interaktiv

Studentenleben live

Verlorene Generation?

Autor:
Luisa

Rubrik:
studium

28.07.2016

Kaum zu glauben, aber nach fünf anstrengenden Monaten ohne Pause hatte ich tatsächlich ganze drei Wochen frei und konnte endlich wieder reisen. Diesmal ging’s auf den Balkan, ein bisschen Strand, Wasser und Sonne hatte ich jetzt dringend nötig. Aber so ganz ohne Geschichte und Kultur ist dann doch nicht meins, sodass ich einen Abstecher nach Bosnien und Herzegowina eingeplant hatte. Und in Sarajevo wurde mir mal wieder bewusst, wie gut ich es in Deutschland habe.
Da war zunächst die Stadtführung mit einer jungen, gebildeten und selbstbewussten Sprachlehrerin, die sich aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation in ihrem Land schon oft mit Kellnerarbeiten über Wasser halten musste und inzwischen in dem Hostel, in dem ich wohnte, arbeitet. Aus ihr sprach eine Mischung aus Verzweiflung und Stagnierung: Aus ihrem Heimatland will sie nicht weg und deswegen sitzt sie hier fest, ohne gute Arbeit und ohne Perspektive, dass sich die Situation bald bessern wird.
Und dann war da noch ein junger Mann, der einen Bachelorabschluss in Politikwissenschaften hat und mich mit dem Auto zu den Kriegsstätten der Stadt fuhr. Als er hörte, dass ich aus Deutschland komme, meinte er, ich hätte es gut. Zwar könnten wir immer noch etwas an unserem politischen System kritisieren, aber gemessen an seinen Punkten sind unsere harmlos. Von der wirtschaftlichen Lage ganz zu schweigen.
In Sarajevo sah ich dann einen Mann, auf dessen T-Shirt stand: „We are not a lost generation“ (Wir sind keine verlorene Generation). Aber ist dem wirklich so?
Dieses Land lehrte mich eine wichtige Lektion: Geh verantwortungsvoll mit deinen Privilegien um und mache etwas aus den Chancen, die sich dir in Deutschland bieten.

 

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