interaktiv

Studentenleben live

Quaterlife Crisis

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

12.12.2014

Seit ich denken kann, war ich immer die Jüngste in meinem Umfeld. Mit fünf Jahren eingeschult zu werden, sorgt dafür, dass man immer erst ein paar Monate nach den Klassenkameraden länger draußen bleiben, in Clubs feiern und alleine Auto fahren darf. Es lag aber sicher nicht nur am Alter, dass ich in der Abizeitung mit deutlichem Vorsprung den 1. Platz beim Ranking zu „Wer wird nie erwachsen?“ belegte.

Jetzt bin ich 21 und fühle mich alt. Viele Popstars, Schauspieler und Models sind teilweise mehrere Jahre jünger als ich. Neulich im Bus war ich wirklich geschockt, als eine Studentin zur anderen meinte, sie sei 1996 geboren. Die 1996er waren doch immer so klein … Jetzt haben sie plötzlich Abitur und studieren. Die ehemaligen Fünftklässler, für die ich in der Oberstufe Tutorin war, sind mittlerweile größer als ich und trinken heimlich auf Partys Bier. Selbst das Kind, bei dem ich früher Babysitter war, kommt nächstes Jahr schon auf die weiterführende Schule.

Ich fühle mich alt und weiß, wie lächerlich das klingt, weil ich gerade einmal Anfang 20 bin. Aber ich habe Angst davor, Entscheidungen zu treffen, die womöglich mein ganzes späteres Leben verändern und dabei vielleicht andere gute Optionen zerstören. Eigentlich weiß ich genau, was ich will, aber dann denke ich oft genug auch darüber nach, was ich mache, wenn ich feststelle, dass ich vielleicht nicht als Lehrerin geeignet bin oder am Mathe-Studium scheitere. Manchmal wünsche ich mir, die Zeit ein paar Jahre zurückdrehen zu können, um noch einmal dahin zurückzukehren, als alles deutlich einfacher war und meine einzigen Zukunftssorgen die Englischarbeit der nächsten Woche oder die noch zu formulierende SMS an den aktuellen Lieblingsjungen betrafen.

Nostalgie, Persönlichkeitsunsicherheit, Zukunftsangst: Laut Wikipedia drei mögliche Symptome einer Quarterlife Crisis, der Krise, die kommt, wenn rund ein Viertel des Lebens um ist. Die gute Nachricht ist: Ich bin nicht die einzige mit einer Lebenskrise pünktlich zum Anpfiff des zweiten Lebensquartals. Die Tatsache, dass die „Quarterlife Crisis“ eine eigene Wikipedia-Seite hat, zeigt ja schon, dass es nicht nur mir so geht. Und die Freundin, die diesen Blogeintrag für mich gegenlesen durfte, kommentierte nur: „Absolut, was ich auch denke.“

Normalerweise dauern meine Lebenskrisen selten länger als eine Stunde – die Quarterlife Crisis bricht mit mittlerweile einer Woche sämtliche Rekorde – und auch diese wird sich spätestens wohl dann legen, wenn ich meinen Zukunftsplan gefestigt habe. Dabei helfen wohl nur die Zeit, Gespräche mit Menschen, die gerade dasselbe durchmachen, und die Courage, Entscheidungen zu treffen – trotz Risiko.

Diesen Artikel teilen

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Das hilft uns, dir ein gutes Nutzungserlebnis zu bieten und unsere Website zu verbessern. Wenn du durch die Seiten surfst, erklärst du dich hiermit einverstanden. Hier erfährst du mehr über die Nutzung deiner Daten und Möglichkeiten zum Widerspruch.