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Studentenleben live

Zu jung fürs Studium?

Autor:
Noelle

Rubrik:
studium

10.11.2015

Für Studierende der höheren Semester kann die Zeit der Orientierungsphase, die hier in Göttingen drei Wochen andauert, gleichermaßen belustigend, aber auch nervig sein. Überall treffe ich auf aufgeregte Erstis. Gegen die 17- und 18-Jährigen komme ich mir fast vor wie eine alte Oma. Trotzdem beneide ich die Neuen nicht.

Wenn ich auf die letzten drei Jahre zurückblicke, muss ich sagen, dass ich ziemlich zufrieden damit bin, mein Abitur noch in 13 Jahren Schule gemacht zu haben. Als ich fertig war, war ich 19 Jahre alt und obwohl ein oder zwei Jahre Altersunterschied nicht gerade die Welt sind, kann ich mir nicht vorstellen, dass ich das Ganze mit 17 oder 18 genauso gut hinbekommen hätte. Nach meinen ersten zwei Semestern in Bonn entschied ich mich dazu, meiner Heimat wieder ein bisschen näher zu kommen und zog gemeinsam mit drei Freundinnen nach Göttingen. Klar, es ist immer aufregend, etwas Neues von der Welt zu sehen und Bonn ist wirklich eine wunderschöne Stadt, in der mir mein Studium auch immer Spaß gemacht hat. Trotzdem habe ich meine Entscheidung bis heute nicht bereut.

Als ich vergangene Woche in Frankfurt auf der Buchmesse war, traf ich abends an der Fernbushaltestelle zwei Jungs, die ebenfalls auf dem Weg nach Göttingen waren. Die beiden, die im Sommer gerade erst ihr Abitur gemacht haben, fangen nun an der Georg-August-Universität an zu studieren. Für mich war es ein tolles Gefühl, mein Wissen an die beiden Erstis weitergeben zu können, das ich während meiner Zeit in Göttingen gesammelt habe. Gleichzeitig fragte ich mich aber auch, wie sie ihren Unistart meistern und ob sie ihr Zuhause vermissen würden.

Heute bin ich froh, dass meine Heimatstadt nur eine halbe Zug- oder Autostunde entfernt liegt. Der Gedanke, jemals wieder weiter von meinem gewohnten Umfeld getrennt zu sein, macht mir keine Angst – schließlich kann ich nicht wissen, wohin es mich in Zukunft verschlägt –, aber gefallen tut er mir trotzdem nicht. Für mich war es genau das Richtige, nach Göttingen zu ziehen. Hier habe ich mein eigenes Leben, das ich mit neuen und alten Freunden jeden Tag aufs Neue gestalten kann. Trotzdem kann ich jederzeit nach Hause fahren, sollte ich eine Hühnersuppe von Mama oder einfach nur mal eine Umarmung brauchen. Ich denke, am Ende ist das keine Frage des Alters, aber ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es für mich zu früh gewesen wäre, mit 17 Jahren das heimische Nest endgültig zu verlassen.

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