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Studentenleben live

Vortragsmarathon

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

20.11.2015

Ich weiß nicht, nach welchem Schema das abläuft, aber es gibt so ein paar Wochen, da reiht sich eine interessante Veranstaltung an die andere. Zeit finden, zum Jura studieren, wird da zu einer echten Herausforderung. Letzte Woche war so eine Woche.

Die erste Veranstaltung, die ich besuchte, hatte das Thema: Was ist eigentlich das islamische Strafrecht? Statt uns mit den Enteignungstheorien beim Diebstahl zu befassen, haben wir einen Einblick bekommen, wie das im islamischen Strafrecht funktioniert. Dem deutschen Strafrecht unbekannt gibt es hier zum Beispiel ein „Vergehen gegen Gott“ oder die Anwendung des Talionsprinzips, wobei Gleiches mit Gleichem vergolten werden kann. Einen hohen Stellenwert hat im islamischen Recht der Zeugennachweis, der im europäischen Recht nicht so hoch angesetzt wird. Für den Nachweis eines Straftatbestands werden zwei männliche Zeugen benötigt, wobei gegebenenfalls auch ein männlicher Zeuge durch zwei weibliche ersetzt werden kann.

Was habe ich aus dem Vortrag mitgenommen? Strafen wie Peitschenhiebe oder Hand abhacken, wie sie im Koran genannt sind, werden wegen des strengen islamischen Prozessrechts fast nie verhängt. Ein Diebstahl ist ein Vergehen gegen Gott, eine Körperverletzung aber nicht. Und unser Strafrecht aus dem 13. Jahrhundert ist für die praktische Anwendung heute ähnlich ungeeignet wie ein harsches islamisches Strafrecht.

Einen weiteren interessanten Vortrag gab es zur Eurokrise, sowohl aus juristischer als auch aus wirtschaftlicher Perspektive. Wie konnte Griechenland so viele Schulden anhäufen? Wie konnte aus einer Staatsschuldenkrise eine Eurokrise werden? Ein Wirtschaftsprofessor gab uns dabei Einblicke in die Fiskalpolitik Griechenlands; ein Europarechts-Professor machte die ungleiche Wirtschafts- und Währungsunion für die Krise verantwortlich, da die Währungsunion vollharmonisiert und im Zuständigkeitsbereich der Union liege, die Wirtschaftspolitik aber fast vollständig in den Händen der Mitgliedsstaaten bleibe. Die Dozenten gaben auch einen Ausblick: Wie sieht ein möglicher Ausweg aus? Euro-Austritt und weitere Hilfspakete finden beide Professoren nicht sehr vielversprechend. Ihrer Meinung nach wäre die richtige Rettung eine Bankenunion.

Für meine Völkerrechts-Klausur im Dezember waren diese Vorträge vielleicht nicht so förderlich, aber für meine Inspiration und Wissensgier auf jeden Fall.

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