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Studentenleben live

Jura-Slam

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

09.06.2016

An meiner Uni fand der erste „Jura-Slam“ (Poetry Slam rund ums Thema Jura) statt. Zuerst war ich etwas misstrauisch. Da verbringt man den ganzen Tag mit Vorlesungen über Jura und dann soll man auch noch abends – zur Unterhaltung – von Jura hören? Letztendlich überwog aber die Neugierde – zum Glück!

Meine persönlichen Highlights: Ein zehnminütiger Vortrag über Irren im Recht, komplett in Reimform geschrieben. Dann hat eine Studentin die Regeln zu Vertragsschlüssen auf romantische Beziehungen übertragen. Demzufolge bräuchte man immer einen Antrag und eine Annahme (Willst du mit mir gehen? – Ja, nein, vielleicht) und man müsse sich überlegen, ob man einen einmaligen Leistungsaustausch möchte oder eher ein Dauerschuldverhältnis.

Mein Favorit und auch der vom Publikum gekürte Sieger war allerdings ein wissenschaftlicher Mitarbeiter, der über die Absurditäten im Strafrecht referierte. Ausgangspunkt war der „Frankfurter Tauben-Fall“, bei dem ein wütender Bürger eine Taubenleiche in einen Briefkasten geworfen hat. Das fand der Briefkastenöffner gar nicht witzig, verspürte „lang anhaltende Ekelgefühle, gepaart mit Brechreiz und einer tiefen Furcht vor dem Briefkasten“ und erstattete Anzeige wegen Körperverletzung. Die Frage war: Stellen das Hervorrufen von Ekel und Angst eine Körperverletzung dar? Laut BGH ja, wenn sie „somatisch wirken“, also körperlich. Dies verglich der Vortragende mit dem „Kölner Durchfall-Fall“, bei dem ein Jugendlicher seinen Freund erschreckte, der daraufhin „bis zum Abend leichte Durchfallerscheinungen“ verspürte – und somit nach dem Gesundheitsschädigungsbegriff des BGH ebenfalls strafrechtlich relevant am Körper verletzt wurde. Jura hat also durchaus Slam-Potenzial, was die skurrilen Einblicke in die Untiefen des deutschen Strafrechts gezeigt haben.

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