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Studentenleben live

Inklusion in Italien

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

26.06.2015

Vergangene Woche war ich auf einer Exkursion in Brixen und Bruneck, um italienische Schulen anzuschauen und einen Vergleich zwischen dem italienischen und dem deutschen Bildungssystem ziehen zu können. In Italien wird nämlich schon seit einer Ewigkeit Inklusion „betrieben“. Es gibt keine Unterteilung in Gymnasium, Realschule, Haupt- und Sonderschule, sondern (zumindest bis zum 14. Lebensjahr) nur eine Schule für alle. Jeder geht auf die Schule in seinem Einzugsgebiet, es sei denn, er möchte auf eine besondere Privatschule. Die Schule muss dann dafür sorgen, dass alle Kinder sinnvoll unterrichtet werden können – also in einzelnen Fällen einen Integrationslehrer engagieren, der die „normale“ Lehrkraft unterstützt. Idealvorstellung ist, dass ein sogenanntes Teamteaching zwischen Fach- und Integrationslehrer stattfinden kann, der Integrationslehrer ebenfalls als „normale“ Lehrperson akzeptiert wird und für alle Kinder zuständig ist, ob behindert oder nicht. Die Schüler, die Schwächen in einem Bereich haben, bekommen zudem ein entsprechendes Hilfsangebot – im Unterricht sowie in Klassenarbeiten. Zum Beispiel dürfen dyskalkule Kinder einen Taschenrechner benutzen oder Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche eine Prüfung mündlich abhalten und so weiter. Zudem werden alle „zieldifferent“ bewertet, das heißt, dass es keinen innerhalb der Klasse geltenden Notenspiegel geben kann, sondern derjenige eine Eins (beziehungsweise in Italien eine 10) bekommt, der genau das abliefert, was ihm möglich ist. Jeder wird nur an sich selbst und an seinen Fähigkeiten gemessen. Im Prinzip eine logische Sache – wie sollte man auch ein körperbehindertes Kind in Sport bewerten? Oder ein taubstummes in Musik? In der Praxis funktioniert es leider noch nicht perfekt. Auch dieses System hat seine Lücken und Schwachstellen. Trotzdem bin ich beeindruckt, dass es Länder gibt, in denen Inklusion in dieser Form gelebt wird.

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