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Studentenleben live

Ich glaub, mich tritt ein Pferd!

„Caesar ist ein fünfjähriges Pferd. Seine ersten Lebensjahre hat er in Ausbildung verbracht, aber jetzt soll er als erfolgreiches Springpferd sein Können im ‚richtigen Leben‘ unter Beweis stellen. Käuferin K erwirbt ihn auf einer Auktion und findet Caesar richtig toll. Einziges Problem: Caesar leidet an einem unbehebbaren Mangel. Während seiner Ausbildung zum Springpferd wurde ein Wassergraben, über den er springen sollte, versehentlich unter Strom gesetzt. Seitdem leidet Caesar an einer unheilbaren Angst vor Wassergräben. Sein bestimmungsgemäßer Gebrauch als Springpferd ist damit aufgehoben. Welche Rechte hat K?“

Und da soll jemand sagen, Jura wäre trocken! Selten habe ich bei einer Sachverhaltsanalyse so sehr gelacht. So stellt sich hier zunächst einmal die Frage, ob Caesar eine „gebrauchte Sache“ ist. Ja, Caesar ist gemäß Paragraph 90a des BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) wie eine Sache zu behandeln. Aber wann zur Hölle sind Tiere „gebraucht“? Es genügt wohl nicht, dass ein Tier „jung“ ist (also laut einschlägiger Literatur seine Geschlechtsreife noch nicht erreicht hat). Der Bundesgerichtshof hat befunden, dass ein Tier dann „neu“ ist, wenn es nur „mit dem in seiner Existenz wurzelnden Lebens- und Gesundheitsrisiko behaftet ist, nicht aber mit dem typischerweise durch Gebrauch entstehenden“.

Wahnsinn, auf welche Fragen des Lebens Jura Antworten gibt. Gemäß Paragraph 962 Satz 2 BGB darf der Eigentümer eines Bienenschwarms zum Zwecke des Einfangens die Wohnung (der Bienen natürlich) öffnen, wenn der Schwarm in eine fremde Bienenwohnung eingezogen ist. Laut Paragraph 923 Absatz 1 BGB gehören die von einem Grenzbaum fallenden Früchte den Nachbarn zu gleichen Teilen – das gilt gemäß Absatz 3 übrigens auch für Sträucher. Und nach Paragraph 1314 Absatz 2 Satz 1 BGB darf eine Ehe aufgehoben werden, wenn sich ein Ehegatte bei der Eheschließung im Zustand der Bewusstlosigkeit befand. Was im Leben so alles zu regeln ist.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Feb 2, 2016
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Feb 2, 2016

Studentenleben live

Prüfungszeit

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich Prüfungsstress hasse? Auch jetzt tue ich das. Draußen ist es dunkel und ich sitze total erschöpft über meinen Lernmaterialien. Morgen werde ich wieder gegen sieben Uhr aufstehen, meine Sachen packen und dann, wenn alles gut geht, in einer zwei Stunden entfernten Stadt meine zweite Klausur in diesem Semester antreten. Diesmal ist es „Medical Geochemistry“. Es ist die zweite von insgesamt sieben Klausuren, die ich in diesem Semester ablegen möchte. Mir graut es jetzt schon vor der kommenden Woche, wo ich an einem Tag vormittags eine Klausur in „Russisch“ und mittags eine in „Atmosphärische Aerosole“ schreiben muss.

Ach es ist doch ein Graus mit diesen Noten! Eigentlich bin ich generell eine motivierte Studentin, auch wenn es ums Lernen geht. Aber heute Morgen sind die Ergebnisse meiner ersten Prüfung in Kryptogamen (wir nennen es den Mooskurs) reingeflattert. Als ich dann sah, dass 20 Prozent der Teilnehmer durchgefallen sind und meine Note weit unter dem lag, was ich mir erhofft oder dachte erarbeitet zu haben, war ich doch sehr enttäuscht. Mir liegt die Botanik und damit auch der „Mooskurs“ thematisch am Herzen und diese schlechte Note hat mir in dieser stressigen Prüfungszeit ziemlich die Laune verdorben.

Irgendwie setzen mich Noten einfach unter Druck – und unter Druck konnte ich noch nie gut arbeiten. Mein Mann musste heute Abend schon viel Motivationsarbeit leisten, damit ich mich wieder frohen Mutes in meinen Lernpfuhl setzen konnte. Um mich herum scharen sich Definitionen und Symptombeschreibungen bei Hyper- oder Hypoversorgungen dieses und jenes Elements zusammen: Bei Selenmangel kommt es nämlich beispielsweise zur sogenannten Kaschin-Beck-Krankheit, eine Osteoporose kombiniert mit Zwergenwuchs, oder aber zur Kaschin-Krankheit, was wohl nur Herzinsuffizienz bedeuten würde. Es nervt mich, dass ich das alles nicht so ganz genau weiß und bis morgen auch definitiv nicht wissen werde. Ich hoffe also, mein gut platziertes Halbwissen reicht für ein Bestehen aus und der Prüfungsstress frisst mich nicht noch ganz auf. Viel Kraft allen da draußen, die auch am Stress beim Lernen zu knabbern haben. Wir schaffen das!

Autor: Mia  |  Rubrik: studium  |  Feb 1, 2016
Autor: Mia
Rubrik: studium
Feb 1, 2016

Studentenleben live

Zwischen Ruinen und Croissants

Als ich in den Sommersemesterferien nach Hause zu meinen Eltern kam, stand der Wagen, mit dem ich weiter nach Frankreich fahren wollte, schon vor der Tür. Mein Bruder und ich teilten uns den roten Opel, der schon über zehn Jahre auf dem Buckel hatte. Er hatte vorher einem Autoliebhaber gehört und war noch gut in Schuss. Meine Eltern stifteten uns den roten Schlitten zu unseren Abiturabschlüssen. Da mein Bruder, der ein Jahr älter ist als ich, nach dem Abitur zunächst jedoch ein Jahr lang Zivildienst in der Nähe ableistete, konnten wir uns den Wagen das erste Jahr gerecht teilen. Als ich nach Köln zog, verschlug es meinen Bruder auf die andere Seite der Bundesrepublik: nach Dresden. Damit war es aus mit dem „gerechten“ Teilen, der kleine Rote fuhr mit in den Osten. Dementsprechend freute ich mich sehr darüber, dass wir uns einig geworden waren und ich den Wagen im Sommer für mich beanspruchen „durfte“.

Gemeinsam mit meinem Freund wollte ich der Nase nach in den Süden Frankreichs fahren. Die ersten Tage verbrachten wir mit einkaufen und packen. Was man nicht alles für einen wilden, nicht durchgeplanten Urlaub im Auto braucht! Jede Menge Proviant, eine Straßenkarte, oder besser zwei, ein Zelt, Camping- Ausrüstung sowie natürlich Kleidung, eine Kamera, ein gutes Buch und ein Büchlein zum Aufschreiben von Erinnerungen. Wir gönnten uns dazu noch eine Kühltruhe, die man im Auto laden konnte. Als alles gepackt war, machten wir uns auf den Weg. Ganz grob hatten wir uns überlegt: östlich in den Süden und dann etwas westlicher wieder gen Norden zu fahren, möglicherweise sogar über Paris. Eigentlich klang dieses „planlose“ Abenteuer für mich nach jeder Menge Spaß und Spannung, aber schon nach zwei Tagen, an denen wir nur darüber diskutierten, welche Strecke wir fahren und vor allem wann und wo wir anhalten sollten, verwarfen wir die grenzenlose Freiheit und tüftelten doch einen Plan aus.

Am dritten Tag waren wir schon auf der Höhe von Lyon angekommen, nachdem wir in Verdun und Beaune angehalten und durch die Weinregion auf der Landstraße getuckelt waren. Ziel war nun der tiefe Süden, wo der Onkel meines Freundes in einer kleinen Siedlung in den Bergen wohnt. In den Berghängen gab es zehn alte Steinhäuser, die früher von Hirten bewohnt worden waren und in denen nun eine gemütliche Hippie-Gemeinschaft ihr Nest aufgebaut hatte. Dort verbrachten wir eineinhalb Wochen, spielten Boule, planschten im Pool, aßen französische Köstlichkeiten und ließen vollends die Seele baumeln.

Autor: Mila  |  Rubrik: studium  |  Jan 26, 2016
Autor: Mila
Rubrik: studium
Jan 26, 2016