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Studentenleben live

Die feierliche Erleuchtung des Weihnachtsbaums

Schon am Tag zuvor war mir aufgefallen, wie ein riesiger Kran am Altstädter Ring eine enorm große Tanne aufstellte. Aufgeregt wuselten Männer in Orange hin und her, riefen einander Kommandos zu und es herrschte ein aufgeregtes Durcheinander. Zeitgleich wurden die braunen, weihnachtlich dekorierten Hütten aufgestellt; bald sollte wohl der Prager Weihnachtsmarkt anfangen.
Am Folgeabend um 17 Uhr würde der 20 Meter hohe stattliche Tannenbaum erstmalig erleuchtet werden. Ich hatte nichts Besseres vor und schlenderte also zur großen Tannenbaumbeleuchtung. Direkt als ich um die Ecke bog, verschlug es mir den Atmen. Selten hatte ich einen so überschmückten, scheußlichen Baum gesehen und kaum zu fassen war es, dass sich tatsächlich mehrere tausend Menschen zu diesem lapidaren Anlass auf dem Platz drängten!
Es wurde fünf vor fünf und die Menschen starrten gebannt auf den dunklen Baum. Einige filmten die Szene mit ihrer Handy-Kamera. Ich schaute mich um und fand die Situation skurril. Fünf Uhr. Nichts geschah. Fünf nach fünf. Die Meute begann tatsächlich zu pfeifen und zu buhen. Da standen mehrere tausend Menschen auf dem Altstädter Ring und buhten einen finsteren Tannenbaum aus. Die Situation wurde immer sonderbarer. Dann endlich ging eine Lichterkette an, kurz darauf die nächste. Plötzlich rauschte ein weißes Licht den Baum herunter, das man mit viel Fantasie als Schnee interpretieren könnte. Zuletzt ging der Weihnachtsstern über dem Baum auf. Die Menge jubelte und beklatschte den Baum. Dann verschwand sie wieder, von der Polizei zu den Ausgängen geleitet...

 

Autor: Inga  |  Rubrik: studium  |  Jan 5, 2015
Autor: Inga
Rubrik: studium
Jan 5, 2015

Studentenleben live

Ein Schrein der Weisen

Die zentrale Lage Brüssels nutzte ich natürlich erst mal aus, um Freunde zu besuchen, die in diversen europäischen Städten ihre Auslandsaufenthalte verbringen. Eine Zugfahrt durch den Eurotunnel später befand ich mich in England, und nach einer Runde Sightseeing in London brachte mich ein Bus nach Oxford. Oxford, das hat ja jeder schon mal gehört, aber außer der schwammigen Erinnerung, dass hier Szenen von Harry Potter gedreht wurden, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Zwar können die Colleges mit Hogwarts nicht ganz mithalten, aber Oxford übertrifft meine Erwartungen bei weitem.
Alte, mit Stuck verzierte Räume, in Gebäuden, die teilweise aus dem 12. Jahrhundert stammen. Bibliotheken, die von innen wie Kirchen aussehen und in denen der Wissenschaft genauso viel Ehrfurcht gezollt wird wie der Religion. Kopfsteinpflaster in den Straßen, in denen man auf den Spuren von Oscar Wilde, John Locke, Richard Dawkins oder David Cameron wandeln kann. Eine Universität, die vor Tradition nur so strotzt: Beim „formal dinner“ zwei mal pro Woche wird den in Umhänge gehüllten Studenten ein dreigängiges Menü serviert (so eine Mensa hätte ich auch gerne!), während die Professoren an einer eigenen langen Tafel dinieren und sich erst nach dem lateinischen Gebet hinsetzen. Die Immatrikulationsfeier darf man nicht besuchen, wenn man keine ganz schwarzen Socken an hat und in einem College wird laut Gerüchten von goldenen Tellern gegessen. Die Quidditch-Meisterschaften, die hier teilweise stattfinden, sind vielleicht ein bisschen übertrieben, schließlich stammen sie aus besagten Harry-Potter-Abenteuern (die Teilnehmer jagen auf Besen fliegend Bällen hinterher und versuchen, sie ins gegnerische Tor zu feuern), aber beeindruckt bin ich trotzdem.

 

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Jan 5, 2015
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Jan 5, 2015

Studentenleben live

Humor im Labor

Bei meiner Bachelorarbeit geht’s gerade rund. Ich beschäftige mich mit einer Pflanze (Sambucus ebulus, besser bekannt als Zwerg-Holunder) um zu schauen, ob man sie für Biogasanlagen verwenden könnte. Mittlerweile habe ich alle Daten dafür zusammen. Gestern hab ich nämlich nach 30 Tagen meinen Versuchsstand abgebaut und ich kann euch sagen, wissenschaftliches Arbeiten ist manchmal ganz schön obskur. Um Biogas von einem Gefäß ins andere zu leiten, brauchte ich Schlauchverbindungsstücke – und zwar ganz schön viele in verschiedenen Größen und Beschaffenheiten. Mit einer Rasierklinge habe ich also verschiedene Schlauchstücke zurechtgemurkst, hier und da geschnitten und von Zeit zu Zeit mit einer Pinzette darin herumgefuhrwerkt. „Messer, Tupfer, Skalpell“, da kommt es einem vor, als wär man im Operationssaal. Aber nein, Kacke hat in einem Operationssaal nichts zu suchen. Verzeiht meine vulgäre Sprache. Fakt ist aber, dass ich rund um meine Bachelorarbeit auch immer wieder wissenschaftlich in Kuhscheiße rühre. Das kommt so: Das Pflanzenmaterial, das ich ansetzte, wird wie in einer Biogasanlage vergoren. Dafür braucht man aber Bakterien und die bekommt man aus dem abgestandenen Rinderdung.

Ich finde das ziemlich lustig. Auch wenn es wohl bizarr aussieht, wenn ich voll konzentriert Flaschen mit Gülle schüttele und Messwerte auf den Millimeter genau ablese, immer mit der Frage, ob auch alles richtig ist. Wenn man die ganze Sache aber mit Humor sieht, kann man auch einfach sagen, ich pansche mit Tierkot und Pflänzchen. Tja, und rumpanschen macht doch Spaß. Hat mir zumindest schon als kleines Kind Spaß gemacht, wo ich mit viel Inbrunst Blättersuppen in der Regentonne kochte. So viel anders ist das ja im Prinzip bei meiner Forschung auch nicht. Und es ist sicher nicht schlecht bei der Arbeit ab und an in Kindheitserinnerungen zu schwelgen und an die schöne Regentonnensuppe zu denken.

Autor: Mia  |  Rubrik: studium  |  Jan 5, 2015
Autor: Mia
Rubrik: studium
Jan 5, 2015