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Studentenleben live

Achillessehne

Autor:
Mila

Rubrik:
studium

24.02.2016

Am Ende des dritten Semesters begann erneut die Projektzeit. Meine Klasse wurde in drei Gruppen eingeteilt und ich kam mit etwa 15 anderen Tänzerinnen in das Projekt einer Choreographin aus Istanbul. Sie wollte ein Stück über Missverständnisse konstruieren. Die meiste Zeit verbrachten wir mit Bewegungserforschung und Improvisation, die unsere Choreographin geschickt zu einer Performance zusammensetzte. Am Ende warteten acht Aufführungen auf uns.

Die Zeit bis dahin war sehr anstrengend für mich. Mit jeder Probe tat mein rechter Fuß mehr weh. Zunächst konnte ich nicht zuordnen, wo genau der Schmerz lag, aber nach ein paar Tagen wurde mir bewusst, dass es meine Achillessehne war. Der Orthopäde stellte eine Achillessehnenentzündung fest und riet mir, mich zu schonen. Wie sollte ich mich bei den Performances denn schonen? Sollte ich etwa auf die Aufführungen verzichten? In mir begann ein unerbittlicher Kampf zwischen meinem Ehrgeiz, meiner Vernunft und meinem Körper. In den Proben tanzte ich nicht mehr auf Zehenspitzen und letztendlich biss ich mich auch durch alle acht Aufführungen und ignorierte die Schmerzen. Das Resultat: sehr schöne Performance-Erfahrungen, sehr miserable Körperbehandlung.

Der Orthopäde sagte mir danach, dass meine Achillessehne beinahe gerissen wäre. Er machte mir einen Zinkverband und verbot mir strikt jegliche Belastung für zwei Wochen.

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