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Studentenleben live

Von Seminarleichen und Neunmalklugen

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

03.02.2015

In geisteswissenschaftlichen Seminaren an der Uni wird über Literatur und Geschichte, Philosophie und Gesellschaft diskutiert. Lauter interessierte junge Leute haben sich gegen die schnelle Karriere und das große Geld entschieden, um sich dem Dialog zu widmen. Könnte man meinen.

Aber leider sieht der Alltag an deutschen Unis oft ganz anders aus. Nach meinen Beobachtungen gibt es grob gesagt zwei Typen von Studierenden in den Geisteswissenschaften.

Die Seminarleichen

Dieser passende Name stammt leider nicht von mir, er ist eher allgemeiner Uni-Slang. Mit Seminarleichen meint man Studis, die reinkommen, keinen Mucks machen, wieder gehen. Am Ende des Semesters fragt man sich, wie sie eigentlich heißen. Und man fragt sich vor allem, ob sie überhaupt interessiert, was sie da studieren, wenn sie nie etwas zur Stunde beitragen. Oder sind sie einfach viel zu schüchtern? Aber wie – das gilt jetzt nur für Lehramtsstudis – wollt ihr vor einer Klasse voller pubertierender Siebtklässler stehen, wenn ihr schon im kleinen Seminar kein Wort über die Lippen bringt? Leider, obwohl ich gerne anderes sagen würde, ist dieser Typ Studi zum großen Teil weiblich.

Die Neunmalklugen

Das Pendant zu den Seminarleichen sind die Neunmalklugen. Sie melden sich bei jeder Frage und werfen mit Fremdworten nur so um sich. Egal ob sie nun gerade passen oder nicht. Sie glauben, schon ganz im intellektuellen akademischen Milieu zu Hause zu sein, wenn sie möglichst elaboriert und verschachtelt sprechen. Ob die anderen Teilnehmer des Seminars folgen können und ob eine interessante Diskussion entstehen kann, ist zweitrangig. Schließlich werden sie gerne für ihre „Weisheit“ bewundert. Und das Wichtigste von allem: Die Profs sollen auf sie aufmerksam werden, denn bekanntlich werden Hiwi-Stellen (der erste Schritt in Richtung akademischer Olymp) nicht ausgeschrieben, sondern nur an diejenigen vergeben, die einen guten Eindruck hinterlassen.

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