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Studentenleben live

One-Way-Ticket nach Prag

Autor:
Inga

Rubrik:
studium

15.10.2014

Scheppernd dröhnte mir aus schlechten Minilautsprechern ohrenbetäubend laute Musik entgegen, dumpfes Gegröle und kreischendes Kichern mischten sich darunter. Menschen und Koffer drängelten sich durch den schmalen Gang, Alkoholgeruch waberte mir entgegen, Backpacker in Schlafanzügen mit dunklen Schatten unter den Augen und Bierdosen in der Hand wankten schlaftrunken durch den Zug. Die Luft konnte man schneiden. Ich wuchtete meinen großen blauen Koffer in die Gepäckablage und setzte mich auf den einzigen freien Platz. Der Geruch von kaltem Schweiß stieg mir in die Nase. Offensichtlich feierte die Gruppe hinter mir schon länger. Der Eindruck bestätigte sich, als sie anfingen ihre Handymusik mit Hilfe ihres eigenen Stimmvolumens zu untermalen.

Es war morgens um halb neun, und das war zu viel für mich. Ich stand ruckartig auf, wuchtete meinen Koffer wieder auf den Gang und boxte mich zwei Waggons weiter. Stille umgab mich, unterbrochen von dem leisen Gespräch zweier Mitreisender. Die Sprache konnte ich nicht einordnen. Ich ließ mich in einen freien Vierersitz fallen und fühlte mich gleich viel wohler. So konnte meine Reise beginnen. Meine Reise nach Prag, in die goldene und schönste Stadt Europas, in der ich nun zumindest ein Semester zubringen würde. Es stellte sich Aufregung ein, wie so oft, wenn man etwas Neuem entgegensieht. Wenige Stunden später fuhr der Zug im Prager Hauptbahnhof ein ...

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