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Studentenleben live

Ein Schrein der Weisen

Die zentrale Lage Brüssels nutzte ich natürlich erst mal aus, um Freunde zu besuchen, die in diversen europäischen Städten ihre Auslandsaufenthalte verbringen. Eine Zugfahrt durch den Eurotunnel später befand ich mich in England, und nach einer Runde Sightseeing in London brachte mich ein Bus nach Oxford. Oxford, das hat ja jeder schon mal gehört, aber außer der schwammigen Erinnerung, dass hier Szenen von Harry Potter gedreht wurden, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Zwar können die Colleges mit Hogwarts nicht ganz mithalten, aber Oxford übertrifft meine Erwartungen bei weitem.
Alte, mit Stuck verzierte Räume, in Gebäuden, die teilweise aus dem 12. Jahrhundert stammen. Bibliotheken, die von innen wie Kirchen aussehen und in denen der Wissenschaft genauso viel Ehrfurcht gezollt wird wie der Religion. Kopfsteinpflaster in den Straßen, in denen man auf den Spuren von Oscar Wilde, John Locke, Richard Dawkins oder David Cameron wandeln kann. Eine Universität, die vor Tradition nur so strotzt: Beim „formal dinner“ zwei mal pro Woche wird den in Umhänge gehüllten Studenten ein dreigängiges Menü serviert (so eine Mensa hätte ich auch gerne!), während die Professoren an einer eigenen langen Tafel dinieren und sich erst nach dem lateinischen Gebet hinsetzen. Die Immatrikulationsfeier darf man nicht besuchen, wenn man keine ganz schwarzen Socken an hat und in einem College wird laut Gerüchten von goldenen Tellern gegessen. Die Quidditch-Meisterschaften, die hier teilweise stattfinden, sind vielleicht ein bisschen übertrieben, schließlich stammen sie aus besagten Harry-Potter-Abenteuern (die Teilnehmer jagen auf Besen fliegend Bällen hinterher und versuchen, sie ins gegnerische Tor zu feuern), aber beeindruckt bin ich trotzdem.

 

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Jan 5, 2015
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Jan 5, 2015

Studentenleben live

Humor im Labor

Bei meiner Bachelorarbeit geht’s gerade rund. Ich beschäftige mich mit einer Pflanze (Sambucus ebulus, besser bekannt als Zwerg-Holunder) um zu schauen, ob man sie für Biogasanlagen verwenden könnte. Mittlerweile habe ich alle Daten dafür zusammen. Gestern hab ich nämlich nach 30 Tagen meinen Versuchsstand abgebaut und ich kann euch sagen, wissenschaftliches Arbeiten ist manchmal ganz schön obskur. Um Biogas von einem Gefäß ins andere zu leiten, brauchte ich Schlauchverbindungsstücke – und zwar ganz schön viele in verschiedenen Größen und Beschaffenheiten. Mit einer Rasierklinge habe ich also verschiedene Schlauchstücke zurechtgemurkst, hier und da geschnitten und von Zeit zu Zeit mit einer Pinzette darin herumgefuhrwerkt. „Messer, Tupfer, Skalpell“, da kommt es einem vor, als wär man im Operationssaal. Aber nein, Kacke hat in einem Operationssaal nichts zu suchen. Verzeiht meine vulgäre Sprache. Fakt ist aber, dass ich rund um meine Bachelorarbeit auch immer wieder wissenschaftlich in Kuhscheiße rühre. Das kommt so: Das Pflanzenmaterial, das ich ansetzte, wird wie in einer Biogasanlage vergoren. Dafür braucht man aber Bakterien und die bekommt man aus dem abgestandenen Rinderdung.

Ich finde das ziemlich lustig. Auch wenn es wohl bizarr aussieht, wenn ich voll konzentriert Flaschen mit Gülle schüttele und Messwerte auf den Millimeter genau ablese, immer mit der Frage, ob auch alles richtig ist. Wenn man die ganze Sache aber mit Humor sieht, kann man auch einfach sagen, ich pansche mit Tierkot und Pflänzchen. Tja, und rumpanschen macht doch Spaß. Hat mir zumindest schon als kleines Kind Spaß gemacht, wo ich mit viel Inbrunst Blättersuppen in der Regentonne kochte. So viel anders ist das ja im Prinzip bei meiner Forschung auch nicht. Und es ist sicher nicht schlecht bei der Arbeit ab und an in Kindheitserinnerungen zu schwelgen und an die schöne Regentonnensuppe zu denken.

Autor: Mia  |  Rubrik: studium  |  Jan 5, 2015
Autor: Mia
Rubrik: studium
Jan 5, 2015

Studentenleben live

Zum Thema Kisten

Ich bin jetzt schon seit über einem Jahr nicht mehr umgezogen und habe deshalb seltener mit Umzugskisten zu tun. In meinem Freundeskreis gab es aber in letzter Zeit zwei Umzüge, bei denen ich auch ein bisschen mithalf. Anfangs war bei beiden der Plan: Diesmal wird alles besser! Diesmal organisieren wir alles so optimal, dass keine Zeit verloren geht und wir reibungslos von Wohnort A nach Wohnort B gelangen. In der Praxis sah es dann anders aus. Wir saßen zusammen am Frühstückstisch vor dem großen Räumen und mussten bescheiden einsehen, dass schon jetzt die normalen Essenskonventionen nicht mehr galten: Es gab einfach keine Teller mehr.

Beim Kisten tragen kamen mir dann Kartons mit Kleidung und Uni-Unterlagen entgegen. Ich schleppte Kartons mit Aufschrift „Küche“, „Deko“ oder „Kinderzimmer“. Alles wunderbar, aber dann kam der Moment, in dem irgendwie keine Ordnung mehr herrschte. Verzweifelt schaute ich in einen Umzugskarton, in dem sowohl Bürokram als auch Deko waren. Moment, die Dekokisten sind doch schon weg. Was also tun? In solchen Momenten denke ich: Es muss doch eh alles in die neue Wohnung. Also stopfte ich noch eine Vorhangstange dazu und ab ging die Post. Ein: „Das brauche ich aber noch“ ließ ich einfach nicht gelten. In den meisten Fällen hat sich diese Notwenigkeit schnell erledigt. Dann packe ich die Vorhangstange eben zum Bürokram und runde die ganze Komposition noch mit etwas Hochzeitsdeko ab. Beim Auspacken kann es ja durchaus sein, dass die Ordner hinter einem Vorhang verschwinden sollen (die Stange ist dann schon da) und oben auf das Regal noch ein wenig Firlefanz zum Verschönern soll (dafür dann die Hochzeitsdeko). Wenn das mal nicht System hat!

Autor: Mia  |  Rubrik: studium  |  Jan 2, 2015
Autor: Mia
Rubrik: studium
Jan 2, 2015