interaktiv

Studentenleben live

Die Gretchenfrage im Advent

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

22.12.2015

Alle Jahre wieder kommt das Christuskind und mit ihm der Geschenkestress. Und jedes Jahr überlege ich, ob es nicht besser wäre, diesem Konsumwahn irgendwie zu entkommen. Ich könnte für alle Verwandten und Freunde Geschenke selbst basteln – wenn ich etwas mehr künstlerische Begabung hätte, wäre das vielleicht eine Option. Aber meist scheitert diese Variante sowieso an Zeitmangel, Begabung hin oder her. Also doch lieber durch die Kaufhäuser rennen oder den virtuellen Markt im Internet durchstöbern? Oder doch einfach einen Gutschein besorgen?

Es soll ja Familien geben, in denen alle beschlossen haben, sich nichts mehr zu schenken, sondern lieber zu spenden. Sei es nun ans lokale Tierheim, UNICEF oder krebskranke Kinder. Alle können das Geld besser gebrauchen als wir, da wir uns ja alles Nötige kaufen können. Und außerdem werden viele Studierende das ganze Jahr über von ihren Eltern finanziell unterstützt, das ist doch dann schon Geschenk genug.

Diese Einstellung ist einerseits sehr vorbildlich: lieber an andere denken, die wirklich bedürftig sind, statt Dinge zu kaufen, die niemand braucht. Am wenigsten der oder die Beschenkte. Jeder kennt diese gut gemeinten, aber völlig unpassenden Geschenke. Damit wäre ein für alle Mal Schluss. Und gleichzeitig könnte man eine schöne ruhige Adventszeit haben, so wie sie eigentlich gedacht ist.

Es gibt bestimmt Menschen, die sich von allen Trends losmachen und nach diesen Prinzipien leben. Trotzdem werde ich den Verdacht nicht los, dass bei vielen Bescherungsverweigerern weder die Barmherzigkeit und die Besinnlichkeit in der Adventszeit noch die Kritik an der Konsumgesellschaft der eigentliche Grund für die Enthaltsamkeit sind. Ich finde, vielmehr handelt es sich dabei einfach oft nur um Faulheit. Viele haben keine Lust, sich rechtzeitig überlegen zu müssen, womit man jemandem eine Freude machen könnte. Sie machen stattdessen allen, die sich Gedanken um ihre Mitmenschen machen und Geschenke kaufen, ein schlechtes Gewissen.

Vielleicht macht es diesen Menschen aber einfach auch keinen Spaß zu schenken. Schade eigentlich, denn wenn man etwas gefunden hat, worüber sich die andere Person freut, dann kann Schenken wirklich schön sein. Und Dinge geschenkt zu bekommen eigentlich auch.

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