interaktiv

Studentenleben live

Helden

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

06.05.2015

Die schwere Holztür öffnet sich langsam. Eine einzelne Person kommt heraus. Die ersten Jubelrufe ertönen, Sektkorken knallen, Konfetti wird geworfen. Die Menschenmenge, die sich hier versammelt hat, applaudiert, als immer mehr Leute rauskommen und mit überschwänglichen Umarmungen und selbstgebastelten Medaillen empfangen werden.

Wo bin ich hier? Nicht bei einem Formel-1-Rennen, wo die Gewinner sich gegenseitig mit Sekt bespritzen. Auch nicht bei einer Theaterpremiere, wo sich die Schauspieler nach einer gelungenen Vorstellung von Zuschauern und Bekannten feiern lassen. Nein, ich stehe vor dem Justizprüfungsamt, und vor mir stehen die Glücklichen, die an diesem Tag ihr erstes Staatsexamen abgeschlossen haben (jedenfalls den schriftlichen Teil, sofern sie die goldene vier-Punkte-Grenze geknackt haben).

Kaum vorstellbar, dieses Gefühl, wenn man nach vier bis fünf Jahren Studium und mindestens einem Jahr intensiver Vorbereitung endlich fertig ist. Ab jetzt müssen sie nicht mehr jeden Tag acht bis zehn Stunden in der Bibliothek verbringen und ein bis drei Mal pro Woche fünfstündige Probeklausuren schreiben. Sie werden außerdem nachts nicht mehr schweißgebadet aus gemeinen Examens-Albträumen aufwachen. Zwar hat man mit dieser Prüfung objektiv nichts zur Gesellschaft beigetragen, aber ich bin mir sicher: Ein bisschen fühlt sich hier jeder wie ein Held.

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