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Studentenleben live

Mit Trommeln und Pfeifen

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

27.02.2015

Es gibt zwei Sorten von Baslern: Diejenigen, die die Fasnacht lieben und ihr schon das ganze Jahr entgegenfiebern, und diejenigen, die möglichst schnell in die Berge flüchten. Und dann gibt es natürlich noch eine ganze Menge Touristen, so wie mich, die voller Neugier einmal die Fasnacht miterleben möchten, ohne genau zu wissen, worauf sie sich da eigentlich einlassen.

Der Basler Morgenstraich (mit a wohlgemerkt) ist für Freiburger Studis eigentlich ein Muss. Schließlich liegt Basel nur eine knappe Auto-Stunde entfernt. Mancher fragt sich jetzt vielleicht, was zu Hölle ein Morgenstraich sein soll (mit a!), vor allem, wenn man aus einer Gegend kommt, wo Karneval, Jecken, Büttenreden, Fasnacht, Fasnet, Schmutziger Donnerstag oder Menschen im Häs nicht existieren.

Die Basler Fasnacht unterscheidet sich komplett vom Karneval in Köln oder Düsseldorf und auch von der schwäbisch-alemannischen Fasnacht, die zum Beispiel hier in Freiburg gefeiert wird. Der Basler Spaß beginnt eine Woche später, also am Montag nach Aschermittwoch, um vier Uhr morgens. Menschenmassen versammeln sich dann in den Gassen der Altstadt. Alle Lichter gehen aus, die Blitze der (Handy-)Kameras leider an und aus verschiedenen Richtungen kommen sogenannte Cliquen mit bunten Laternen auf dem Kopf. Meistens spielen ein paar der Mitglieder Piccoloflöten und Trommeln. Die Musik ist sehr laut und zieht einen sofort in einen Bann. Es spielen natürlich auch nicht alle Cliquen zur selben Zeit dasselbe Lied, sodass zeitweise eine bunte Kakophonie entsteht. Ich beginne zu verstehen, was mit der meditativen Wirkung beim Morgenstraich gemeint sein könnte. Cliquen sind die verschiedenen Gruppen, die ihre Prozession jedes Jahr unter ein anderes aktuelles Thema stellen. Passend dazu werden Kostüme und Masken (Larven) aller Art gebastelt und natürlich eine mannshohe Laterne, die wahlweise auf einem Handwagen gezogen oder getragen wird. Meistens sind die Themen lokal und die Sprüche im Basler Dialekt. Außenstehende haben es also schwer zu verstehen, worum es geht. Aber manche Laternen habe auch ich verstanden, da ging es um Obdachlose, Veganer, Charlie Hebdo oder Conchita Wurst.

Nach zwei Stunden draußen im bunten Treiben wurde es doch sehr kalt. Also zogen wir uns zurück in ein Lokal, wo man traditionelle Mehlsuppe hätte essen können, wenn man sich in Basel irgendetwas leisten könnte. Dieses Lokal war das skurrilste Erlebnis der ganzen Nacht: Plötzlich sah man all die kostümierten Gestalten ohne Larve auf dem Kopf, und aus den Nonnen- , Cäsaren- , Dino- oder Hasenkörpern sahen einen ältere Männer zwischen fünfzig und sechzig entgegen. Und man fragte sich unweigerlich, ob das vielleicht jetzt Manager der beühmt-berüchtigten Schweizer Banken sind. Oder Aufsichtsräte der Basler Chemiekonzerne?

Wenn es hell wird, ist der Spuk vorbei, doch nur für ein paar Stunden. Denn schon mittags geht es mit dem nächsten Umzug weiter. Für mich aber ging es um acht Uhr nach Hause und erstmal ins Bett. Den ganzen Tag noch hatte ich die Melodien der Flöten im Ohr und dachte mir: Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder!

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