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Studentenleben live

V wie Vorstellungsgespräch

„Bewerbung absenden“ – mit diesem Button beendete ich erst kürzlich wieder einen Bewerbungsprozess für die Position als Marketing-Manager. Drei Tage später erhielt ich von diesem Unternehmen eine E-Mail. Die Betreffzeile war neutral formuliert. „Ihre Bewerbung vom xx“ hieß es da. Meine Mundwinkel wanderten automatisch nach unten. Sicher eine Absage, dachte ich. Doch als ich die E-Mail öffnete, wurde ich eines besseren belehrt, denn es handelte sich um eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, yes! Ich sagte sofort zu.

Einige Tage später begann ich mit den Vorbereitungen: Unternehmens- und Produktrecherche, Kurzvorstellung vs. detaillierte Vorstellung, Stärken-Schwächen-Auseinandersetzung etc. – das volle Programm. Auch wenn viele Personaler heutzutage gar nicht mehr direkt nach Stärken und Schwächen fragen, so rate ich jedem, sich doch für den Fall der Fälle darauf vorzubereiten. Irgendwie wird diese Information nämlich immer entlockt. Noch einmal einen intensiven Blick auf die Stellenausschreibung zu werfen gehört übrigens auch dazu. Schließlich liegt es nahe, gefragt zu werden, wie man sich den Berufsalltag bei dieser Position vorstellt, also welche Aufgaben wohl konkret dazugehören könnten und dergleichen.

Last but least ist die Vorbereitung von eigenen Fragen unverzichtbar. Erstens sollte man stets Interesse und ein gewisses Maß an Neugier zeigen und zweitens kann es natürlich sein, dass einige Informationen im Gespräch noch nicht kommuniziert wurden. Beispiele sind hier die Frage nach Kernarbeitszeiten, Teamaufstellungen, Urlaubsregelung, Dresscode oder Arbeitszeiterfassung – gibt es ein Gleitzeitkonto und wie wird mit Überstunden umgegangen? Bald geht es los. Ich werde euch auf jeden Fall berichten, wie es gelaufen ist – drückt mir die Daumen!

Autor: Jacqueline  |  Rubrik: studium  |  May 18, 2015
Autor: Jacqueline
Rubrik: studium
May 18, 2015

Studentenleben live

Eingelebt

Langsam aber sicher habe ich mich eingelebt. Nicht weil ich umgezogen wäre oder so, nein: eingelebt im neuen Alltag, in meinem Praktikum. Und wenn ich das mal genauer betrachte, habe ich fast alles schon durchgemacht in diesen vier Wochen: Ich war von beiden GdL-Streiks massiv betroffen, bin Umwege gefahren oder habe anderthalb Stunden am Bahnhof verbracht, weil eigentlich angezeigte Züge doch nicht fuhren oder ich einfach nicht mehr in die Bahn gepasst habe und auf die nächste warten musste. In meiner Praktikumsschule hat es gebrannt und sie musste für ein paar Tage geschlossen bleiben. Ich habe Unterrichtsstunden in Kunst und MeNuK (Mensch, Natur, Kultur) gehalten, positives und negatives Feedback bekommen und einiges davon umsetzen können. Außerdem habe ich das Kind ausgewählt, das ich bis zu den Sommerferien intensiv in der Einzeltherapie fördern möchte und auch schon erste Therapiesitzungen gehabt. Ich habe schon verschlafen und war krank, war bei einer Stufenkonferenz, habe ein paar Eltern kennengelernt, Unterrichtsskizzen geschrieben, den Kopierer verstanden, eine Kaffeetasse im Lehrerzimmer deponiert und, und, und.

Nur eine ganz elementare Erfahrung fehlt mir noch: der erste Besuch meiner Dozentin an der Schule. Durch den Brandfall musste der erste Unterrichtsbesuch nämlich ausfallen und so kommt sie erst morgen, in meiner fünften Woche also, zum ersten Mal. Dementsprechend bin ich noch viel aufgeregter, als ich es vielleicht gewesen wäre, wenn sie in der dritten Woche gekommen wäre – sie hat vielleicht mehr Erwartungen. Außerdem wird sie nun bei einer Therapie-Sitzung dabei sein und nicht im Unterricht, wie es in Woche drei der Fall gewesen wäre. Abgesehen davon hat sie uns bei einem Kennenlerntreffen bereits geraten, sie doch bitte daran zu erinnern, auch etwas Positives zu sagen, wenn sie uns Feedback gibt. Nicht gerade motivierend, so eine Information. Und zu allem Überfluss weiß ich nicht mal, wie ihr Name korrekt ausgesprochen wird. Alles in allem scheint das morgen also ein bisschen zum Scheitern verurteilt.

Abgesehen davon geht es mir wirklich wunderbar in meinem Praktikum – meine betreuende Lehrerin ist total lieb, meine Kommilitonin ist ebenfalls super und absolut kein spießiger Streber, wie ich anfangs dachte. Wir kommen wirklich sehr gut miteinander aus. Und die Kinder sind der absolute Wahnsinn. Ich kann zwar nicht behaupten, dass ich mich dazu berufen fühle, Lehrerin zu werden, aber es ist in jedem Fall eine ziemlich gute Wahl, die ich da intuitiv getroffen habe, als ich mich für dieses Studium einschrieb.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  May 15, 2015
Autor: Hannah
Rubrik: studium
May 15, 2015

Studentenleben live

Machismo

Neulich habe ich für die Arbeit Statistiken zur Gewalt gegen Frauen in Südamerika recherchiert. Da kommen erschreckende Zahlen zum Vorschein. So wird in Bolivien etwa jede zweite Frau Opfer von Gewalt. In Peru ist es jede dritte. Neben der physischen und sexuellen Gewalt findet dabei auch psychologische oder mitunter wirtschaftliche Gewalt Berücksichtigung in den Auswertungen. Häufig stammen die Täter aus dem näheren Umfeld der Betroffenen. Es sind ihre Väter, Onkel, Brüder und besonders häufig Partner oder Ex-Partner, die zu Mitteln der Gewalt greifen.

Was mir hier – wie auch in anderen lateinamerikanischen Ländern – regelmäßig begegnet, sind Belästigungen auf der Straße. Ich verstehe sie als eine weitere Ausdrucksform eben jener machistischen Kultur, die auch Ursache für die weitverbreitete Gewalt gegen Frauen ist. Nicht dass ich in Deutschland nie auf der Straße angesprochen worden wäre, aber hier gehört es zu den fast alltäglichen Ereignissen. Ich habe mir schon angewöhnt, nur noch mit Musik auf den Ohren zur Arbeit zu fahren, um mich nicht über die teils sehr anzüglichen Kommentare zu ärgern. Ein positiver Nebeneffekt der Musik ist auch, dass der Verkehr etwas „entlärmt“ wird.

Generell fühle ich mich in meinem Viertel sehr sicher und wohl, dennoch ist es mir schon passiert, dass mich auf dem Heimweg von einem Club ein alkoholisierter Fremder einfach geküsst hat – keine schöne Erfahrung. Nach dem Schrecken kann ich nun mit etwas Abstand sagen, dass ich mich gut wehren und Grenzen setzen kann, wenn mir jemand zu nahe tritt. Doch letztlich darf es nicht an den Frauen liegen, sich zu verteidigen, sondern es braucht einen strukturellen Wandel – einen jahrzehntelangen Prozess, an dem ich in diesem Moment über mein Praktikum mitwirke.

Autor: Anni  |  Rubrik: studium  |  May 13, 2015
Autor: Anni
Rubrik: studium
May 13, 2015