interaktiv

Studentenleben live

Worauf es im Leben ankommt

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

12.03.2015

Vier Wochen nach Trimesteranfang war der letzte Rest südafrikanische Gelassenheit, den ich versucht habe, mir zu bewahren, fast gänzlich verschwunden. Der Stress geht langsam wieder los. An jedem zweiten Wochenende musste ich Klausuren schreiben, die ich zur Zulassung zum Staatsexamen bestehen musste, Außerdem hatte ich eine Probeklausur, die ausgerechnet am Valentinstag stattfand. Wenn man in so einer Phase wieder in seiner eigenen Blase aus Lernen und Klausuren versinkt, kann eine Relativierung der eigenen „Probleme“ nicht schaden.

Seit Anfang des Jahres bin ich Mitglied in der „Law Clinic“, einem Programm der Bucerius Law School, bei dem Anwälte eine ehrenamtliche Rechtsberatung anbieten und dabei von Studierenden unterstützt werden. Würden wir selber beraten, wäre das wahrscheinlich eher schädlich als hilfreich ... Und so sitze ich zum ersten Mal in einer Beratung und höre mir Probleme an, die so ganz anders sind als mein Klausuren-Stress. Bei einem Großteil der Ratsuchenden geht es um nicht bezahlte Sozialleistungen. Besonders mitgenommen hat mich das Schicksal eines Nordafrikaners, der 21 Jahre lang in einem Betrieb in Deutschland gearbeitet hat, seine Tätigkeit jetzt aber wegen starker gesundheitlicher Probleme nicht mehr ausüben kann. Dieser Job war seine Existenzgrundlage und nun weiß er nicht, wie es weitergehen soll. Ich bin überzeugt, diese Beratungen sind eine sehr gute Möglichkeit, gerade in Zeiten von PEGIDA, Berührungspunkte mit in Deutschland lebenden Ausländern aufzubauen und in der Gesellschaft bestehende Vorurteile abzubauen. Und sich daran zu erinnern, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt als ein „gut“ in der nächsten Strafrechtsklausur.

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