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Studentenleben live

Strafrecht vs. Emotion

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

17.05.2016

Im Moment beschäftige ich mich mit Strafrecht. Und wenn ich das dazugehörige Lehrbuch so durchblättere, falle ich manchmal echt vom Glauben ab … Die vorgestellten Fallbeispiele sind nämlich zum Teil ziemlich krass.

Beispiel 1: A überredet B, an einen Katzenkönig zu glauben. Eine Zeitlang beten beide den Katzenkönig an, bis A schließlich B eröffnet, dass es zur Rettung der Welt nur noch eine Lösung gibt: eine Opfergabe. Geopfert werden soll B. B zweifelt erst ein bisschen, aber nach einigen Überredungskünsten wird ihm klar, dass A recht hat: Er muss sich töten, um die Welt zu retten.

Beispiel 2: Die Ehefrau schlägt ihrem Ehemann drei Mal mit der Bratpfanne auf den Hinterkopf, dann verlässt sie den Raum. Ihre Tochter kommt herein und schlägt dem Vater ebenfalls mit der Bratpfanne auf den Kopf, bevor sie den Raum wieder verlässt. Schließlich kommt die Ehefrau wieder und schlägt ihm noch ein letztes Mal auf den Kopf. Der Mann stirbt. Wer ist für die Tötung nun verantwortlich?

Beispiel 3: A und B überschütten C mit Kerosin, stellen ihn auf den Balkon und zünden ihn an. Zu ihrer Überraschung fängt er schnell an, lichterloh zu brennen – ein Ergebnis, mit dem sie so nicht gerechnet hatten. Zunächst versuchen sie, ihn mit Decken und Tüchern zu löschen, dann holen sie Wassereimer – das Leben des C können sie trotzdem nicht retten.

Diese ganzen Fälle sind so erschütternd. Man liest nicht nur von unglaublich grausamen Taten, sondern auch über unglaublich traurige Schicksale. In vielen Fällen kann ich die Motive und Umstände der Tat zwar menschlich nachvollziehen, aber das Strafrecht muss sie trotzdem bestrafen. Und immer mal wieder sind auch solche dabei, bei denen mir einfach ein kalter Schauer über den Rücken läuft. So was gibt es tatsächlich? Das ist nicht nur ausgedacht und stammt aus irgendeinem Tatort-Drehbuch?

Ich hatte mal über eine Karriere am internationalen Strafgerichtshof nachgedacht. Aber wenn mich schon bei einem „einfachen“ deutschen Strafrechtsfall das Grauen packt, will ich gar nicht wissen, wie ich bei einem Völkermörder reagieren würde. Nein, danke! Dann ist es mir doch lieber, mich damit zu beschäftigen, ob A jetzt einen Anspruch gegen B hat oder nicht. Da ist wenigstens nicht so viel Emotionalität dabei.

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