interaktiv

Studentenleben live

Peter Pan und die Krummeluspillen

Autor:
Janna

Rubrik:
studium

15.04.2015

„Erwachsenwerden? Ich mach ja viel Scheiß mit, aber nicht jeden.“

Gäbe es heutzutage noch SchülerVZ oder wäre StudiVZ verbreitet genug, dass es sich lohnen würde, sich dort anzumelden – ich würde als allererstes in obige Gruppe eintreten. Bislang habe ich nicht so viele Anreize gefunden, erwachsen zu werden. Überhaupt, was bedeutet es, „erwachsen“ zu sein? Die Definition „vernünftig“, die der Duden noch anbietet, erfülle ich meiner Meinung nach schon seit Jahren so halbwegs. Ich informiere mich, bevor ich größere Entscheidungen treffe, sei es die Anschaffung eines neuen Handys oder die Wahl einer Partei; ich esse freiwillig Obst und Gemüse, mache zumindest manchmal Sport und gehe nur dann über rote Ampeln, wenn weder Autos noch kleine Kinder in Sicht sind.

Die Definition „volljährig“ erinnert mich in erster Linie an die damit verbundenen Rechte: Ich darf alleine Auto fahren und wählen gehen, so lange draußen bleiben, wie ich möchte, quasi alles kaufen und komme in fast jeden Club. Mit der Zeit kommen allerdings auch immer mehr Pflichten dazu. Bislang hält es sich halbwegs in Grenzen: Dass ich mich um die fristgerechte Abgabe von so Sachen wie Studienbescheinigungen und Überweisungsträgern kümmern muss, ist klar. Und dass die Lohnbescheinigungen vom Tutorium im dritten Semester alle sorgfältig abgeheftet werden müssen, hat mir mein Vater gut genug eingebläut. Alles kein großer Aufwand. Aber wie wird das aussehen, wenn ich mit dem Studium fertig bin und anfange zu arbeiten?

Das Praktikum jetzt gibt mir einen Einblick in den Alltag von Lehrern, und auch wenn mir das Unterrichten und generell die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen Spaß macht, ist es doch ziemlich viel, was zu tun ist. Die Zahl der Stunden, in denen ich hospitiere, entspricht etwa der Stundenzahl eines Lehrers mit voller Stelle. Der Unterschied ist allerdings, dass ich nach der Schule nach Hause fahre und abgesehen von ein paar Notizen zum Praktikum und gegebenenfalls Überlegungen zu einer Unterrichtsstunde nichts mehr zu tun habe. Lehrer hingegen bereiten Unterricht vor, führen gegebenenfalls Elterngespräche, planen Ausflüge, korrigieren Schulaufgaben, nehmen an Konferenzen teil und so weiter. Dazu kommt, dass ich bislang nur für mich selbst sorgen muss. Etwaige Kinder, die ich in ein paar Jahren schon ganz gerne hätte, erfordern zusätzlich zum Beruf zumindest in den ersten Jahren ziemlich viel Aufmerksamkeit.

„Wo kann man eigentlich diese Krummeluspillen von Pippi Langstrumpf kaufen, die machen, dass man nie erwachsen wird?“, war daher meine Frage in der vergangenen Woche. Ewig Kind bleiben, daraus wird wohl nichts. Bis ich mit dem Studium fertig bin, dauert es aber immerhin noch drei bis vier Jahre. So lange habe ich auf jeden Fall noch Zeit, eine weitere ehemalige SchülerVZ-Gruppe als Lebensmotto zu wählen: „Ich bin wie Peter Pan, kein Stück erwachsen, aber derbe cool.“

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