interaktiv

Studentenleben live

Dreiklassengesellschaft

Autor:
Inga

Rubrik:
studium

25.02.2015

Wer Zeit und Geld hat, der fährt erster Klasse mit der Bahn. Meistens gibt es einen Kaffee oder eine Zeitung, Speisen bringt der Zugbegleiter an den Platz. Er beantwortet zudem alle Fragen liebenswürdig, fast untertänig. Die Zielgruppe der ersten Klasse ist äußerst homogen: Betuchte ältere Damen, Business-Leute und solche, die es sein oder mal werden wollen. Einmal habe ich den Fehler gemacht, mich mit meiner knallbunten Hipster-Indie-Hose in die erste Klasse zu setzen. Ich fühlte mich wie ein Ekzem, wurde schräg angeguckt und vom Personal doppelt und dreifach kontrolliert ...
Wer ein bisschen Geld hat, gut ist im Sparpreise finden oder einfach nur Wert auf ein Mindestmaß an Komfort und Beinfreiheit legt, fährt ebenfalls mit der Bahn – allerdings zweiter Klasse und selbstverständlich ohne eine sündhaft teure Platzreservierung. Aber vor allem international ist dieser preiswert organisierte Bahnverkehr kompliziert – entweder man hat Ahnung oder man greift doch wieder mal tief ins Portemonnaie.
Und dann gibt es da noch diejenigen, deren Portemonnaie keinen Spielraum in die Tiefe lässt. Die fahren dann dritter Klasse: mit dem Fernbus. Warum dritter Klasse? Jeder, der größer als 1,70 Meter und mit einer Schuhgröße von über 42 gesegnet ist, wird wissen, wovon ich rede. Man sieht sich mit großen Raumproblemen konfrontiert und leidet beinahe körperlich. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für den armen Nebensitzenden, den man in der verzweifelten Bemühung, eine angenehme Position für die 14-stündige Nachtfahrt zu finden, alle zwei Minuten mehr oder minder brutal anstupst ...

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