interaktiv

Studentenleben live

Plötzlich funktionieren müssen

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

17.04.2015

Das Semester hat wieder begonnen. Willkommen in der Wirklichkeit. Willkommen in der verhassten Welt der geregelten Schlafrhythmen und Tagesabläufe. Willkommen im Alltag des Funktionierenmüssens. Ich mache gerade ein Schulpraktikum.

Die Klasse, in der ich mein Praktikum mache, und die Klassenlehrerin sind sehr lieb. Insgesamt sind es 13 Kinder der zweiten Klasse mit diversen Sprachbehinderungen und -schwierigkeiten, aber einer unglaublichen Sozialkompetenz. Und irgendwie ist es trotzdem anstrengend. Größtenteils einfach deshalb, weil ich weiß, was auf mich zukommen wird.

Am Ende werde ich ein Portfolio abgeben müssen, das sicher den Umfang von 150 Seiten überschreiten wird, zwar unbenotet bleibt, aber dennoch gemacht werden muss. Insgesamt soll ich mindestens 30 Unterrichtsstunden halten (was sich bei mir in Sprachtherapiestunden mit einem mir zugewiesenen Förderkind und Unterrichtsstunden mit der Gesamtklasse aufteilt), werde alle zwei Wochen von einer Dozentin des „Förderschwerpunkts Sprache“ besucht, die sich Therapie und Unterricht anschaut; vielleicht sogar auch ein oder zwei Mal von einer Ethik-Dozentin (dann müsste ich Ethik in der zweiten Klasse unterrichten, auch mal eine spannende Sache). Außerdem nehme ich an Lehrerkonferenzen mit allem Drum und Dran teil. An sich eine wertvolle Erfahrung, aber irgendwie ist es gerade noch etwas schwierig, sich da hineinzufinden. Die Themen, die wir unterrichten dürfen, überschneiden sich wenig bis gar nicht mit meinem Interessengebiet. Das meiste ist Biologie, also MeNuK (Mensch, Natur und Kultur), wie es hier genannt wird. Meine erste Stunde wird sich wahrscheinlich um Gartengeräte drehen. Der emotionale Bezug bleibt da vermutlich aus, aber vielleicht wird es trotzdem ganz lustig.

Abgesehen davon raubt mir die Fahrzeit (anderthalb Stunden je Strecke mit den Öffentlichen) enorm viel Energie. Und dann sind da noch diese Besprechungen mit der Lehrerin. Ich weiß nie wirklich, wann ich nach Hause komme. Selbst wenn ich laut Stundenplan um 12 Uhr Schulschluss habe, kann es sein, dass ich erst um halb fünf zu Hause bin, weil wir so viel besprochen haben und ich im Anschluss noch ein paar Ordner mit Unterrichtsmaterial durchsehen wollte.

Anmerkung: Zugegeben, ich komme mir selbst lächerlich vor, wie ich hier so rumjammere. Natürlich wird es genauso sein, wenn ich irgendwann ins Berufsleben einsteige. Ich vermute eher, hier kommt gerade einfach viel zusammen: die Angst, dass es doch nicht die richtige Studienwahl war, das Gefühl von Konkurrenzsituation (ich bin nämlich mit einer anderen Praktikantin meiner Uni in derselben Klasse) und die Tatsache, dass meine Arbeit ständig bewertet wird (obwohl ich keine Noten bekomme, werden ich wohl viel Kritik einstecken müssen) und die lange Bus- und Bahnfahrt. Ich fürchte, ich muss mich an all das erst noch gewöhnen.

Diesen Artikel teilen

Diese Webseite verwendet Cookies und das Webanalyse-Tool Matomo. Das hilft uns, dir ein gutes Nutzungserlebnis zu bieten und unsere Website zu verbessern. Wenn du durch die Seiten surfst, erklärst du dich hiermit einverstanden. Hier erfährst du mehr über die Nutzung deiner Daten und Möglichkeiten zum Widerspruch.