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Studentenleben live

Verkehrte Welt

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

17.11.2014

Hebräisch, das ist doch diese Schrift, die man von rechts nach links liest oder? Genau. Es ist diese Schrift, die ich während meines Aufenthaltes hier sicherlich nicht lernen werde. Es gibt leider nicht mal einen Sprachkurs, da ich die einzige Austauschstudentin an der Uni bin. Ich besuche die Kurse für angehende Englischlehrer und hoffe, dass auch jeder der Menschen, die ich in meinem Alltag treffe, fähig ist, auf Englisch zu kommunizieren. Meistens habe ich Glück, zumal Filme hier nicht synchronisiert werden und die meisten dadurch ganz gut Englisch sprechen (schreiben können sie deshalb natürlich noch nicht, weshalb mir viele lieber Sprachnachrichten schicken, als meine Textmessages ebenfalls in Schriftform zu beantworten). Auf hebräisch kann ich somit noch nicht mehr als bis drei zählen, Guten Appetit, Ich heiße Hannah, Prost, ein Schimpfwort und ein paar Hundebefehle. Lesen oder schreiben kann ich tatsächlich gar nichts.

Was mir aber bewusst geworden ist, und womit ich mich vorher noch nie befasst hatte, ist, dass mit der Schriftrichtung so viel mehr zusammenhängt. So wird beispielsweise auch mein Stundenplan von rechts nach links geschrieben, beginnend natürlich mit Sonntag (ich habe hier ja sozusagen eine Zeitverschiebung von 25 Stunden, wenn man beachtet, dass Freitag und Samstag hier Wochenende heißt). Ein anderes Beispiel: Einmal wollte ich den Computer einer Freundin benutzen und dachte, ich finde mich schon zurecht, die Symbole sind ja dieselben und die Eingabesprache bekomme ich schon auf Englisch gestellt. Es war aber so irritierend, dass die ganze Organisation in umgekehrter Richtung war – die Startfläche rechts, die Uhrzeit links in der Ecke, auf der Facebook-Seite kamen links die News und Abmeldefunktionen und rechts das Suchfeld und überhaupt waren alle Eingabefelder im Internetbrowser rechtsbündig eingestellt – dass ich immer zuerst dachte, ich würde gar nicht schreiben, bis ich feststellte, dass ich die Buchstaben nur auf der anderen Seite zu erwarten hatte.

Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass so etwas Banales unser gesamtes Denken beeinflusst und wir so automatisiert sind, dass ein winziger Richtungswechsel für uns ein so gravierendes Problem darstellt... Verrückte Welt.

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