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Studentenleben live

Eine russisch-orthodoxe Taufe

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

13.11.2015

Vergangenes Wochenende war ich zu einer Taufe in Stuttgart eingeladen. Zwar liegt das von Freiburg aus gesehen nicht gerade um die Ecke, aber ich war noch nie zuvor bei einer Taufe und bei einer russisch-orthodoxen erst recht nicht. Es gab eine lange Zeremonie mit vielen Gesängen, Weihrauch und dem eigentlichen Highlight: dem Untertauchen des Kindes in heiligem Jordanwasser. Natürlich ist es schwierig, in unseren Breiten eine Schüssel voll Jordanwasser zu bekommen, aber immerhin ein paar Spritzer des heiligen Wassers konnte der Priester unter das (vermutlich) Stuttgarter Leitungswasser mischen. Danach wurde der kleine Täufling auch gefirmt. Das heißt, mit teuren Ölen gesalbt und dann mit einem Schwamm abgewaschen. Zu guter Letzt wurden ihm noch die ersten Haare abgeschnitten, um zu symbolisieren, dass er ab heute ein Sklave Christi sei, allen anderen gegenüber aber frei. Deshalb – so hat es der Priester für die vielen Gäste erklärt – waren ursprünglich bei einer orthodoxen Taufe die Eltern des Täuflings gar nicht anwesend, sondern haben den Kleinen erst nach der Zeremonie wieder in Empfang nehmen dürfen. Leider haben dem Kleinen weder Bad noch Salbung gefallen und er hat fast ohne Pause geweint. Aber wie soll er mit seinen zehn Wochen Lebenserfahrung auch verstehen, was plötzlich vor sich geht? Und eine erste Locke hatte er noch gar nicht, da musste dann die Taufpatin herhalten. Nach dem offiziellen Teil wurden kurzerhand Bierbänke und Tische in die Kirche getragen und es gab ein schönes gemeinsames Essen.

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