interaktiv

Studentenleben live

Ich packe meinen Rucksack

Autor:
Luisa

Rubrik:
orientieren

09.10.2015

Endlich schultere ich wieder meinen großen Wanderrucksack und mache mich auf eine kleine Abenteuerreise. Erste Station: Barcelona. Schon die Ankunft lässt Freude aufkommen: Als ich um halb zwei Uhr nachts todmüde in meinem zehn-Betten-Schlafsaal ankomme, ist das Bett, das mir zugewiesen wurde, schon belegt. Um nicht die fünf Stockwerke zur Rezeption wieder hinunterlaufen zu müssen, lege ich mich einfach in das freie Bett, das am wenigsten benutzt aussieht – nur um vier Stunden später von einer aufgebrachten Amerikanerin aufgeweckt zu werden.

Und es wird nicht besser. Die Leute in meinem Hostel finde ich nicht besonders spannend, außerhalb der kleinen Altstadt und den Gaudi-Gebäuden begeistert mich Barcelona wenig und meine Füße habe ich mir auch schon wund gelaufen. An das Alleine-Reisen muss ich mich erst wieder gewöhnen. Aber zum Glück geht’s schnell bergauf: Eine Freundin von einer Freundin von einem Freund aus Brüssel lebt in Barcelona und nimmt mich abends mit. Schwupps sitze ich mit einer Gruppe Spanier im Hipster-Viertel Barcelonas und diskutiere über die katalanische Unabhängigkeit.

Nach ein paar Tagen Eingewöhnungszeit bin ich auch wieder drin im Alleine-Reisen. Vorteile: Ich bin offener und gehe mehr auf andere Leute zu. Dadurch, dass ich auf mich alleine gestellt bin, wird jede Sehenswürdigkeit, die ich entdecke, zu einem Highlight und jeder Moment ist mangels Ablenkung besonders intensiv. Ich kann machen, worauf ich grade Lust habe. Nachteile: Ich muss immer neue Leute kennenlernen und die gleichen Gespräche führen. Ich muss mir selbst überlegen, worauf ich Lust habe und bin schonungslos meinen eigenen Stimmungsschwankungen ausgesetzt. Außer Barcelona besichtige ich auch Valencia, die Alhambra, Sevilla und Tarifa alleine und fühle mich bald wohl dabei.

Morgen setze ich mit der Fähre nach Marokko über. Unglaubliche Vorfreude auf Exotik kribbelt in meinem Magen, während ich eigentlich das Gefühl habe, schon genug für einen Urlaub erlebt zu haben. Ursprünglich war Spanien für mich der „Weg zum Ziel“ Marokko, aber in diesen – viel zu wenigen – Tagen habe ich das Land von einer neuen Seite kennengelernt, mich in Andalusien verliebt und meine Leidenschaft für Sprachen wieder entflammt. Hier war ich definitiv nicht zum letzten Mal!

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