interaktiv

Studentenleben live

Hinter der Kamera

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

10.11.2014

Eine Geheimhaltungserklärung habe ich nicht unterschrieben, aber dennoch möchte ich niemanden spoilern, darum nur kurz: Der Film, in dem ich als Komparsin mitwirken durfte, spielt um 1930, heißt „Fritz Lang – Der andere in uns“ und wird vermutlich 2016 pünktlich zur Berlinale in die Kinos kommen. Im letzten Blog-Eintrag habe ich lang und breit erzählt, dass ich noch nie so richtig einen Einblick ins Filmgeschäft hatte. So ganz stimmt das nicht, bei drei kleineren Youtube-Produktionen habe ich schon als Komparsin im Hintergrund herumgesessen, getanzt oder angewidert geguckt. Auch wenn das ziemlich coole Erfahrungen waren, ist ein großer Kinofilm nochmal etwas ganz anderes.

Was sind denn nun meine Komparsen-Eindrücke gewesen? Es ist nicht alles so, wie man meint.

1. Während man im Film nur zwei Personen sieht, die sich unterhalten, stehen beim Dreh eine Vielzahl von Menschen daneben: Kameramann, Ton-Ingenieure und Regisseur, Regieassistenz, Setrunner, Maskenbildnerinnen, die in jeder Drehpause mit Puderpinseln und Haarklemmen von Darsteller zu Darsteller eilen, Beleuchter, Komparsen, die gerade nicht gebraucht werden, Kostümbildner … Vor den Darstellern, die trotzdem bei jedem neuen Take wieder dieselbe Szene abliefern und dabei wirken, als wäre das eine normale Situation und die Kameras gar nicht vorhanden, habe ich absolut Respekt! Ich war schon mit meiner Aufgabe, dazustehen und neugierig-interessiert-besorgt zu gucken, mehr als ausgefüllt.

2. Es sieht im Kino so aus, als wäre alles an derselben Stelle gedreht worden? Pustekuchen! Das Licht ist schlecht? Okay, komm wir gehen alle 20 Meter weiter. Auch wenn die einzelnen Einstellungen dann an fünf verschiedenen Positionen gedreht werden. Die Aufnahmen fanden zwar alle am Rand desselben Felds statt, aber bei jedem Kamerawechsel mussten wir mal zehn, mal 100 Meter in die eine oder andere Richtung rücken, um besseres Licht oder einen schöneren Hintergrund zu haben. Ob das dem Zuschauer später auffällt? Vermutlich nicht.

Mein Blick auf das Filmgeschäft hat sich verschärft, was Tricks angeht. Wenn ich einen Film sehe, ertappe ich mich manchmal dabei, zu gucken, ob ich Anschlussfehler finde, nicht nur in der Handlung. Ich achte auch auf den Ort und klopfe den Darstellern nach einem guten Film mental auf die Schulter

Nach der Komparsenrolle bin ich nicht nur gespannt auf den Film im übernächsten Jahr, sondern habe vor allem auch noch festgestellt: Das Filmgeschäft wäre auf die Dauer nichts für mich. Ich habe nach dem Abi eine Weile damit geliebäugelt, hinter der Kamera zu arbeiten, und die kleinen Einblicke, die ich bisher erhalten habe, waren auf jeden Fall interessant. Trotzdem ist es mir – neben dem unsicheren Arbeitsplatz, Festanstellungen gibt es am Set schließlich wenige – mit zu viel Stress verbunden. Außerdem habe ich die Sorge, auf Dauer womöglich den Blickwinkel eines Zuschauers zu verlieren, den man braucht, um einen Film wirklich genießen zu können. Nicht zu vergessen, dass ein Drehtag vor allem aus Warten besteht. Warten aufs Kostüm, auf den Drehbeginn, auf die Autos zum Drehort, auf die Sonne, darauf, dass die alle 20 Minuten kommende Bahn vorbeifährt. Auf die Dauer ist das deutlich anstrengender als das Drehen an sich. Dennoch: Komparse sein macht Spaß und wenn es sich anbietet, mag ich gerne noch einmal einen Tag am Rande des Kamerawinkels verbringen.

Diesen Artikel teilen

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Das hilft uns, dir ein gutes Nutzungserlebnis zu bieten und unsere Website zu verbessern. Wenn du durch die Seiten surfst, erklärst du dich hiermit einverstanden. Hier erfährst du mehr über die Nutzung deiner Daten und Möglichkeiten zum Widerspruch.