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Studentenleben live

Neues Heim für viele

Autor:
Mia

Rubrik:
studium

29.09.2015

Ich hatte vor einem guten Monat einen eindrücklichen Traum. Ich befand mich darin in einer neuen Wohnung. Plötzlich stand an einer Dachschräge ein kleines Mädchen, das armselig gekleidet war und mich neugierig ansah. Es trappelte und dann sah ich auf einmal ein zweites Kind, das hinter dem Dachstuhl hervor lugte. Ich war ziemlich irritiert, mein „Traum-Ich“ dachte, dass mir gar nicht mitgeteilt worden war, dass hier noch eine Familie mit im Stockwerk, ja sogar in der Wohnung wohnte. Schließlich kam der Vater der beiden Kinder aus seinem Versteck hervor und schob die beiden behutsam aus meinem Blickfeld. Plötzlich ging die Tür zum Treppenhaus auf und eine alte Dame, die auch im Haus zu wohnen schien, kam herein. Sie sah ärgerlich aus und schimpfte, sie hätte ja schon lange vermutet, dass sich im Haus irgendwelche illegalen Untermieter versteckt hätten. Was sollte ich jetzt tun? Mir zitterten die Hände und ich schaute die kleine Familie an, die so armselig und ängstlich da stand.

Schließlich erwiderte ich der Frau, dass der Mann und seine Kinder zu Besuch seien und alles andere als illegale Untermieter wären. Ich stellte mich zwischen die Familie und die alte Dame und hoffte, dass diese unangenehme Frau keine weiteren Fragen stellen würde. Während ich noch über die Konsequenzen meines Eingreifens nachdachte, nämlich nun mit drei offensichtlich Schutz suchenden Ausländern zusammen zu leben, wachte ich auf. In der nächsten Stunde, in der ich wach im Bett lag, ließ mich die Frage nicht mehr los, was es bedeuten würde mit einem Asylsuchenden die Wohnung zu teilen. Wären mein Mann und ich bereit, unsere nigelnagelneue Schlafcoach einer Schutz suchenden Person zur Verfügung zu stellen?

Am Frühstückstisch sprachen wir über den Traum und die Fragen, die er in mir ausgelöst hatte. Ich stellte meinem Mann die gleichen Fragen und wir überlegten gemeinsam, wie wir sie beantworten könnten. Seitdem denke ich darüber nach, wie ich Flüchtlingen helfen könnte, während ich Kisten auspackte und Regale einräumte. Mittlerweile sind alle Kisten ausgeräumt, alle Habseligkeiten sind verstaut und die neue Wohnung komplett in Besitz genommen. Die Frage, was und wie viel ich für Hilfesuchende geben kann und geben will, geriet dabei schleichend in den Hintergrund. Nun überlege ich, ob ich anstatt eine Hiwistelle anzutreten doch lieber Freiwilligenarbeit in einer Asylbewerberunterkunft leisten soll.

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