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Studentenleben live

Text on 9 Keys

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

03.02.2016

„Sehen wir uns morgen um zwölf Uhr?“ – „Ja, passt, freie mich! Risse“ So, oder so ähnlich sahen bei mir schon manche Nachrichten aus, die ich per Sofortnachrichtendienst mit meinem Handy verschickt habe. Dabei wollte ich meine Freunde weder dazu auffordern, mich zu heiraten, noch haben meine Eltern mir den nicht gerade schmeichelhaften Namen „Risse“ gegeben. Die Autokorrektur funktioniert einfach nicht gut und schlägt mir lauter Blödsinn vor, den ich nie schreiben wollte. Welche Nutzer schreiben denn von Rissen?

Am Anfang kannte mein Telefon auch keine zweite Person. „Du kommst“ oder „ihr kommt“ hielt es für falsch. Dabei müssten doch auch die Entwicklerinnen und Entwickler wissen, dass man im Deutschen konjugieren muss. Oder dass es zumindest ein gewisses Zielpublikum gibt, das in seinen Nachrichten noch konjugieren will. Vielleicht ist das inzwischen eine aussterbende Spezies?

Warum, frage ich mich, ist mein intelligentes Telefon eigentlich genauso unwissend wie mein altes? Früher – in den Zeiten ohne Smartphone – habe ich häufiger Nachrichten verschickt wie: „Ich süd dich später an. Viele Grüße Pore“ Wahlweise auch „Viele Grüße Soße“. Und habe mich nachher furchtbar aufgeregt. Wer bitteschön will denn von „Poren“ schreiben? Wieso schreibt das Gerät dieses lächerliche Wort? Mein neues Telefon will von Löchlein in der Haut, Gott sei Dank, nichts mehr wissen. Warum eigentlich nicht? Natürlich! Ich habe ja kein T9 mehr!

T9 oder auch „Text on 9 Keys“ – kennt ihr das noch? Endlich musste man bei meinem Namen nicht mehr 777-666-7777-33 drücken – das dauerte ja Stunden – sondern schlicht 7673. Eine tolle Erfindung damals, doch für heutige Handys völlig überflüssig. Auch ich musste kurz nachdenken, bevor mir wieder eingefallen ist, welcher Buchstabe auf welcher Zahl liegt. Und diejenigen, die etwas jünger sind als ich, kennen vermutlich nicht mal das Problem, geschweige denn die Lösung. Ja, das gute alte T9. Lange habe ich nicht mehr daran gedacht, ihm konnte man sogar etwas beibringen. Und es gab Rätsel, in denen nur die Zahlen abgedruckt waren und man sich kombinieren sollte, was sich wohl für eine mit T9 geschriebene Nachricht dahinter verbergen könnte. Schade, dass es die nicht mehr gibt.

Vielleicht werden sich zukünftige Generationen nicht nur fragen, was eigentlich T9 ist, sondern auch, warum wir nicht einfach nur Sprachnachrichten verschicken. Diese Audiobotschaften haben zwar ungefähr so viel Charme, wie die Nachrichten früher auf dem Anrufbeantworter, dafür schickt man keine ungewollten Heiratsanträge.

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