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Studentenleben live

Gespräche im Bus

Ich lebe ja zugegebenermaßen schon in einer Blase. Mit Nicht-Juristen habe ich wenig zu tun, mit Nicht-Studierenden noch viel weniger. Und dann sitze ich im Bus nach Hause neben einem, der so ganz anders ist als ich. Schon um vier Uhr nachmittags nuckelt er während der Fahrt gemütlich an einer Bierflasche und quatscht mich unermüdlich zu. Über seinen Bauwagen, in dem er mit Ziegen, Hühnern und anderen Punk-Rock-Fans lebt. Über seine Jugend, als er mit vierzehn von zu Hause abgehauen ist und erstmal ein paar Jahre von Stadt zu Stadt und von Festival zu Festival gezogen ist. Davon, dass er heilfroh ist, in ein paar Monaten seine vierjährige Bewährungszeit hinter sich zu haben. Einen Schulabschluss hat er nicht und er ist fasziniert, als ich ihm erzähle, dass ich Jura studiere.

Während ich meine Lösungsskizze der letzten Strafrechts-Examensübungsklausur durchlese, erzählt er mir einen Witz und wir wechseln erneut ein paar Sätze. Wie gerne würde ich mit ihm ein bisschen über Deutschland reden und erfahren, was für einen Blick er auf die Gesellschaft hat. Aber so richtig fruchtbar wäre das Gespräch wahrscheinlich nicht. Trotzdem scheint er ein bisschen traurig, als er mir beim Abschied viel Glück bei meinem weiteren Lebensweg wünscht – und als ich ihn frage, was er mit seinem Leben noch vor hat, mit „nichts“ antwortet.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Jun 16, 2016
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Jun 16, 2016

Studentenleben live

Mit dem Fahrrad auf der Bundestraße

Das Ereignis spielte sich vor einigen Wochen an einem grauen und bewölkten Vormittag ab, als ich mir vornahm, einmal mit dem Fahrrad zur Uni zu fahren. Vorbildlich setzte ich meine Brille auf und schnallte mir meinen neu erworbenen Fahrradhelm um. Da ich mir nicht ganz sicher war, welche Abkürzungen und Schleichwege ich zur Uni nehmen konnte, folgte ich einfach meiner gewohnten Busroute. Während der Fahrt schien alles glatt zu laufen. Ich wurde nicht von der Straßenbahn erfasst, fuhr keine Fußgänger an und stürzte nicht einmal, als ich am Bordstein hängen blieb.

Ein kleines Problem stand jedoch im wahrsten Sinne des Wortes vor mir, als ich den Galgenberg erklimmen sollte. Jeder kennt diese Situation, vor einem unendlich langen Berg zu stehen und zu wissen, wie verschwitzt und außer Puste man dort oben ankommen würde. Spontan entschied ich mich deshalb, meine Route zu ändern und bog einfach rechts ab. Leider verpasste ich dabei, auf die Schilder zu achten und befand mich plötzlich auf einer vierspurigen Bundesstraße. Hupende, mit den Armen wedelnde Autofahrer rasten an mir vorbei und zusätzlich hatte es auch noch zu regnen begonnen. Die Leitblanken hielten mich davon ab, die Fahrbahn schnell wieder zu verlassen, bis ich endlich eine kleine Lücke entdeckte. Mit gefühlten 50 Stundenkilometern raste ich darauf zu. Nur eine Vollbremsung rettete mich davor, den Hügel hinter der Sicherheitsbegrenzung herunterzurollen. Erleichtert stieg ich vom Fahrrad und schob es den Berg hinunter.

Mit etwas erhöhtem Blutdruck fand ich schließlich einen Weg zur Uni und kam letzten Endes sicher am Ziel an. Beim nächsten Mal nahm ich dann doch wieder den Bus und fuhr sicher und trocken an der vierspurigen Straße vorbei, vor der ein großes Verbotsschild für Fahrradfahrer steht.

Autor: Eva  |  Rubrik: studium  |  Jun 13, 2016
Autor: Eva
Rubrik: studium
Jun 13, 2016

Studentenleben live

Jura-Slam

An meiner Uni fand der erste „Jura-Slam“ (Poetry Slam rund ums Thema Jura) statt. Zuerst war ich etwas misstrauisch. Da verbringt man den ganzen Tag mit Vorlesungen über Jura und dann soll man auch noch abends – zur Unterhaltung – von Jura hören? Letztendlich überwog aber die Neugierde – zum Glück!

Meine persönlichen Highlights: Ein zehnminütiger Vortrag über Irren im Recht, komplett in Reimform geschrieben. Dann hat eine Studentin die Regeln zu Vertragsschlüssen auf romantische Beziehungen übertragen. Demzufolge bräuchte man immer einen Antrag und eine Annahme (Willst du mit mir gehen? – Ja, nein, vielleicht) und man müsse sich überlegen, ob man einen einmaligen Leistungsaustausch möchte oder eher ein Dauerschuldverhältnis.

Mein Favorit und auch der vom Publikum gekürte Sieger war allerdings ein wissenschaftlicher Mitarbeiter, der über die Absurditäten im Strafrecht referierte. Ausgangspunkt war der „Frankfurter Tauben-Fall“, bei dem ein wütender Bürger eine Taubenleiche in einen Briefkasten geworfen hat. Das fand der Briefkastenöffner gar nicht witzig, verspürte „lang anhaltende Ekelgefühle, gepaart mit Brechreiz und einer tiefen Furcht vor dem Briefkasten“ und erstattete Anzeige wegen Körperverletzung. Die Frage war: Stellen das Hervorrufen von Ekel und Angst eine Körperverletzung dar? Laut BGH ja, wenn sie „somatisch wirken“, also körperlich. Dies verglich der Vortragende mit dem „Kölner Durchfall-Fall“, bei dem ein Jugendlicher seinen Freund erschreckte, der daraufhin „bis zum Abend leichte Durchfallerscheinungen“ verspürte – und somit nach dem Gesundheitsschädigungsbegriff des BGH ebenfalls strafrechtlich relevant am Körper verletzt wurde. Jura hat also durchaus Slam-Potenzial, was die skurrilen Einblicke in die Untiefen des deutschen Strafrechts gezeigt haben.

Autor: Luisa  |  Rubrik: studium  |  Jun 9, 2016
Autor: Luisa
Rubrik: studium
Jun 9, 2016