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Studentenleben live

Luft raus

Vor einer Woche habe ich meine letzte schriftliche Prüfung für dieses Semester hinter mich gebracht. Eigentlich hätte ich danach einfach nur erleichtert sein können. Aber irgendwie wollte sich nach Monaten der Daueranspannung dieses Gefühl nicht gleich einstellen. Gut, immerhin habe ich nach Monaten endlich mal ein Buch aufgeschlagen ohne gleich ein schlechtes Gewissen zu bekommen, dass es keinen Lehrstoff beinhaltet. Dennoch denke ich, dass es noch ein bisschen dauern wird, bis ich mich voll auf die Semesterferien einlassen kann. Eigentlich ist es ja auch verständlich, dass sich eine Stressperiode die sich über Monate immer weiter verschärfte, nicht mit einmal Kaffetrinken abbauen lässt.

Während meiner Krankheit fragte mich mal ein Psychologe, wie lange es gedauert hat, bis die niederdrückenden Gedanken in mir überhandnahmen. Seit damals weiß ich, dass so etwas nicht von heute auf Morgen passiert oder während eines Besuches im Café. Nein, die Krankheit hatte sich über Tage, Wochen, ja sogar Monate entwickelt. Der Psychologe erklärte mir, warum etwas, das sich über viele Wochen eingeschlichen hat, nicht an einem einzigen Nachmittag abgebaut werden kann. Da ich gar nicht vorhabe, den Stress meines Studiums an einem Nachmittag abzubauen, ist es für mich auch nicht tragisch, wenn sich mein Körper nach einem Tässchen Tee noch nicht voll auf Entspannung eingestellt hat.

Ein bisschen fühle ich mich wie ein Ballon, der das Semester über seine Luft für das Studium rausgelassen hat. Jetzt, nach der Prüfungsphase, ist nicht mehr viel Luft drin, aber mit jeder entspannten Minute füllt sich mein Energieballon wieder. Es dauert, denke ich, nicht mehr lange, bis ich wieder so weit mit Energie aufgefüllt bin, dass ich mich an die nächsten Uniprojekte wagen kann. Luft ablassen ist schließlich auch wichtig, sonst platzt man.

Autor: Mia  |  Rubrik: studium  |  Feb 26, 2016
Autor: Mia
Rubrik: studium
Feb 26, 2016

Studentenleben live

Achillessehne

Am Ende des dritten Semesters begann erneut die Projektzeit. Meine Klasse wurde in drei Gruppen eingeteilt und ich kam mit etwa 15 anderen Tänzerinnen in das Projekt einer Choreographin aus Istanbul. Sie wollte ein Stück über Missverständnisse konstruieren. Die meiste Zeit verbrachten wir mit Bewegungserforschung und Improvisation, die unsere Choreographin geschickt zu einer Performance zusammensetzte. Am Ende warteten acht Aufführungen auf uns.

Die Zeit bis dahin war sehr anstrengend für mich. Mit jeder Probe tat mein rechter Fuß mehr weh. Zunächst konnte ich nicht zuordnen, wo genau der Schmerz lag, aber nach ein paar Tagen wurde mir bewusst, dass es meine Achillessehne war. Der Orthopäde stellte eine Achillessehnenentzündung fest und riet mir, mich zu schonen. Wie sollte ich mich bei den Performances denn schonen? Sollte ich etwa auf die Aufführungen verzichten? In mir begann ein unerbittlicher Kampf zwischen meinem Ehrgeiz, meiner Vernunft und meinem Körper. In den Proben tanzte ich nicht mehr auf Zehenspitzen und letztendlich biss ich mich auch durch alle acht Aufführungen und ignorierte die Schmerzen. Das Resultat: sehr schöne Performance-Erfahrungen, sehr miserable Körperbehandlung.

Der Orthopäde sagte mir danach, dass meine Achillessehne beinahe gerissen wäre. Er machte mir einen Zinkverband und verbot mir strikt jegliche Belastung für zwei Wochen.

Autor: Mila  |  Rubrik: studium  |  Feb 24, 2016
Autor: Mila
Rubrik: studium
Feb 24, 2016

Studentenleben live

Die erste Prüfung

Es ist Mittwoch, der Wecker klingelt und ich schaffe es mal wieder nicht, mich sofort aus dem Bett zu quälen. Doch zum Glück: Die feuchte Nase des WG-Katers weckt mich und ich schrecke auf: „Oh nein! Heute ist doch Prüfung!“ Ich packe mein Zeug zusammen, stürze unter die Dusche, dann in die Tram und stehe schließlich zehn Minuten zu früh vor dem noch verschlossenen Seminarraum S420. Dort werde ich gleich meine erste Prüfung an der Uni schreiben: „Einführung in die Slawistik“. Top vorbereitet fühle ich mich nicht gerade, doch ich werde mein Bestes geben.

Dann geht es los. Die Fragen drehen sich um die Themenblöcke Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft und Kulturstudien Böhmischer Länder. Es ist ungewohnt, wieder in einem Raum zu sitzen und eine Prüfung zu schreiben. Das habe ich seit dem Abitur beziehungsweise seit der Aufnahmeprüfung für Szenische Künste in Hildesheim (die ich leider nicht bestanden habe) im vergangenen Mai nicht mehr erlebt. Ich schwitze also 120 Minuten und beantworte Fragen wie: Welche Meinung haben Sie zu der These, dass nach Ausschwitz kein Gedicht mehr geschrieben werden dürfe? Welche Rolle hatte Karl in der Geschichte der Böhmischen Länder und für Prag im Speziellen? Dann ist es geschafft. Im Anschluss an die Prüfung gönne ich mir zu Feier des Tages neben dem Mittagessen in der Mensa gleich noch ein Stück Erdbeertorte. Und weil das ja eben eine Slawistik-Klausur war, direkt noch ein Stück Russischen Zupfkuchen hinterher.

Autor: Ferdinand  |  Rubrik: studium  |  Feb 23, 2016
Autor: Ferdinand
Rubrik: studium
Feb 23, 2016