interaktiv

Studentenleben live

Von vorn anfangen

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

27.08.2015

Jonathan Safran Foer legt einem seiner Charaktere etwa folgende Worte in den Mund: „Wenn ich zwei Leben gehabt hätte, dann hätte ich eines mit ihr verbracht.“ Am Anfang fand ich diesen Satz ziemlich hart. Und genaugenommen hat sich daran auch nichts geändert, aber mittlerweile finde ich ihn vor allem ziemlich wahr. Dass wir nur ein Leben haben, würde ich jetzt nicht unbedingt als krasses Problem bezeichnen, aber irgendwie belastet es mich manchmal doch. Ich meine, klar, wir können uns täglich neu entscheiden, wir können Dinge verändern, wir können Menschen aus unserem Leben entfernen und neue hinzufügen, sofern sie hinzugefügt werden wollen, wir können uns beruflich neu orientieren, unsere Ernährung umstellen, wir können so vieles, aber die Zeit zurückdrehen, das können wir nicht. Und irgendwie erscheinen mir manche Entscheidungen im Nachhinein dann doch vielmehr als Korrekturen. Als hätte ich das Lenkrad herumgerissen, während der Wagen mit gleichbleibender Geschwindigkeit durch die Gegend prescht.

Bei mir geht es immerhin nicht um Menschen. Es sind vielmehr meine Ziele, mein Studium, über die ich ernsthaft nachdenke. Ja, ich weiß, vergangenen Monat habe ich noch berichtet, dass ich das Gefühl habe, angekommen zu sein und mir meiner Berufswahl sicher bin. Und genau das ist mein Problem. Ich bin mir sicher und ich bin es nicht. Ich will Lehrerin werden und ich will es nicht. Ich will so viel anderes auch. Nicht stattdessen, sondern gleichzeitig. Und immer, wenn ich Menschen treffe, die gerade Abitur gemacht haben, die Füße noch unter dem Esstisch ihrer Eltern, den Kopf voll mit Ideen, dann will ich auch. Auch nochmal entscheiden. Denn wenn ich ehrlich bin, finde ich es manchmal langweilig, die Frage „Und was machst du so?“ mit einem trockenen „Lehramt“ beantworten zu müssen. Wobei ich froh sein kann, dass es immerhin Sonderpädagogik ist. Das zeigt wenigstens meine soziale Ader und dass ich nicht nur scharf auf zwölf Wochen Urlaub bin.

Wenn ich zwei Leben hätte, wäre ich in einem Lehrerin. Im zweiten bin ich mir noch nicht so sicher.

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