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Studentenleben live

Karnevalsmuffel

Eigentlich komme ich ja aus der Nähe der Karnevalshochburg Düsseldorf und meine neue Heimat Bonn ist Köln, der zweiten Karnevalshochburg ziemlich nah. Von daher sollte man eigentlich erwarten, dass ich von Weiberfastnacht bis Karnevalsdienstag feiere. Dem ist allerdings absolut nicht so. Zwar fallen einige Vorlesungen aus, dafür ist bei uns Studierenden lernen angesagt. Am Altweiber-Donnerstag haben wir zu viert den ganzen Nachmittag über bei einem Freund gesessen und uns mit Differentialrechnung und Ableitungen auseinandergesetzt. Den größten Kontakt mit verkleideten Menschen hatte ich, als ich abends mit der Straßenbahn zu einer Freundin fuhr, um nach dem ganzen Lernen wenigstens ein bisschen mit meinen Mädels den Tag ausklingen zu lassen.

Ehrlich gesagt kommt es mir aber ganz recht, dass karnevalsmäßig dieses Jahr nicht so viel los ist. Als Kind machte mir Karneval noch Spaß, aber „Erwachsenenkarneval“ sieht eher so aus, dass man sich zwischen verkleideten, alkoholisierten und zwanghaft fröhlichen Menschen wiederfindet, Musik läuft, die eher weniger mein Fall ist, und man dann wahrscheinlich noch in Streit gerät, ob es jetzt „Helau“ oder „Alaaf“ heißt. (Als Quasi-Düsseldorferin muss ich klarstellen: „Helau!“)

Am Karnevalswochenende waren zwei meiner besten Unifreunde sowieso nicht anwesend, weil sie ein Seminar für die Studienstiftung besuchten. Meine anderen Unifreunde waren auch relativ eingespannt in ihr Lernpensum und die paar Leute, die sich aufraffen konnten, doch der fünften Jahreszeit zu frönen, fuhren dafür eher in ihre Heimatstadt.

Ich jedenfalls nutze die Zeit, um Karteikarten zu schreiben, kommendes Wochenende ist schließlich die erste Klausur angesagt. Ein bisschen Lust, mich zu verkleiden, habe ich aber trotzdem: Wir gönnen wir uns am Rosenmontag eine etwas andere Karnevalssitzung – alle verkleidet, aber mit Mathesachen. In diesem Sinne: Helau!

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Feb 9, 2016
Autor: Janna
Rubrik: studium
Feb 9, 2016

Studentenleben live

Praktikum bei Papa

In den Semesterferien werde ich ein Praktikum machen. Mein bisher drittes insgesamt und mein erstes selbstorganisiertes. Dementsprechend hatte ich zum ersten Mal die Qual der Wahl, wohin ich eigentlich möchte. Einzige Vorgabe: Es soll eine Schule sein, an der ich zu Schülern mit Lernbehinderungen Kontakt haben werde. Viele meiner Kommilitonen machen dieses Praktikum einfach in der Umgebung, andere gehen wieder in ihre Heimatstadt zurück und wieder andere quartieren sich bei Freunden ein, die in einer tollen Stadt wohnen.

Ich dachte zuerst, ich müsste mich denjenigen anschließen, die einfach hier bleiben und versuchen, möglichst wohnortnah in einer Schule unterzukommen. Schulen für lernbehinderte Kinder gibt es überall, ich habe noch von keiner mit einem besonders guten Ruf gehört, meine Freunde wohnen alle in winzigen WG-Zimmern und ich wüsste niemanden, mit dem ich es auf so engem Raum lange aushalten würde. Dazu kommt, dass meine Eltern aus meinem Heimatort weggezogen sind. Meine Mama wohnt jetzt im Westerwald in einem 200-Seelen-Dorf ohne vernünftige Busanbindungen und mein Papa in einer ähnlichen Situation in der Lüneburger Heide.

Zumindest scheint mir die öffentliche Verkehrsanbindung im Dorf meines Vaters nicht ganz so schlecht. Die Busanbindungen sind dort deutlich besser, vermutlich ist das dem Tourismus geschuldet. Es ist zwar trotzdem winzig und vorwiegend von älteren Menschen bewohnt, aber es ist durchaus machbar, am Wochenende mal meinen Bruder, meine Oma oder meine Schwester besuchen zu fahren, die alle nicht so weit davon entfernt wohnen. Und ich könnte mich voll und ganz auf das Praktikum konzentrieren ohne Gefahr zu laufen, zu sehr von meinem Privatleben abgelenkt zu werden. Keine Freunde, die ich abends treffen kann, kein Babysitten, kein Arbeiten, kein Klavierunterricht, nichts. Da könnte es ja fast möglich sein, das Praktikum plus zwei Hausarbeiten in den Semesterferien unterzubringen.

Aber auf der anderen Seite kann es sicher auch richtig schiefgehen. Vielleicht wird mir dieser Ausgleich so sehr fehlen, dass ich nicht genug Energie habe, um meine Arbeit zu erledigen. Ich weiß es nicht. Wir werden sehen.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Feb 4, 2016
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Feb 4, 2016

Studentenleben live

Flexibel wie ein Stein

Früher mochte es nicht, wenn sich Dinge änderten. Ich hatte gerne schon morgens einen Plan vom Tag und überhaupt: „spontan“ bedeutet doch, man überlegt sich was für übernächste Woche, oder? Ich war eigentlich ganz glücklich damit, manchmal hatte ich aber trotzdem ein bisschen das Gefühl, durch meine Unflexibilität etwas zu verpassen und mir die Chance auf tolle Geschichten zu verbauen, die ich meinen Enkelkindern erzählen kann.

Diese Janna ist definitiv Vergangenheit. Ich habe das Gefühl, mich in den letzten Monaten ziemlich verändert zu haben, weil ich momentan sehr locker an neue Situationen und Veränderungen herangehe. Besonders mag ich aber, dass ich wirklich spontaner geworden bin.

Ein Beispiel? Vergangene Woche saß ich eines Abends um halb zehn Uhr eigentlich in Jogginghose und Schlabber-T-Shirt mit einem guten Buch auf dem Sofa, um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen, da der ursprünglich geplante Mädelsabend abgesagt wurde. Dann bekam ich eine Nachricht von zwei meiner besten Freunden aus der Uni, die fragten, ob ich nicht vorbeikommen wollte. Zwölf Minuten später (inklusive Umziehen und Fahrradweg) stand ich vor ihrer Tür und konnte mich über einen Abend mit viel Lachen, aber auch tiefergehenden Gesprächen freuen.

Der vergangene Sonntag war in Sachen Spontaneität aber mein bisheriges Highlight: Ich hatte den ganzen Tag verschlafen, weil ich vom Lernen ein bisschen schlapp war und für abends drei Freunde eingeladen habe, damit ich nicht einen ganzen Tag ohne gesellschaftliche Interaktion auskommen musste. Spontan kamen dann noch drei weitere Freunde dazu. Eigentlich sollte das Ganze nicht so lange gehen. Das einzige andere Mädchen der Runde verabschiedete sich auch um halb elf, die anderen saßen aber weiter in meinem Wohnzimmer, leerten meinen Kühlschrank und erfanden Spiele, bis es plötzlich drei Uhr nachts war und eine Idee geboren wurde: Lasst uns doch alle die „Nudel-Challenge“ machen, bei der jeder zwei Packungen Nudeln essen muss.

Es war halb sieben Uhr morgens, als ich an jenem Tag mit dem guten Gefühl eingeschlafen, dass ich mich später an diese Dinge erinnern werde und mir sage: Hey, ich habe in meiner Jugend wirklich witzige Sachen erlebt!

Autor: Janna  |  Rubrik: studium  |  Feb 3, 2016
Autor: Janna
Rubrik: studium
Feb 3, 2016