interaktiv

Studentenleben live

Kleinstadtstress

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

06.05.2015

Es ist Samstagabend, es spielt eine der coolsten Bands Freiburgs und ich habe vergessen rumzufragen, ob jemand mit mir zum Konzert gehen möchte. Der Fall ist klar: studentische Luxussorgen. Nach drei, vier unbeantworteten SMS an meine Freunde dachte ich mir: Egal, ich kann auch allein hingehen, schließlich werde ich mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit jemanden treffen, den ich kenne und der meinen Musikgeschmack teilt. Letztlich konnte ich zwar doch noch eine Freundin erreichen und sie zum Mitkommen überreden, trotzdem trafen wir vor Ort noch zwei gute Freunde. Typisch Freiburg oder typisch Kleinstadt? Leider trifft man hier nämlich auch allzu oft Leute, die man lieber nicht getroffen hätte. Zum Beispiel die wild tanzende, den ganzen Auftritt mit dem Handy mitfilmende blonde Frau in der ersten Reihe, die sich bei genauerem Hinsehen als eine Dozentin der Slavistik entpuppte. Zwar ist das Verhältnis zwischen Studierenden und Dozierenden nicht mehr so angespannt, wie es früher in der Schule zwischen Lehrern und Schülern war, trotzdem will man sie irgendwie nicht beim Feiern treffen. Auch wenn es prinzipiell natürlich klar ist, dass der Eintritt ins Berufsleben nicht den Austritt aus dem Nachtleben bedeutet. Und es ist auch den Dozierenden klar, dass ihre Studis ausgehen. Eigentlich sollte ich mich freuen, gibt es doch viel „peinlichere“ Orte, um Dozenten zu treffen: die Dusche im Schwimmbad, das Fitnessstudio oder – die Krönung aller Peinlichkeiten – die Sauna. Obwohl man auch das mit Fassung und ein bisschen Humor nehmen sollte.

Später, als das Konzert dann vorbei war (und meine Dozentin plötzlich zur Verkäuferin der Band-T-Shirts mutiert war), tippte mich meine Freundin an und flüsterte mir ins Ohr: „Da sind Schülerinnen von mir aus dem Praxissemester, die rauchen und sind bestimmt noch nicht 18.“ So weit sind wir also schon!

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