interaktiv

Studentenleben live

Auf dem OP-Tisch

Autor:
Inga

Rubrik:
studium

15.09.2014

Die Kommunikation in französischen Krankenhäusern (oder sagen wir besser in diesem einen) ist genauso simpel wie verstörend: nämlich nicht existent. Ich befand mich eine gefühlte Ewigkeit im Ungewissen in der Notaufnahme und wartete. Irgendwann wurde ich zum Röntgen bugsiert, dann wartete ich wieder stundenlang, ohne den geringsten Hauch einer Ahnung zu haben, ob meine Selbstdiagnose des Mittelhandbruchs der Wahrheit nahe kam.
Die Untersuchung des Arztes bestand darin, an meiner Hand herumzudrücken, was mich fast in die Decke fahren ließ. Einem mehrminütigen latein-französischen Monolog seinerseits folgte ein „Ich bin gleich wieder da“, woraufhin er verschwand und ich ihn nie wiedersah. Sämtliche – zwar mit deutschem Akzent, aber doch korrekt ausgedrückten – Fragen nach meinem Zustand und den nötigen Heilverfahren wurden ignoriert oder mit einem Achselzucken beantwortet. Das linderte meine Nervosität nicht gerade. Eine Krankenschwester legte mir einen Gips an und gab mir zu verstehen, dass ich morgen um acht operiert werden sollte.
Eine schlaflose Nacht, zwei Selbstdesinfektionen und eine viel zu teure Taxifahrt später lag ich ziemlich verstört in blauem OP-Hemd auf dem Tisch, der mir vorkam als würde er mein Ende bedeuten. Zunächst fragte ich noch auf Französisch nach, wo, warum und wie ich operiert werden sollte, aber als mir keine Antwort zuteil wurde, gab ich resigniert auf und fügte mich in mein Schicksal. Als ich einige Stunden später aus der Benebelung aufwachte, hatte ich noch zwei Arme und zwei Hände und konnte auch fast alles bewegen. Das Schlimmste war vorbei – ich war erleichtert!

 

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