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Studentenleben live

Text on 9 Keys

„Sehen wir uns morgen um zwölf Uhr?“ – „Ja, passt, freie mich! Risse“ So, oder so ähnlich sahen bei mir schon manche Nachrichten aus, die ich per Sofortnachrichtendienst mit meinem Handy verschickt habe. Dabei wollte ich meine Freunde weder dazu auffordern, mich zu heiraten, noch haben meine Eltern mir den nicht gerade schmeichelhaften Namen „Risse“ gegeben. Die Autokorrektur funktioniert einfach nicht gut und schlägt mir lauter Blödsinn vor, den ich nie schreiben wollte. Welche Nutzer schreiben denn von Rissen?

Am Anfang kannte mein Telefon auch keine zweite Person. „Du kommst“ oder „ihr kommt“ hielt es für falsch. Dabei müssten doch auch die Entwicklerinnen und Entwickler wissen, dass man im Deutschen konjugieren muss. Oder dass es zumindest ein gewisses Zielpublikum gibt, das in seinen Nachrichten noch konjugieren will. Vielleicht ist das inzwischen eine aussterbende Spezies?

Warum, frage ich mich, ist mein intelligentes Telefon eigentlich genauso unwissend wie mein altes? Früher – in den Zeiten ohne Smartphone – habe ich häufiger Nachrichten verschickt wie: „Ich süd dich später an. Viele Grüße Pore“ Wahlweise auch „Viele Grüße Soße“. Und habe mich nachher furchtbar aufgeregt. Wer bitteschön will denn von „Poren“ schreiben? Wieso schreibt das Gerät dieses lächerliche Wort? Mein neues Telefon will von Löchlein in der Haut, Gott sei Dank, nichts mehr wissen. Warum eigentlich nicht? Natürlich! Ich habe ja kein T9 mehr!

T9 oder auch „Text on 9 Keys“ – kennt ihr das noch? Endlich musste man bei meinem Namen nicht mehr 777-666-7777-33 drücken – das dauerte ja Stunden – sondern schlicht 7673. Eine tolle Erfindung damals, doch für heutige Handys völlig überflüssig. Auch ich musste kurz nachdenken, bevor mir wieder eingefallen ist, welcher Buchstabe auf welcher Zahl liegt. Und diejenigen, die etwas jünger sind als ich, kennen vermutlich nicht mal das Problem, geschweige denn die Lösung. Ja, das gute alte T9. Lange habe ich nicht mehr daran gedacht, ihm konnte man sogar etwas beibringen. Und es gab Rätsel, in denen nur die Zahlen abgedruckt waren und man sich kombinieren sollte, was sich wohl für eine mit T9 geschriebene Nachricht dahinter verbergen könnte. Schade, dass es die nicht mehr gibt.

Vielleicht werden sich zukünftige Generationen nicht nur fragen, was eigentlich T9 ist, sondern auch, warum wir nicht einfach nur Sprachnachrichten verschicken. Diese Audiobotschaften haben zwar ungefähr so viel Charme, wie die Nachrichten früher auf dem Anrufbeantworter, dafür schickt man keine ungewollten Heiratsanträge.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Feb 3, 2016
Autor: Rose
Rubrik: studium
Feb 3, 2016

Studentenleben live

Ich glaub, mich tritt ein Pferd!

„Caesar ist ein fünfjähriges Pferd. Seine ersten Lebensjahre hat er in Ausbildung verbracht, aber jetzt soll er als erfolgreiches Springpferd sein Können im ‚richtigen Leben‘ unter Beweis stellen. Käuferin K erwirbt ihn auf einer Auktion und findet Caesar richtig toll. Einziges Problem: Caesar leidet an einem unbehebbaren Mangel. Während seiner Ausbildung zum Springpferd wurde ein Wassergraben, über den er springen sollte, versehentlich unter Strom gesetzt. Seitdem leidet Caesar an einer unheilbaren Angst vor Wassergräben. Sein bestimmungsgemäßer Gebrauch als Springpferd ist damit aufgehoben. Welche Rechte hat K?“

Und da soll jemand sagen, Jura wäre trocken! Selten habe ich bei einer Sachverhaltsanalyse so sehr gelacht. So stellt sich hier zunächst einmal die Frage, ob Caesar eine „gebrauchte Sache“ ist. Ja, Caesar ist gemäß Paragraph 90a des BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) wie eine Sache zu behandeln. Aber wann zur Hölle sind Tiere „gebraucht“? Es genügt wohl nicht, dass ein Tier „jung“ ist (also laut einschlägiger Literatur seine Geschlechtsreife noch nicht erreicht hat). Der Bundesgerichtshof hat befunden, dass ein Tier dann „neu“ ist, wenn es nur „mit dem in seiner Existenz wurzelnden Lebens- und Gesundheitsrisiko behaftet ist, nicht aber mit dem typischerweise durch Gebrauch entstehenden“.

Wahnsinn, auf welche Fragen des Lebens Jura Antworten gibt. Gemäß Paragraph 962 Satz 2 BGB darf der Eigentümer eines Bienenschwarms zum Zwecke des Einfangens die Wohnung (der Bienen natürlich) öffnen, wenn der Schwarm in eine fremde Bienenwohnung eingezogen ist. Laut Paragraph 923 Absatz 1 BGB gehören die von einem Grenzbaum fallenden Früchte den Nachbarn zu gleichen Teilen – das gilt gemäß Absatz 3 übrigens auch für Sträucher. Und nach Paragraph 1314 Absatz 2 Satz 1 BGB darf eine Ehe aufgehoben werden, wenn sich ein Ehegatte bei der Eheschließung im Zustand der Bewusstlosigkeit befand. Was im Leben so alles zu regeln ist.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Feb 2, 2016
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Feb 2, 2016

Studentenleben live

Prüfungszeit

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich Prüfungsstress hasse? Auch jetzt tue ich das. Draußen ist es dunkel und ich sitze total erschöpft über meinen Lernmaterialien. Morgen werde ich wieder gegen sieben Uhr aufstehen, meine Sachen packen und dann, wenn alles gut geht, in einer zwei Stunden entfernten Stadt meine zweite Klausur in diesem Semester antreten. Diesmal ist es „Medical Geochemistry“. Es ist die zweite von insgesamt sieben Klausuren, die ich in diesem Semester ablegen möchte. Mir graut es jetzt schon vor der kommenden Woche, wo ich an einem Tag vormittags eine Klausur in „Russisch“ und mittags eine in „Atmosphärische Aerosole“ schreiben muss.

Ach es ist doch ein Graus mit diesen Noten! Eigentlich bin ich generell eine motivierte Studentin, auch wenn es ums Lernen geht. Aber heute Morgen sind die Ergebnisse meiner ersten Prüfung in Kryptogamen (wir nennen es den Mooskurs) reingeflattert. Als ich dann sah, dass 20 Prozent der Teilnehmer durchgefallen sind und meine Note weit unter dem lag, was ich mir erhofft oder dachte erarbeitet zu haben, war ich doch sehr enttäuscht. Mir liegt die Botanik und damit auch der „Mooskurs“ thematisch am Herzen und diese schlechte Note hat mir in dieser stressigen Prüfungszeit ziemlich die Laune verdorben.

Irgendwie setzen mich Noten einfach unter Druck – und unter Druck konnte ich noch nie gut arbeiten. Mein Mann musste heute Abend schon viel Motivationsarbeit leisten, damit ich mich wieder frohen Mutes in meinen Lernpfuhl setzen konnte. Um mich herum scharen sich Definitionen und Symptombeschreibungen bei Hyper- oder Hypoversorgungen dieses und jenes Elements zusammen: Bei Selenmangel kommt es nämlich beispielsweise zur sogenannten Kaschin-Beck-Krankheit, eine Osteoporose kombiniert mit Zwergenwuchs, oder aber zur Kaschin-Krankheit, was wohl nur Herzinsuffizienz bedeuten würde. Es nervt mich, dass ich das alles nicht so ganz genau weiß und bis morgen auch definitiv nicht wissen werde. Ich hoffe also, mein gut platziertes Halbwissen reicht für ein Bestehen aus und der Prüfungsstress frisst mich nicht noch ganz auf. Viel Kraft allen da draußen, die auch am Stress beim Lernen zu knabbern haben. Wir schaffen das!

Autor: Mia  |  Rubrik: studium  |  Feb 1, 2016
Autor: Mia
Rubrik: studium
Feb 1, 2016