viel öfter sehen würde? Außerdem plagt mich das schlechte Gewissen. „Du machst wirklich nichts? Du musst keine Hausarbeit schreiben, für keine Klausur lernen, kein Praktikum absolvieren?“ Nein! Da ich im vergangenen Semester in Ljubljana war und dort alle Kurse abgeschlossen habe, muss ich keine Hausarbeit mehr schreiben. Und für das nächste Semester muss ich nichts vorbereiten, weil ich mein Praxissemester (oder besser gesagt meine Praxis-drei-Monate) mache. Ich muss mich höchstens seelisch darauf vorbereiten, ein bisschen zu arbeiten und echten Schülern in einem Gymnasium tief im Schwarzwald gegenüberzustehen. Aber sonst? Fühle ich mich so, wie es wohl vielen Arbeitslosen geht. Alle um mich herum arbeiten oder machen etwas Vernünftiges, nur ich sitze zu Hause. Das macht mich leider nicht aktiver, all das zu machen, wozu ich sonst keine Zeit habe, sondern ich denke mir: Warum heute? Morgen ist doch auch noch ein Tag.

Bin ich von unserer Leistungsgesellschaft so geprägt, dass ich schon bei ein paar Wochen, in denen ich nichts mache, denke, ich bin nichts wert? Ich trage keinen Mehrwert bei? Oder ist es einfach gerade eine dumme Konstellation, dass alle um mich herum im Stress sind?

Wenn ich wieder nach Freiburg komme, dann werde ich mich wahrscheinlich zurücksehnen nach den Tagen, an denen ich morgens aufgewacht bin und keinen Termin im Kalender stehen hatte. Denn so schlecht ist das nun auch wieder nicht.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Sep 12, 2014
Autor: Rose
Rubrik: studium
Sep 12, 2014