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Studentenleben live

Improvisation

Autor:
Mila

Rubrik:
studium

12.01.2016

Was heißt denn eigentlich Improvisation bei Tänzern? Klar, von Musikern kennt man das. Von Schauspielern auch. Aber bei Tänzern? Macht da einfach jeder, was er will? Oder ist das auch einstudiert? Das waren so typische Fragen, die sich mir nach meiner ersten öffentlichen Improvisationsveranstaltung an der Kunsthochschule in Köln stellten.

Im zweiten Semester war ich Teil eines Projekts mit der Bezeichnung „Ad Hoc“, was wörtlich übersetzt „hierfür“ bedeutet, für uns aber eher im Sinne von „aus dem Stegreif“. Es war ein begleitendes Wahlfach. Wie ich schon erklärte, war im Tanzstudium fast jede Veranstaltung im Stundenplan vorgegeben. Aussuchen konnte ich mir nur die Wahlfächer, die aber eine begrenzte Teilnehmerzahl hatten. Das Angebot war sehr vielfältig: Es gab Gesang, Pilates, Feldenkrais und Alexandertechnik (Entspannungs- und Körperbewusstseinsmethoden), Spitzentanz (das mit den typischen Ballett-Spitzenschuhen) oder eben Improvisation.

Das Besondere an Improvisation waren die Zusammenarbeit mit den Musikstudierenden der Hochschule und die Kooperation mit Kunststudierenden, die sich auf Videoproduktion spezialisiert hatten. Wir probten zusammen mit den Musikern bei uns im Zentrum; die Aufführungen fanden an der Kunsthochschule statt, wurden dort gefilmt und live übertragen.

Die Proben sahen wie folgt aus: Zunächst experimentierten wir in Kleingruppen, da die Musiker ein Gespür für unsere Bewegungen und wir Tänzer eines vom Klang der verschiedenen Instrumente bekommen sollten. Hierfür – und so ist es meistens bei einer Improvisation – erhielten wir von den Projektleitern immer bestimmte Regeln. Man kann sich das vorstellen wie einen Spielplan. Die Regeln konnten unterschiedlichster Natur sein: ein bestimmter Partner, Impulse geben oder der Musik folgen, immer nur stehen oder gehen, alle auf der gleichen Beckenhöhe sein, kopieren und modulieren oder bestimmte Requisiten auf eine definierte Art nutzen wie zum Beispiel einen Stuhl.

Die Regeln schufen einen Rahmen, in dem wir uns ausprobieren und kennenlernen sollten. Dabei ergaben sich „Situationen“, in denen wir spontan gemeinsam choreographierten. Es war also nichts vorher einstudiert und so schufen wir bei jeder Aufführung ein neues Stück.

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