interaktiv

Studentenleben live

Bleib, und wir verändern was!

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

18.11.2015

Bleibeaktionen haben ja immer eher so etwas formelles – eine Art „Muss“, um den Professor zu bitten, dem Ruf an eine andere Uni doch nicht zu folgen und stattdessen an der eigenen Uni zu bleiben. Jedenfalls fühlte es sich bei den letzten Bleibeaktionen, bei denen ich mitgemacht habe, immer ein bisschen so an.

Die Bleibeaktion für unsere Familien- und Erbrechtsprofessorin erreichte allerdings ganz andere Dimensionen, denn sie ist eine unglaublich herzliche und nette Frau, die bei jeder Abendveranstaltung noch bis in die frühen Morgenstunden mit den Studenten redet. Bei ihr gehe ich nach der Vorlesung gerne nach vorne, um noch ein paar Fragen zu stellen. Mobiliarssachen- und Bereicherungsrecht wirken auf einmal einfach, weil sie es so strukturiert und leicht nachvollziehbar erklären kann. Es schien fast so, als wäre die Studentenschaft in eine kleine Schockstarre gefallen, als sie hörte, dass diese Professorin einen Ruf an eine andere Uni erhielt.

Doch darauf folgte der Beginn eines unglaublichen Engagements: Der Alumni-Verein machte ihr zu Ehren eine PowerPoint-Präsentation mit Fotos von ihren Vorlesungen und gemeinsamen Ausflügen. Die Studierendenvertretung organisierte „Hope“-Postkarten mit ihrem Foto darauf, auf die alle Studierenden schrieben, warum sie bleiben sollte, und die an Hunderten Luftballons angehängt den Weg in ihr Büro fanden. Der Jahrgang unter mir dichtete „Hamburg meine Perle“ passend auf die Vorlesungen mit der Professorin um. Aber die Krönung war eine „Ehe-Mediation“ zwischen der Studierendenschaft und der Professorin, in der Lösungswege gesucht wurden, um die „kriselnde Ehe“ wieder zu retten. Wir schlugen unter anderem vor, niemals wieder zu spät zu ihren Vorlesungen zu kommen.

So ganz glaubte niemand, dass sie bleiben würde, als sie uns als Dankeschön für unsere Aktionen zu Brezeln und Wein in einen Vorlesungsraum einlud. Und da stand sie im Kreis einer großen Schar an Studierenden, rang mit den Händen und beichtete, dass sie vor einer Ansprache wohl noch nie so nervös gewesen war wie vor dieser. Der erste Teil ihrer Ansprache hörte sich nach Abschied an – bis sie sagte, unsere neue Präsidentin hätte sie gebeten, zu bleiben, um zusammen etwas zu verändern. Da war es klar – sie bleibt, und alle brachen in Jubel aus! Unglaublich – so eine enge Beziehung zwischen Professorin und Studentenschaft habe ich noch nie gesehen. Da sieht man: Bleibeaktionen bringen doch etwas!

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