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Studentenleben live

Eingelebt

Langsam aber sicher habe ich mich eingelebt. Nicht weil ich umgezogen wäre oder so, nein: eingelebt im neuen Alltag, in meinem Praktikum. Und wenn ich das mal genauer betrachte, habe ich fast alles schon durchgemacht in diesen vier Wochen: Ich war von beiden GdL-Streiks massiv betroffen, bin Umwege gefahren oder habe anderthalb Stunden am Bahnhof verbracht, weil eigentlich angezeigte Züge doch nicht fuhren oder ich einfach nicht mehr in die Bahn gepasst habe und auf die nächste warten musste. In meiner Praktikumsschule hat es gebrannt und sie musste für ein paar Tage geschlossen bleiben. Ich habe Unterrichtsstunden in Kunst und MeNuK (Mensch, Natur, Kultur) gehalten, positives und negatives Feedback bekommen und einiges davon umsetzen können. Außerdem habe ich das Kind ausgewählt, das ich bis zu den Sommerferien intensiv in der Einzeltherapie fördern möchte und auch schon erste Therapiesitzungen gehabt. Ich habe schon verschlafen und war krank, war bei einer Stufenkonferenz, habe ein paar Eltern kennengelernt, Unterrichtsskizzen geschrieben, den Kopierer verstanden, eine Kaffeetasse im Lehrerzimmer deponiert und, und, und.

Nur eine ganz elementare Erfahrung fehlt mir noch: der erste Besuch meiner Dozentin an der Schule. Durch den Brandfall musste der erste Unterrichtsbesuch nämlich ausfallen und so kommt sie erst morgen, in meiner fünften Woche also, zum ersten Mal. Dementsprechend bin ich noch viel aufgeregter, als ich es vielleicht gewesen wäre, wenn sie in der dritten Woche gekommen wäre – sie hat vielleicht mehr Erwartungen. Außerdem wird sie nun bei einer Therapie-Sitzung dabei sein und nicht im Unterricht, wie es in Woche drei der Fall gewesen wäre. Abgesehen davon hat sie uns bei einem Kennenlerntreffen bereits geraten, sie doch bitte daran zu erinnern, auch etwas Positives zu sagen, wenn sie uns Feedback gibt. Nicht gerade motivierend, so eine Information. Und zu allem Überfluss weiß ich nicht mal, wie ihr Name korrekt ausgesprochen wird. Alles in allem scheint das morgen also ein bisschen zum Scheitern verurteilt.

Abgesehen davon geht es mir wirklich wunderbar in meinem Praktikum – meine betreuende Lehrerin ist total lieb, meine Kommilitonin ist ebenfalls super und absolut kein spießiger Streber, wie ich anfangs dachte. Wir kommen wirklich sehr gut miteinander aus. Und die Kinder sind der absolute Wahnsinn. Ich kann zwar nicht behaupten, dass ich mich dazu berufen fühle, Lehrerin zu werden, aber es ist in jedem Fall eine ziemlich gute Wahl, die ich da intuitiv getroffen habe, als ich mich für dieses Studium einschrieb.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  May 15, 2015
Autor: Hannah
Rubrik: studium
May 15, 2015

Studentenleben live

Machismo

Neulich habe ich für die Arbeit Statistiken zur Gewalt gegen Frauen in Südamerika recherchiert. Da kommen erschreckende Zahlen zum Vorschein. So wird in Bolivien etwa jede zweite Frau Opfer von Gewalt. In Peru ist es jede dritte. Neben der physischen und sexuellen Gewalt findet dabei auch psychologische oder mitunter wirtschaftliche Gewalt Berücksichtigung in den Auswertungen. Häufig stammen die Täter aus dem näheren Umfeld der Betroffenen. Es sind ihre Väter, Onkel, Brüder und besonders häufig Partner oder Ex-Partner, die zu Mitteln der Gewalt greifen.

Was mir hier – wie auch in anderen lateinamerikanischen Ländern – regelmäßig begegnet, sind Belästigungen auf der Straße. Ich verstehe sie als eine weitere Ausdrucksform eben jener machistischen Kultur, die auch Ursache für die weitverbreitete Gewalt gegen Frauen ist. Nicht dass ich in Deutschland nie auf der Straße angesprochen worden wäre, aber hier gehört es zu den fast alltäglichen Ereignissen. Ich habe mir schon angewöhnt, nur noch mit Musik auf den Ohren zur Arbeit zu fahren, um mich nicht über die teils sehr anzüglichen Kommentare zu ärgern. Ein positiver Nebeneffekt der Musik ist auch, dass der Verkehr etwas „entlärmt“ wird.

Generell fühle ich mich in meinem Viertel sehr sicher und wohl, dennoch ist es mir schon passiert, dass mich auf dem Heimweg von einem Club ein alkoholisierter Fremder einfach geküsst hat – keine schöne Erfahrung. Nach dem Schrecken kann ich nun mit etwas Abstand sagen, dass ich mich gut wehren und Grenzen setzen kann, wenn mir jemand zu nahe tritt. Doch letztlich darf es nicht an den Frauen liegen, sich zu verteidigen, sondern es braucht einen strukturellen Wandel – einen jahrzehntelangen Prozess, an dem ich in diesem Moment über mein Praktikum mitwirke.

Autor: Anni  |  Rubrik: studium  |  May 13, 2015
Autor: Anni
Rubrik: studium
May 13, 2015

Studentenleben live

Auf den letzten Drücker

In der Oberstufe habe ich irgendwann mal einen humoristischen Ratgeber für Studierende gelesen. Es ging darum, wie Hausarbeiten entstehen: Erst schiebt man drei Monate lang die Arbeit vor sich her, dann rechnet man aus, wie viele Seiten man pro Tag schreiben muss, um die Abgabefrist gerade noch einhalten zu können und am letzten Tag kopiert man Wikipedia, formuliert den Text um, erfindet ein paar Quellen und gibt ab.

Ganz so schlimm ist es in Wirklichkeit natürlich nicht, aber irgendwie klappt das mit dem Einhalten der Abgabefristen trotzdem nicht so wirklich. Ich muss zugeben, ich bin wohl etwas zu optimistisch an die Sache rangegangen. Zwei Hausarbeiten, eine mündliche Prüfung und das alles unmittelbar nach dem Praktikum. Aber man kann ja schon neben dem Praktikum viel erledigen. Haha, ja genau, und in der Schule hab ich auch immer alle Hausaufgaben direkt an dem Tag gemacht, an dem wir sie aufbekommen haben. Ich hätte es wissen müssen.

Ganz untätig war ich natürlich nicht, habe die Quellen zu meinem ersten Hausarbeitsthema schon ziemlich zeitnah besorgt und bin dafür sogar bis nach Köln gefahren, weil es das in psychologischer Fachsprache geschriebene Buch in Düsseldorf nur auf Englisch gab. Ab und zu habe ich sogar in die Bücher reingeschaut. Für mehr hatte ich aber leider keine Zeit. Und die mündliche Prüfung musste ich ja auch vorbereiten. Mehr als vier oder fünf Tage hatte ich dafür aber nicht eingeplant. Allerdings fuhr ich damit auch bei den letzten beiden Prüfungen dieser Art sehr gut – und so war es auch diesmal. Bei der ersten Hausarbeit musste ich hingegen auf das Mitleid des Dozenten hoffen. Ich schilderte meine Lage und hatte Glück: zwei Wochen Aufschub. Statt die nun insgesamt drei Wochen Zeit ausgiebig zu nutzen, wurde aber erst einmal gefaulenzt und Ostern gefeiert, nebenher ein wenig gelesen und immerhin schon ein Word-Dokument erstellt. Irgendwann waren es nur noch eineinhalb Wochen und es wurde ernst. Wie genau ich es dennoch geschafft habe, ist mir immer noch unklar. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich etwas falsch gemacht habe, schließlich war ich im Endeffekt sogar einen Tag früher fertig.

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  May 12, 2015
Autor: Janna
Rubrik: studium
May 12, 2015