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Studentenleben live

Hauptsache auf der Liste?

So ganz offiziell studiere ich ja nicht nur Latein und Griechisch, sondern auch noch Geschichte als „normales“ Fach – und als Backup, falls Griechisch als Schulfach abgeschafft werden sollte. In Bremen soll schließlich auch Geographie als eigenes Fach eingestellt werden. Als Schülerin, die im Erdkundeunterricht oft gelitten hat, hätte ich davon nie zu träumen gewagt. Man weiß also nie, was in der Bildungspolitik als nächste „Innovation“ auf einen zukommt.

Ich schweife ab. Wovon ich eigentlich berichten wollte, war meine Geschichtsvorlesung zur griechischen Religion. Eines der Themen, mit dem man die Schülerinnen und Schüler vielleicht für das Fach Griechisch begeistern kann. Was glaubten nun die alten Griechen? Glaubten sie wirklich an Zeus, Aphrodite und Co.? Eine Frage, die sehr schwer zu beantworten ist, weil wir erstens wenige Quellen über private Glaubensüberzeugungen haben und zweitens ein polytheistisches System für die christlich geprägte Welt wirklich sehr schwer zu verstehen ist. Eine Vorlesung also, die es wert ist, gehört zu werden, wie ich finde.

Wie erstaunt war ich, als die Dozentin in den Vorlesungen immer wieder durchblicken ließ, dass sie ja ganz genau wüsste, dass wir die Texte zur Vorbereitung nicht lesen und unsere Zeit hier nur absitzen. Auf einige mag das ja zutreffen, aber muss man die, die interessiert und freiwillig gekommen sind in den gleichen Topf werfen? Man kann ja schlecht aufstehen und sagen: „Entschuldigen Sie bitte, aber mich interessiert zufällig, was Sie hier vortragen.“ Als ich mich noch so ärgerte und wunderte, warum sich denn hunderte junge Leute jedes Jahr wieder ein Geschichtsstudium antun, wenn es sie nicht interessiert (schließlich holt man das große Geld woanders), meldete sich ein Kommilitone zu Wort. Statt einer inhaltlichen Nachfrage aber, kam nur: „Wo ist denn die Liste?“ Mitten in den Vortrag der Dozentin hinein. Man kann von Anwesenheitslisten für volljährige, völlig freiwillig Studierende, ja halten was man will, aber mit dem einzigen Ziel, in eine Vorlesung zu gehen, um das Kürzel hinter seinen Namen zu setzen? Das kann doch nicht der Sinn der Sache sein!

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Jun 29, 2015
Autor: Rose
Rubrik: studium
Jun 29, 2015

Studentenleben live

Turbulente Umzugszeit

Schluck und schnief. Es ist soweit: Ich bin durch meine erste Prüfung gerauscht. Es war vielleicht doch etwas utopisch zu glauben, eineinhalb Semester Umweltrecht reichen aus, um in einer Klausur einen baurechtlichen Genehmigungsfall zu prüfen. Ein bisschen traurig bin ich schon, denn hätte ich nur einen Punkt mehr gehabt, hätte ich bestanden. Leider konnte ich den Nachholtermin nicht wahrnehmen, da ich zeitgleich an einem Symposium beteiligt war und ein Referat halten musste. Aber viel Zeit zum Trübsal blasen bleibt mir nicht, schließlich gibt es große Neuigkeiten: Seit ein paar Wochen steht fest, dass wir Bayreuth den Rücken kehren. Zwischenzeitlich sah es so aus, als würden wir berufsbedingt nach Ansbach ziehen, davor war, kurz aber intensiv, das Ruhrgebiet im Gespräch, dann kam eine Zusage aus München, die dann aber zeitgleich mit einem Angebot aus Nürnberg eintrudelte. Nach zwei gemeinsamen Jahren in Bayreuth ziehen wir also nach Nürnberg. Das große, laute und schöne Nürnberg. Mir graut es ein bisschen vor dem Umzug. Mein Mann hat schon mal in der Innenstadt der Frankenmetropole gewohnt. Da war es aber so laut, dass ich mir eine vergleichbare Lage wirklich nicht vorstellen kann.

Ich hänge nun ständig am Telefon und versuche, Vermieter zu erreichen oder stöbere stundenlang nach passendem Wohnraum im Internet. Vier Wohnungen haben wir schon angeschaut, aber wie es aussieht, werden wir noch mal losziehen müssen. Die richtige war bisher einfach noch nicht dabei.

Bis dahin hoffe ich, dass ich das noch ausstehende Referat gut über die Bühne bringe, ganz zu schweigen vom Drittversuch in Umweltrecht. Denn auch wenn sich unser Wohnort ändern wird, mein Studienort bleibt gleich. Ab nächstem Semester werde ich dann wohl von Nürnberg nach Bayreuth pendeln. Vielleicht tut mir die lange Zugfahrt ja gut. Ich weiß, dass ich so manche bestandene Klassenarbeit in der Schulzeit der langen Busfahrt zu verdanken habe.

Autor: Mia  |  Rubrik: studium  |  Jun 29, 2015
Autor: Mia
Rubrik: studium
Jun 29, 2015

Studentenleben live

Inklusion in Italien

Vergangene Woche war ich auf einer Exkursion in Brixen und Bruneck, um italienische Schulen anzuschauen und einen Vergleich zwischen dem italienischen und dem deutschen Bildungssystem ziehen zu können. In Italien wird nämlich schon seit einer Ewigkeit Inklusion „betrieben“. Es gibt keine Unterteilung in Gymnasium, Realschule, Haupt- und Sonderschule, sondern (zumindest bis zum 14. Lebensjahr) nur eine Schule für alle. Jeder geht auf die Schule in seinem Einzugsgebiet, es sei denn, er möchte auf eine besondere Privatschule. Die Schule muss dann dafür sorgen, dass alle Kinder sinnvoll unterrichtet werden können – also in einzelnen Fällen einen Integrationslehrer engagieren, der die „normale“ Lehrkraft unterstützt. Idealvorstellung ist, dass ein sogenanntes Teamteaching zwischen Fach- und Integrationslehrer stattfinden kann, der Integrationslehrer ebenfalls als „normale“ Lehrperson akzeptiert wird und für alle Kinder zuständig ist, ob behindert oder nicht. Die Schüler, die Schwächen in einem Bereich haben, bekommen zudem ein entsprechendes Hilfsangebot – im Unterricht sowie in Klassenarbeiten. Zum Beispiel dürfen dyskalkule Kinder einen Taschenrechner benutzen oder Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche eine Prüfung mündlich abhalten und so weiter. Zudem werden alle „zieldifferent“ bewertet, das heißt, dass es keinen innerhalb der Klasse geltenden Notenspiegel geben kann, sondern derjenige eine Eins (beziehungsweise in Italien eine 10) bekommt, der genau das abliefert, was ihm möglich ist. Jeder wird nur an sich selbst und an seinen Fähigkeiten gemessen. Im Prinzip eine logische Sache – wie sollte man auch ein körperbehindertes Kind in Sport bewerten? Oder ein taubstummes in Musik? In der Praxis funktioniert es leider noch nicht perfekt. Auch dieses System hat seine Lücken und Schwachstellen. Trotzdem bin ich beeindruckt, dass es Länder gibt, in denen Inklusion in dieser Form gelebt wird.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Jun 26, 2015
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Jun 26, 2015