Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Studentenleben live

Vortragsmarathon

Ich weiß nicht, nach welchem Schema das abläuft, aber es gibt so ein paar Wochen, da reiht sich eine interessante Veranstaltung an die andere. Zeit finden, zum Jura studieren, wird da zu einer echten Herausforderung. Letzte Woche war so eine Woche.

Die erste Veranstaltung, die ich besuchte, hatte das Thema: Was ist eigentlich das islamische Strafrecht? Statt uns mit den Enteignungstheorien beim Diebstahl zu befassen, haben wir einen Einblick bekommen, wie das im islamischen Strafrecht funktioniert. Dem deutschen Strafrecht unbekannt gibt es hier zum Beispiel ein „Vergehen gegen Gott“ oder die Anwendung des Talionsprinzips, wobei Gleiches mit Gleichem vergolten werden kann. Einen hohen Stellenwert hat im islamischen Recht der Zeugennachweis, der im europäischen Recht nicht so hoch angesetzt wird. Für den Nachweis eines Straftatbestands werden zwei männliche Zeugen benötigt, wobei gegebenenfalls auch ein männlicher Zeuge durch zwei weibliche ersetzt werden kann.

Was habe ich aus dem Vortrag mitgenommen? Strafen wie Peitschenhiebe oder Hand abhacken, wie sie im Koran genannt sind, werden wegen des strengen islamischen Prozessrechts fast nie verhängt. Ein Diebstahl ist ein Vergehen gegen Gott, eine Körperverletzung aber nicht. Und unser Strafrecht aus dem 13. Jahrhundert ist für die praktische Anwendung heute ähnlich ungeeignet wie ein harsches islamisches Strafrecht.

Einen weiteren interessanten Vortrag gab es zur Eurokrise, sowohl aus juristischer als auch aus wirtschaftlicher Perspektive. Wie konnte Griechenland so viele Schulden anhäufen? Wie konnte aus einer Staatsschuldenkrise eine Eurokrise werden? Ein Wirtschaftsprofessor gab uns dabei Einblicke in die Fiskalpolitik Griechenlands; ein Europarechts-Professor machte die ungleiche Wirtschafts- und Währungsunion für die Krise verantwortlich, da die Währungsunion vollharmonisiert und im Zuständigkeitsbereich der Union liege, die Wirtschaftspolitik aber fast vollständig in den Händen der Mitgliedsstaaten bleibe. Die Dozenten gaben auch einen Ausblick: Wie sieht ein möglicher Ausweg aus? Euro-Austritt und weitere Hilfspakete finden beide Professoren nicht sehr vielversprechend. Ihrer Meinung nach wäre die richtige Rettung eine Bankenunion.

Für meine Völkerrechts-Klausur im Dezember waren diese Vorträge vielleicht nicht so förderlich, aber für meine Inspiration und Wissensgier auf jeden Fall.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Nov 20, 2015
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Nov 20, 2015

Studentenleben live

Rosensieg

Mit Poetry Slam bin ich das erste Mal in Kontakt gekommen, als wir in der Oberstufe in Deutsch darüber geredet haben. Ganz interessant, aber nicht wirklich mein Genre, war damals mein Fazit, daher habe ich das Thema erst einmal auf Eis gelegt. Doch vor zwei Jahren habe ich durch meine ebenfalls sprachverliebte engste Freundin wieder davon gehört. Wir schicken uns häufig Videos von Slam-Auftritten, die wir gut fanden, oder empfehlen uns gegenseitig einen Slammer. Irgendwie kam dadurch bei mir der Wunsch auf, selbst einmal auf einer Bühne zu stehen. Seitdem habe ich immer wieder versucht, irgendetwas zu schreiben, und mich beim Bonner Rosenkrieg anzumelden, dem hiesigen Poetry Slam.

Am letzten Sonntag im Oktober war es dann so weit. Ich stand im Nyx, der Poetry-Slam-Kneipe in Bonn, und wurde von Minute zu Minute aufgeregter. Ein bisschen Selbstvertrauen gab mir, dass einige meiner neuen Unifreunde im Publikum saßen und mir viel Glück wünschten. Dann begann schon die erste Runde. Als fünfte von sechs Teilnehmern trug ich einen Text vor, den ich geschrieben hatte, als meine Schwester nach Neuseeland geflogen war. Darin habe ich mit vielen Mathematik-Metaphern beschrieben, wie sehr ich sie vermisste. Es gab viel Applaus, meine Mathematiker-Freunde fanden den Text toll, aber die anderen Teilnehmer hatten auch gute Texte und am Ende war ich mehr als überwältigt, weil ich mit den meisten Stimmen ins Halbfinale gewählt worden war.

Mein zweiter Text war für mich vor allem ein symbolischer Abschluss mit meinem Exfreund, der gleichzeitig zum Denken anregen sollte. Es geht darum, dass jeder Mensch sein Päckchen zu tragen hat, es aber auch gut ist, wenn man Menschen hat, die in schweren Zeiten für einen da sind. Und wieder reichte es für die nächste Runde. Mein erster Poetry Slam und dann so ein Erfolg? Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Die ersten beiden Plätze qualifizieren sich für die Stadtmeisterschaft nächstes Jahr, von daher hatte ich quasi schon gewonnen und trug ganz locker meinen letzten Text vor, in dem ich mit verschiedenen Emotionen untermalt beschreibe, wie emotional inkompetent ich bin, weil ich meine Gefühle nicht zeigen kann.

Um es kurz zu machen: Ich habe tatsächlich den Poetry Slam gewonnen! Ob ich im November erneut antrete, um meinen Sieg zu verteidigen, weiß ich noch nicht, momentan tue ich mich nämlich schwer mit dem Schreiben. Gerade fühlt es sich allerdings toll an, so viel positive Rückmeldung bekommen zu haben und wenn ich es schaffe, neue Texte zu produzieren, will ich sie gerne noch einmal auf einer Bühne vortragen.

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Nov 19, 2015
Autor: Janna
Rubrik: studium
Nov 19, 2015

Studentenleben live

Bleib, und wir verändern was!

Bleibeaktionen haben ja immer eher so etwas formelles – eine Art „Muss“, um den Professor zu bitten, dem Ruf an eine andere Uni doch nicht zu folgen und stattdessen an der eigenen Uni zu bleiben. Jedenfalls fühlte es sich bei den letzten Bleibeaktionen, bei denen ich mitgemacht habe, immer ein bisschen so an.

Die Bleibeaktion für unsere Familien- und Erbrechtsprofessorin erreichte allerdings ganz andere Dimensionen, denn sie ist eine unglaublich herzliche und nette Frau, die bei jeder Abendveranstaltung noch bis in die frühen Morgenstunden mit den Studenten redet. Bei ihr gehe ich nach der Vorlesung gerne nach vorne, um noch ein paar Fragen zu stellen. Mobiliarssachen- und Bereicherungsrecht wirken auf einmal einfach, weil sie es so strukturiert und leicht nachvollziehbar erklären kann. Es schien fast so, als wäre die Studentenschaft in eine kleine Schockstarre gefallen, als sie hörte, dass diese Professorin einen Ruf an eine andere Uni erhielt.

Doch darauf folgte der Beginn eines unglaublichen Engagements: Der Alumni-Verein machte ihr zu Ehren eine PowerPoint-Präsentation mit Fotos von ihren Vorlesungen und gemeinsamen Ausflügen. Die Studierendenvertretung organisierte „Hope“-Postkarten mit ihrem Foto darauf, auf die alle Studierenden schrieben, warum sie bleiben sollte, und die an Hunderten Luftballons angehängt den Weg in ihr Büro fanden. Der Jahrgang unter mir dichtete „Hamburg meine Perle“ passend auf die Vorlesungen mit der Professorin um. Aber die Krönung war eine „Ehe-Mediation“ zwischen der Studierendenschaft und der Professorin, in der Lösungswege gesucht wurden, um die „kriselnde Ehe“ wieder zu retten. Wir schlugen unter anderem vor, niemals wieder zu spät zu ihren Vorlesungen zu kommen.

So ganz glaubte niemand, dass sie bleiben würde, als sie uns als Dankeschön für unsere Aktionen zu Brezeln und Wein in einen Vorlesungsraum einlud. Und da stand sie im Kreis einer großen Schar an Studierenden, rang mit den Händen und beichtete, dass sie vor einer Ansprache wohl noch nie so nervös gewesen war wie vor dieser. Der erste Teil ihrer Ansprache hörte sich nach Abschied an – bis sie sagte, unsere neue Präsidentin hätte sie gebeten, zu bleiben, um zusammen etwas zu verändern. Da war es klar – sie bleibt, und alle brachen in Jubel aus! Unglaublich – so eine enge Beziehung zwischen Professorin und Studentenschaft habe ich noch nie gesehen. Da sieht man: Bleibeaktionen bringen doch etwas!

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Nov 18, 2015
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Nov 18, 2015