interaktiv

Studentenleben live

Auch mal Gutes tun

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

08.01.2016

Weihnachten ist vorbei und damit auch die Weihnachtsansprachen und Predigten, in denen zu Engagement für Flüchtlinge aufgerufen wurde. Trotzdem nagte immer noch das schlechte Gewissen an mir, dass so viele Menschen helfen, wo sie nur können, während ich nichts tue. Andererseits habe ich mindestens genauso viele ernüchternde Geschichten von Menschen gehört, die helfen wollten, deren Engagement aber völlig ins Leere lief. Zum Beispiel würden in manchen Unterkünften auf einen Flüchtling fünf Freiwillige kommen, die sich gegenseitig auf die Füße treten, Menschen würden Kuscheltiere und Spielzeug spenden und die Heime nicht mehr wissen, wohin damit. Viele Leute würden kostenlose Sprachkurse anbieten, zu denen aber niemand komme. In eine „Aktionismusfalle“ wollte ich nicht tappen. Die meisten Flüchtlingsunterkünfte sind sehr gut organisiert, haben Onlinekalender, in welche sich Helfer für Schichten eintragen können und Bedarfslisten, die laufend aktualisiert werden. Es gibt also keinen Grund, nicht auch mal einen Nachmittag zu investieren und etwas Gutes zu tun.

Das dachten sich mein Bruder, seine Freundin und ich. Wir hatten uns für die Spendenannahme in einem Wohnheim am anderen Ende Berlins eingetragen, weil die in der Nähe schon genug Freiwillige hatten. Dort angekommen teilte uns die Koordinatorin barsch mit, dass die Spendenannahme nun wirklich schon voll wäre, und sie dort partout niemanden mehr gebrauchen könnten. Im Internetkalender waren aber noch drei Plätze frei, selbst nachdem wir uns eingetragen hatten. Doch eine andere freiwillige Mitarbeiterin, mit mehr Menschenkenntnis hat uns flux eine andere Aufgabe zugewiesen: Unser Job war es, das Nähzimmer einzurichten und die Stoffe, die gespendet wurden, zu sortieren.

Am Ende hatten wir ein passables Ergebnis und einen gut sortierten Raum. Trotzdem blieben natürlich einige Fragen offen: Wer sollte hier eigentlich für wen nähen? Es gibt wohl unter den Bewohnern einige gelernte Schneider – interessanter Weise nur Männer – aber werden sie für sich selbst nähen, oder um ihre Produkte zu verkaufen? Wie viele Leute wollen den Raum überhaupt nutzen? Es standen circa 20 funktionstüchtige Nähmaschinen bereit. Platz zum Arbeiten war aber höchstens für zehn bis 15 Personen. Das alles werde ich vermutlich nie erfahren und vielleicht ist es auch besser so. Immerhin habe ich mal ein Flüchtlingswohnheim von innen gesehen und wenigstens die Illusion, ein bisschen geholfen zu haben.

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